netzeitung.deBoll und Süß verpassen Doppel-Titel

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Timo Boll (l.), Christian Süß (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Timo Boll (l.), Christian Süß
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Sensation nicht geschafft: Timo Boll und Christian Süß haben bei der Tischtennis-WM in Schanghai den Titel im Herren-Doppel verpasst.

Der sensationelle Siegeszug des erst im Herbst 2004 zusammengestellten Doppels Timo Boll/Christian Süß hat bei den Weltmeisterschaften in Schanghai im Finale ein Ende gefunden. Die EM-Dritten, die als zweites deutsches Herren-Doppel nach den 1989-Weltmeistern Jörg Roßkopf/Steffen Fetzner in einem WM-Endspiel standen, verloren am Donnerstag vor 10.000 Fans im Hexenkessel des Schanghai Gymnasiums deutlich mit 1:4 Sätzen gegen die Chinesen Kong Linghui/Wang Hao.
Undankbarer Gegner
Das WM-Silber von Boll/Süß glänzte dennoch fast wie Gold. «Die Chinesen waren vom Spielsystem die denkbar unangenehmsten Gegner für uns», sagte Boll nach dem einseitigen Finale. Der Weltranglisten- Fünfte hatte wegen einer Erkältung kurzfristig sogar mit einer Absage geliebäugelt: Er nahm Vitaminpräparate, um das Fieber zu bekämpfen, erlitt aber nach dem Match einen kleinen Schwächeanfall.

«Ich bin stolz auf unser fantastisches Doppel. Es hat nur gegen ein absolutes Weltklasse-Duo verloren. Wir können Schanghai erhobenen Hauptes verlassen», sagte Herren-Bundestrainer Richard Prause. Mit einer Silbermedaille und drei Achtelfinal-Teilnahmen erzielte der noch vor vier Wochen bei der EM in Aarhus kritisierte Deutsche Tischtennis-Bund (DTTB) die beste WM-Bilanz seit 16 Jahren. «Die Freude ist groß. Jetzt richten wir den Blick auf die Team-WM 2006 in Bremen», sagte Cheftrainer Dirk Schimmelpfennig.

Fast perfekte Harmonie
Linkshänder Boll (24), dessen Traum von einer Einzel-Medaille nach einer bitteren 3:4-Niederlage mit zwei ungenutzten Matchbällen gegen den Chinesen Liu Guozheng im Achtelfinale am Mittwoch geplatzt war, und Rechtshänder Süß (19) hatten auf dem Weg ins Doppel-Endspiel fast perfekt harmoniert. Vor allem beim 4:1 im Halbfinale über die einheimischen Olympiasieger und Top-Favoriten Chen Qi/Ma Lin spielte das Duo aus Gönnern und Düsseldorf wie aus einem Guss.

Die Hoffnung von Süß auf «volle Hosen» (Süß) bei den chinesischen Endspiel-Gegnern erfüllte sich aber nicht. Im Gegenteil: Die WM-Zweiten von Paris 2003 wirkten sehr konzentriert, während Süß nervös und unsicher agierte. Zwei Rückschlag-Fehler von ihm führten zum Verlust des ersten Satzes. Kurz danach zählte der Schiedsrichter aus Singapur zwei Aufschläge von Süß ab, was das DTTB-Duo sichtlich aus der Fassung brachte.

Unfassbarer Schiri
«Keiner wusste, was da falsch war. So eine Entscheidung im Finale ist blöd», sagte Boll. «Der Schiri war unfassbar», ergänzte Prause. «Wir konnten die kleinen Punkte nicht machen. Die Freude über Silber wird sich aber noch einstellen», sagte Süß. Nur im vierten Satz konnte das DTTB-Duo die Gegner vom Tisch drängen. Dennoch behielten die Chinesen den Durchblick und siegten 11:9, 11:3, 11:9, 7:11, 11:6.

Im Einzel-Turnier fehlten Boll nur Millimeter, um als erster deutscher Spieler nach Eberhard Schöler 1969 in das Viertelfinale einzuziehen. Seinen zweiten Matchball wehrte Liu Guozheng mit einem Kantenball ab, den der deutsche Meister sofort zugab. «So etwas ist Ehrensache. Egal, bei welchem Spielstand. Ich hätte den Sieg irgendwo verdient gehabt. Mit mehr Pech kann man nicht verlieren», kommentierte der Europameister von 2002 sein WM-Aus.

Däne überraschend im Halbfinale
Dänemarks Mannschafts-Europameister Michael Maze schaffte als einziger Europäer überraschend den Sprung ins Halbfinale und hat WM- Bronze sicher. Der Düsseldorfer Bundesligaspieler brachte bei seinem 4:3-Sieg nach 0:3-Rückstand den Chinesen Hao Shuai durch hoch gestellte «Mondbälle» völlig aus dem Rhythmus. Im Halbfinale trifft Maze auf den Chinesen Ma Lin. Den zweiten Finalisten ermitteln der Weltranglisten-Erste Wang Liqin (China) und Oh Sang Eun (Südkorea).

Olympiasiegerin Zhang Yining gewann derweil den Titel im Damen-Einzel. Die Weltranglistenerste gewann das Finale gegen ihre Teamkollegin Guo Yan 4:11, 11:7, 11:7, 4:11, 11:8, 13:11 und trat damit die Nachfolge der Chinesin Wang Nan an, die nach drei Einzel-Triumphen seit 1999 in Folge bereits in der dritten Runde gescheitert war. Für China bedeutete Zhangs Sieg die dritte Goldmedaille im dritten Wettbewerb. Den ersten WM-Titel hatten am Mittwoch die Chinesen Wang Liqin/Guo Yue im Mixed gewonnen. (nz)