19.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
DFB-Frauen erneut Europameister
Die deutschen Fußball-Frauen bleiben in Europa das Maß aller Dinge. Die Norwegerinnen konnten im EM-Finale nur 20 Minuten lang mithalten.
Die deutschen Fußball-Frauen haben sich zum insgesamt sechsten Mal den Europameister-Titel gesichert. Im Finale der kontinentalen Titelkämpfe in England besiegten die Weltmeisterinnen das Team aus Norwegen in Blackburn mit 3:1 (2:1). Ein Doppelschlag durch Inka Grings (21.) und Renate Lingor drei Minuten später entschied die Partie vor 21.105 Zuschauern im Ewood Park frühzeitig. Die Skandinavierinnen fanden nach dem Anschlusstreffer durch Dagny Mellgren (41.) zwar besser ins Spiel, der Ausgleich gelang ihnen trotz mehrerer zwingender Torchancen jedoch nicht. Statt dessen sorgte Kapitän Birgit Prinz nach der Pause mit dem 3:1 (63.) für die endgültige Entscheidung.
Beide Mannschaften waren schon in der Vorrunde aufeinander getroffen. Auch hier hatte die DFB-Elf die Oberhand behalten (1:0).
«Die Mädels haben ein tolles Turnier gespielt. Sie waren die beste Mannschaft hier», sagte Theune-Meyer, die ihre Emotionen auch nach ihrem letzten Spiel als Bundestrainerin nicht zeigen wollte. «Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, aber mehr mit einem lachenden.»
Keine VeränderungenTheue-Meyer vertraute in ihrem letzten großen Finale als Chefcoach der eingespielten Stammformation, die nach dem Halbfinale einen Tag mehr Ruhepause hatte als der Weltmeister von 1995. Die Norwegerinnen, am Donnerstag beim 3:2 gegen Schweden 120 Minuten gefordert, wechselten auf zwei Positionen. Für Unni Lehn und die erst 16-jährige Isabell Herlovsen kamen Trine Rönning und Stine Frantzen ins Team. Schon in der 3. Minute hätte sich die Hereinnahme von Rönning beinahe ausgezahlt. Doch ihr Schuss klatschte zum Glück für die deutsche Torhüterin Silke Rottenberg an den Pfosten.
Die Norwegerinnen, schon 1987 und 1993 Titelträger, versuchten es wie immer mit weiten Pässen in die Spitze und schnellen Kontern. Die deutsche Abwehr um Ariane Hingst und Steffi Jones durfte die flinken Stürmerinnen Dagny Mellgren und Lise Klaveness nicht aus den Augen lassen. Zudem rückte Solveig Gulbrandsen, die gegen Schweden zwei Tore erzielt hatte, immer wieder gefährlich in die Spitze. Doch nach etwas nervösem Beginn bekam der fünfmalige Europameister das Geschehen und den Gegner immer besser in den Griff. Prinz (21.) zwang Norwegens Torfrau Bente Nordby zu einer Glanzparade.
Norwegen gibt sich nicht geschlagenKurz darauf schlug der Weltmeister und Turnierfavorit, der nun 20 EM-Spiele in Serie seit 1993 ungeschlagen ist, eiskalt zu. Grings (22.) bugsierte einen Kopfball zum 1:0 über die Linie. Ihr wurde der Treffer erst nachträglich zuerkannt, wodurch sie mit insgesamt vier Treffern EM-Torschützenkönigin wurde. 120 Sekunden später gelang Lingor nach einem feinen Zuspiel von Britta Carlson mit einem Heber über die herausstürmende Nordby die scheinbar beruhigende 2:0-Führung.
Gegen Ende der ersten Spielhälfte sorgte bei schwül-warmem Wetter ein Gewitter mit heftigem Regen für Abkühlung, und der Gegentreffer von Mellgren (41.) für Ernüchterung im deutschen Lager. Die norwegischen Fans hatten vor der Pause noch zwei Mal den Torschrei auf den Lippen, doch Frantzens Treffer blieb wegen Abseits die Anerkennung versagt. Gulbrandsens Distanzschuss lenkte Rottenberg zur Ecke.
Prinz macht alles klarNach dem Wechsel drängten die Skandinavierinnen auf den Ausgleich. Nachdem Birgit Prinz (46.) zunächst das 3:1 verpasst hatte, zielte Klaveness (50.) per Kopf nur knapp vorbei. Selbst nach dem 3:1 von Prinz war die Partie noch nicht gelaufen, aber Norwegen konnte keine der zahlreichen Chancen mehr nutzen.
So konnte Kapitän Birgit Prinz die neue EM- Trophäe von Uefa-Generalsekretär Lars-Christer Olsson entgegennehmen. Den «alten Pokal» hatten die deutschen Frauen nach zuletzt drei Erfolgen hintereinander 2001 behalten dürfen. (nz)