03.06.2005
Herausgeber: netzeitung.de
Hondo will sich rehabilitieren
Radprofi Danilo Hondo ist nach seinem Dopingbefund erst einmal erleichtert. Der zuständige Schweizer Radsport-Verband sperrte den Cottbuser nur für ein Jahr.
Danilo Hondo kann doch noch auf die Rückkehr in den Elite-Radsport hoffen. Ein Jahr Sperre und damit die Hälfte des befürchteten Strafmaßes sowie eine fünfjährige Bewährung für das zweite Strafjahr: So lautete am Donnerstagabend in Bern das Urteil des zuständigen Schweizer Radsport-Verbandes im Doping-Prozess gegen den 31-jährigen Radprofi. Damit wäre Hondo im April 2006 wieder startberechtigt.
«Ein Jahr ist hart, aber es zeigt ja auch ein Entgegenkommen des Gerichts. Das Urteil gibt mir die Chance, mich zu rehabilitieren. Es zeigt, dass wir die Zweifel an meiner Schuld darstellen konnten», sagte Hondo dem Internetdienst «Radsport-News» am Freitag.
Hondo war im März bei der Murcia-Rundfahrt in Spanien nach zwei Etappensiegen die Einnahme des Aufputschmittels Carphedon nachgewiesen worden, worauf ihn sein Rennstall Gerolsteiner am 31. März fristlos entließ. Bei einer zweijährigen Sperre hätte Hondo ab 2007 zwei weitere Jahre lang bei keinem der 20 ProTour-Teams fahren dürfen. Zahlen muss er in jedem Fall 50.000 Schweizer Franken, weitere 50.000 wurden zur Bewährung ausgesetzt.
Urteil noch nicht rechtskräftigGegen das milde Urteil des als sonst unerbittlich bekannten Verbandes können sowohl Hondo als auch der Internationale Radsport- Verband UCI beim Internationalen Sportgerichtshof CAS als letzte Instanz Einspruch erheben. UCI-Sprecher Enrico Carpani lehnte einen Kommentar zum Urteil am Freitag ab. Der Verband werde nach Analyse des Spruchs entscheiden, ob er ihn akzeptiert. Einen Zeitpunkt dafür nannte Carpani ebenfalls nicht.
Stigma des Dopingsünders bleibtHondo will mit seinem Heidelberger Anwalt Michael Lehner, der in der mündlichen Verhandlung auf Freispruch plädierte, am Samstag über das weitere Vorgehen beraten. Ich weiß noch nicht, ob wir in Berufung gehen werden. Darüber muss ich noch einige Nächte schlafen», sagte Hondo, der weiter seine Unschuld beteuert. Lehner bewertete das Urteil zwiespältig: «Die große Katastrophe ist an ihm vorbei gegangen», sagte er am Freitag. Andererseits bleibe das «Stigma des Dopingsünders». Lehner erboste zudem der «wissenschaftliche Dilettantismus», mit dem über fundierte Einwände hinweg gegangen worden sei.
In der Doping-Affäre gibt es in der Tat einige Ungereimtheiten. Die beim Sprinter nachgewiesenen Spuren sind so gering, dass eine aufputschende Wirkung ausgeschlossen erscheint. Außerdem war eine bei Hondo genommene Probe am Vortag der positiven Kontrolle negativ. Einen Tag später, als Träger des Gelben Trikots, war er auffällig geworden, obwohl vor dem Start des Tagesabschnitts klar war, dass der Spitzenreiter nach der Etappe auf jeden Fall getestet werden würde.
Einige Ungereimtheiten«Das war ein typisches Verbandsurteil. Auf der einen Seite wollte man den Vorgaben der Welt-Antidoping-Agentur WADA nachkommen, auf der anderen Seite sollte der Rad-Profi gerecht beurteilt werden. Das war ein Kompromiss. Gemessen daran, dass er unschuldig ist, muss er das Urteil als ungerecht empfinden. Gemessen daran, was zu befürchten war, könnte er auch zufrieden sein», sagte Lehner.
Gerolsteiner hält Tür offenDer in Ascona in der Schweiz lebende Hondo hat nach einem «wochenlangen Albtraum» inzwischen wieder mit leichten Training begonnen. Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer schloss am Freitag eine Rückkehr des Lausitzers nicht grundsätzlich aus. Entscheidend sei, ob beim Vergehen eine Absicht unterstellt werde. Dies sollen neutrale Fachleute nach der Vorlage des schriftlichen Urteils für Gerolsteiner prüfen. «Wenn die Vorsätzlichkeit ernsthaft in Zweifel gezogen wird, sieht es nicht schlecht aus», sagte Holczer. (dpa)