Letzter Auftritt für Cheftrainerin Theune-Meyer
17. Jun 2005 12:52, ergänzt 14:38
 |  Steffi Jones | Foto: dpa |
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Vor dem EM-Finale gegen Norwegen gibt sich Cheftrainerin Theune-Meyer gelassen und fährt nach Manchester zum Shoppen. Dabei steht ihr der letzte große Auftritt bevor.
Vor dem EM-Finale gegen Norwegen ist im Lager der deutschen Fußballerinen von Anspannung nichts zu spüren. Tina Theune-Meyer trank am Freitagmorgen in Ruhe ihren Cappuccino, erledigte einige Interviews und fuhr dann gemeinsam mit ihrer Assistentin und Nachfolgerin Silvia Neid vor dem abendlichen Training noch schnell zum «Shopping» ins 60 Kilometer entfernte Manchester. Dass nach neun Jahren erfolgreicher Arbeit ihr letzter großer Auftritt auf der internationalen Fußball-Bühne kurz bevor steht, war der Cheftrainerin nicht anzumerken. Signale von Nervosität oder Wehmut - Fehlanzeige.
Lob für Bundestrainerin
«Mich beschäftigt im Moment nur die Vorbereitung auf das Spiel und den Gegner. Ich hatte genügend Zeit, mich auf meinen Abschied vorzubereiten. Auch auf die Feiern danach», sagte Theune-Meyer gelassen. Die 51-Jährige ist immer auf alles eingestellt. Das zeichnet sie laut Steffi Jones aus. «Sie ist Perfektionistin. Bisher hat sie es immer geschafft, dass wir auf dem Punkt fit waren», lobte die Abwehrchefin. Sie und die Mannschaft hätten Theune-Meyer viel zu verdanken. Daher wolle man das Endspiel am Sonntag (16.15 Uhr MESZ/ Eurosport) in Blackburn, zu dem DFB-Präsident Theo Zwanziger eigens anreist, unbedingt gewinnen: «Es wäre sehr schön, Tina mit der Trophäe in der Hand zu verabschieden. Es wird ein geiles Finale.» Bereits vor dem Halbfinale am Mittwoch gegen Finnland (4:1) hatte Theune-Meyer, wie immer bei großen Turnieren, ihre Koffer gepackt. «Das ist ein Ritual, kein Aberglaube. Ich bin ja Pfarrerstochter, da gibt es keinen Aberglauben», erläuterte sie. «Ich denke einfach praktisch. Man könnte doch ausscheiden. Und dann ist es besser, wenn man nicht erst seine Sachen zusammensuchen muss.»
Respekt vor Gulbrandsen
Wie Jones erwartet Theune-Meyer «ein gutes Endspiel», in dem beide Teams nach vorne spielen. «Wir können gar nicht anders. Ich kann die Mädchen im Endspiel nicht bremsen. Aber wir müssen auch kompakt stehen, weil Norwegen schnelle und gefährliche Stürmerinnen hat», mahnte Theune-Meyer, die besonders von Solveig Gulbrandsen schwärmte. Die 24-jährige Mittelfeldspielerin war im Halbfinale am Donnerstag dank ihrer zwei Tore (40./109.) beim 3:2 in der Verlängerung gegen Vize-Weltmeister Schweden die umjubelte Matchwinnerin. Nach der 1:0- Führung zog sich Gulbrandsen wie 2001 die deutsche Stürmerin Claudia Müller nach ihrem Golden Goal im EM-Finale gegen Schweden das Trikot von vorn über den Kopf. Der Applaus war ihr auch so gewiss. «Sie geht weite Wege, ist dynamisch, einfach klasse», lobte «TTM».Dass es für die DFB-Elf ein Vorteil sei, dass der Gegner 120 intensive Minuten in den Beinen und vor dem Finale einen Tag weniger Pause hat als der Titelverteidiger, glaubt vor allem Norwegens Trainer Bjarne Berntsen. «Deutschland ist ohnehin großer Favorit. Nach unserem Spiel gegen Schweden noch mehr. Alle sind erschöpft. Wenn wir am Sonntag nicht topfit sind, haben wir keine Chance.»
Hoffen auf «Gesetz der Serie»
Doch die deutschen Routiniers lassen sich keinen Sand in die Augen streuen. «Die werden nochmal Gas geben, so lange die Füße tragen. Schließlich ist es ein Endspiel», sagte Jones, und Abwehrkollegin Ariane Hingst sieht es ähnlich. «Ich wäre nicht traurig, wenn sie in der zweiten Hälfte einbrechen würden. Aber darauf können wir uns nicht verlassen», so die Potsdamerin. Ein gutes Omen auf dem Weg zum 6. EM-Titel ist für sie eher das «Gesetz der Serie». Hingst: «Bei der EM 1997 waren die Italienerinnen unser Auftaktgegner, dann haben wir sie im Finale geschlagen. 2001 war es Schweden, der Ausgang ist bekannt. Und hier haben wir Norwegen im ersten Spiel besiegt...» (nz)