Lehmann bei Eröffnungsspiel ein Feindbild
01. Jun 2005 14:14
 |  Jens Lehmann | Foto: dpa |
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Torhüter Jens Lehmann erlebte in der brandneuen Allianz-Arena beim Eröffnungsspiel zwischen dem FC Bayern und der Nationalmannschaft einen Spießrutenlauf. Ganz unschuldig daran war er nicht.
Als das rot-weiße Feuerwerk die Eröffnungsparty der Allianz Arena stimmungsvoll abschloss, kauerte Jens Lehmann bereits einsam im Mannschaftsbus der deutschen Nationalmannschaft. Erst am Tag nach seinem Spießrutenlauf im brandneuen Münchner Stadion fand der Torhüter des FC Arsenal Worte für das Erlebte. «Es ist traurig und schade, dass die Einweihung eines Stadions von Pfiffen bestimmt wird. Aber als Spieler, der für die Bayern-Fans ein Feindbild abgibt, muss man damit rechnen», sagte der 35-Jährige. Lehmann wurde von der ersten Minute an gnadenlos ausgepfiffen, verlor auf dem Platz die Nerven, war an zwei Gegentoren beteiligt - und musste deshalb die Auswechslung in der Halbzeit als Erlösung empfinden.
Manager Bierhoff: Riesensauerei
«Das war eine Riesensauerei», ereiferte sich Manager Oliver Bierhoff über das Verhalten der Bayern-Fans, die ihre Abneigung gegen den Herausforderer ihres Torwart-Denkmals Oliver Kahn überdeutlich und unermüdlich zum Ausdruck gebracht hatten. «Ich kann es als Manager der Nationalmannschaft nicht akzeptieren, dass er in Deutschland bei einer Feier so niedergemacht wird», wetterte Bierhoff und ärgerte sich über den Stadionsprecher, «von dem ich eine Durchsage erwartet hatte.»Lehmanns Nervenkostüm hielt der geballten Missfallens-Kundgebung nicht stand. Schon nach zwei Minuten parierte er einen harmlosen Schuss von Bastian Schweinsteiger erst im Nachfassen. Beim 0:1 drei Minuten später durch Sebastian Deisler verharrte er zögerlich in seinem Strafraum, statt dem heranstürmenden Schweinsteiger entgegen zu laufen. Und auch das 0:2 durch Robert Huths Eigentor leitete der Keeper mit einem missglückten Abschlag ein. «Ich habe nicht gespielt wie sonst», gestand Lehmann ein, schob seine Fehler aber nicht auf die eigenen Nerven, sondern auf den Umstand, dass er eine Woche nicht mehr richtig trainiert hatte und sich wegen der Eröffnungsfeier vor dem Anpfiff nicht richtig aufwärmen konnte. «Ich muss wieder wacher werden.»
Schubser gegen Schweinsteiger
Die größte Fehlleistung aber leistete sich Lehmann, als er an der Seitenauslinie den heranstürmenden Schweinsteiger ohne Not so auflaufen ließ, dass sich der Bayern-Youngster in einer Werbebande wiederfand. «Ich war klar vor ihm am Ball und habe ihm zwei Mal zugerufen, er soll wegbleiben. Aber er hat's nicht gemacht, deshalb habe ich ihn geblockt», schilderte Lehmann die Situation. Andere sahen den Keeper in der Rolle des Schuldigen. «Das war etwas unkollegial», urteilte Franz Beckenbauer. «Bei dem Check sah er etwas unglücklich aus», meinte auch Bundestrainer Jürgen Klinsmann, der ansonsten sehr darauf bedacht war, die Ereignisse um seine Nummer zwei herunterzuspielen: «Klar war es für ihn eine besondere Situation in diesem Stadion mit dem Olli Kahn auf der anderen Seite.»Für Lehmann war es nicht das erste Mal, dass er bei einem Heimspiel im Nationaltrikot ausgepfiffen wurde. Beim 3:0-Sieg im vergangenen November gegen Kamerun waren in Leipzig die Unmutsbekundungen ähnlich intensiv wie jetzt in München. Diesmal aber drohen größere Auswirkungen im Kampf der Torwart-Routiniers um den Stammplatz im WM-Tor. Denn dass Klinsmann im Eröffnungsspiel am 9. Juni 2006 im Münchner Fußball-Tempel das Risiko eingehen wird, den ungeliebten Lehmann anstelle des Lokal-Helden Kahn zwischen die Pfosten zu beordern, ist kaum vorstellbar. Lehmann versuchte, die Zukunftsaussichten mit einem Witz zu überspielen: «Da sind ja auch 1860-Fans und andere Fans im Stadion.»
Rotation bleibt
Zunächst wird Klinsmann an seiner Rotation festhalten. Deshalb wird Lehmann wohl bereits am Samstag in Belfast im Testspiel gegen Nordirland erneut die Gelegenheit haben, sich auszuzeichnen. Vier Tage später dürfte Kahn beim Heimspiel in Mönchengladbach gegen Russland das deutsche Team anführen, ebenso beim Auftaktspiel im Confederations Cup am 15. Juni in Frankfurt gegen Australien.Kahn sagte im Übrigen bei der Verarbeitung des Duells FC Bayern gegen Deutschland oder Lehmann gegen Kahn kein Wort. Verteidigen wollte er den Rivalen gegen die eigenen Fans dann wohl doch nicht. (nz)