Hondo droht Kündigung bei Gerolsteiner
Hondos Verteidigungsargumente erscheinen bekannt: «Ich habe nicht gedopt, ich bin doch nicht bescheuert. Es frisst mich auf, es geht um meine Existenz - das ist der Albtraum. Wir müssen prüfen, wo das gefundene Mittel herkam, aus einem Nahrungs-Ergänzungsmittel oder einem Regenerations-Präparat». Wird Hondos Verfehlung mit dem B- Proben-Ergebnis bestätigt, wartet auf den jungen Familienvater laut Teamchef Hans Holczer die «Kündigung seines Arbeitsverhältnisses». Hondo-Kollege Jens Voigt sprach in der «Welt am Sonntag» von einem «großen Imageschaden, der auf uns alle im deutschen Radsport zurückfällt», wenn sich die Vorwürfe nach zwei positiven A-Analysen bestätigten.
Hondo steht vor dem Karriereende, wenn seine Schuld hieb- und stichfest bewiesen ist. Am Montag soll der Analyse-Bericht der A- Probe, die ein verbotenes Aufputschmittel nachweist, vorliegen. Danach kann sich Hondo, in diesem Jahr zweifacher Etappensieger in Murcia und Zweiter beim ersten Frühjahrs-Klassiker Mailand-San-Remo, um die B-Probe bemühen. Der zur Selbstdarstellung neigende Lausitzer hat dafür in einem Institut seiner Wahl fünf Tage Zeit.
«Wir gehen von einem Einzelfall aus und nicht von einer Team- Angelegenheit. Deshalb steht unser Engagement nicht zur Disposition», erklärte Stefan Göbel, Kommunikationsleiter des Mineralwasser- Herstellers Gerolsteiner, der es der Teamleitung, Hondo und Mannschaftsarzt Jacobs überlässt, Licht ins Dunkel der Affäre zu bringen. «Wir sind mit Hochdruck dran, die Konsistenz des Präparats zu prüfen und zu klären, warum er an dem Tag, an dem er in Murcia ins Leadertrikot fuhr, beim Test negativ war und danach zwei Mal positiv. Von Doping-Mythen oder Manipulations-Theorien halte ich nichts», sagte Teamchef Holczer, der als Quereinsteiger und ehemaliger Mathematiklehrer zum Image des bisher unbescholtenen Teams aus der Vulkaneifel passt.
Nach den neuen Richtlinien der ProTour musste Gerolsteiner, bisher in der Öffentlichkeit in seinem Radsport-Engagement als zielstrebig, sauber und eher leise als laut wahrgenommen, mit der sofortigen Suspendierung reagieren. «Die Reaktion war konsequent - der Radsport hat etwas gelernt», sagte BDR-Präsident Scharping. Die Erschütterung, die die Affäre hinterlassen hat, war Holczer auch 36 Stunden später noch anzumerken: «Es ist schlimm und nicht das, wofür wir seit sieben Jahren stehen.» (nz)
