netzeitung.deMallow rechnet mit guten WM-Leistungen

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Steffi Nerius (Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH)

Lupe Steffi Nerius
Quelle: Deutsche Presse-Agentur GmbH

Die deutschen Leichtathleten hatten bei Olympia enttäuscht. Doch ein Jahr nach der Pleite von Athen rechnet Bundestrainer Jürgen Mallow mit einem deutlichen Aufwärtstrend.

Der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) wird mit einem kleinen, aber feinen Aufgebot zur Weltmeisterschaft vom 6. bis 14. August nach Helsinki reisen. «Die Zahl wird nicht riesig sein, aber realistisch», sagte der Leitende Bundestrainer Jürgen Mallow vor den deutschen Meisterschaften am Wochenende in Bochum- Wattenscheid, «schließlich haben wir für die Qualifikation einen hohen Anspruch formuliert.»
29 Athleten erfüllen WM-Norm
Bisher haben 29 Athleten die WM-Norm für einen Einzelstart erfüllt, hinzu kommen die Staffeln. Etwa zehn Athleten haben bei den nationalen Titelkämpfen noch die Chance, ein Helsinki-Ticket zu buchen. Bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen hatte es bei 77 deutschen Startern nur zwei Mal Silber gegeben, gerade mal 13 von 42 Endkämpfen waren erreicht worden.

«Die, die den hohen Anspruch der zweimaligen Normerfüllung eingelöst haben, werden auch bei der WM ein hohes Leistungsvermögen haben», glaubt Mallow, der aber bei der Nominierung für Helsinki den Härtefällen Hoffnung macht. Dazu zählt der Weitspringer Nils Winter (Leverkusen), der die hohe WM-Norm von 8,20 m erst ein Mal erfüllte. «Es geht nicht darum, eine harte Linie zu verteidigen, sondern gute Ergebnisse bei der WM zu ermöglichen», so Mallow.

Bei den nationalen Titelkämpfen mit 1491 Teilnehmern erhofft er sich auch jenseits der WM-Ausscheidung guten Sport. «Ich erwarte herausragende Leistungen und vielleicht sogar einen deutschen Rekord», sagte Mallow. Kandidaten dafür sind die Speerwerferin Steffi Nerius und Tobias Unger über 200 m. «Ich weiß, dass ich 67 Meter werfen kann und will das jetzt auch endlich zeigen», sagte die 32 Jahre alte Olympia-Zweite aus Leverkusen, die bei ihren acht bisherigen Starts acht Siege einfuhr. Zu übertreffen sind 66,91 Meter, die Tanja Damaske 1999 erreichte. Hallen-Europameister Tobias Unger (Kornwestheim) will die Rekordmarke von Frank Emmelmann, der vor 20 Jahren 20,23 Sekunden lief, knacken.

Spannung im Hochsprung
Spannend wird der Kampf um das dritte WM-Ticket bei den Stabhochspringern. Vize-Europameister Lars Börgeling (Leverkusen) und der frühere Hallen-Weltmeister Tim Lobinger (Köln) haben die Fahrkarte nach Helsinki bereits in der Tasche. «Der Druck liegt bei meinen Konkurrenten, die noch nicht die geforderte WM-Norm von zwei Mal 5,75 Meter erfüllt haben», sagte Lobinger, der aber den achten Freiluft-Titel nicht «verschenken» will: «Ich werde voll konzentriert zur Sache gehen.» Anwärter auf WM-Platz drei sind Fabian Ernst, Danny Ecker, Richard Spiegelburg, Michael Stolle und Björn Ott.

Bei den Meisterschaften wird eine Reihe von Assen nicht am Start sein. Neu auf der Liste der Athleten, die wegen Verletzung in der WM- Saison passen müssen, ist 400-m-Vorzeigeläuferin Grit Breuer wegen eines Bandscheibenvorfalls. Zuvor hatten bereits 400-m-Kollege Ingo Schultz (Leverkusen), Olympiasieger Nils Schumann (Frankfurt) und seine 800-m-Mitstreiterin Claudia Gesell (Leverkusen), der frühere Hochsprung-Weltmeister Martin Buß (Wuppertal) und Geher-Ass Andreas Erm (Potsdam) für Helsinki absagen müssen.

«Das sind keine Ausfälle, sondern Athleten, bei denen der Start sowieso fraglich war», sagte Mallow. Dafür könne man wieder mit Routiniers wie dem fünfmaligen Diskus-Weltmeister Lars Riedel (Chemnitz), der Weltjahresbesten Franka Dietzsch (Neubrandenburg/Diskus) oder dem Ex-Weltmeister Charles Friedek (Leverkusen/Dreisprung) rechnen.

«Außerdem werden wir uns an neue Namen gewöhnen müssen», verspricht Mallow. Dazu zählt er die junge Kugelstoßerin Petra Lammert (Stuttgart) oder Robert Harting (Berlin), der Riedel und seinem Rivalen Michael Möllenbeck (Wattenscheid) auf die Pelle rückt. Die neuen Namen seien auch ein Beleg dafür, dass sich nach der Strukturreform im DLV langsam etwas bewege. «Da ist etwas Positives zu erkennen», stellt Mallow fest, warnt aber vor übertriebenen Erwartungen bei der WM: «Wir müssen noch einen langen Atem haben. In Helsinki werden wir gute Leistungen sehen, Ziel sind aber die Olympischen Spiele 2008.» (dpa)