06.09.2004
Herausgeber: netzeitung.de
'Parkour'
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach Guerilla-Golf und Fassadenklettern haben Jugendliche einen neuen Extremsport entdeckt: «Le Parkour».
Von weitem sieht Parkour ungefähr so aus wie Skateboardfahren ohne Skateboard. Junge Menschen bahnen sich ihren Weg durch die Stadt, doch anstatt Treppengeländer hinunter zu grinden, rennen und spingen sie eben - und das atemberaubend akrobatisch. Für eine Gruppe junger Leute aus dem britischen Cambridge, deren Freizeitbeschäftigung Thema eines Films geworden ist, bedeutet das Springen und Saltoschlagen über Hecken und Häuserschluchten die Rückeroberung der Landschaft. Laut dem britischen Sender BBC ist «Le Parkour» ein neuer Trend im Extremsport.
Angefangen hat alles in der französischen Stadt Lisse. Vor rund 16 Jahren erfanden die Freunde David Labelle und Sebastian Foucan «Le Parkour» als Spiel. Mittlerweile ist es eine Bewegung, die in aller Welt Anhänger gefunden hat.
Das «freie Laufen» diene der Verbesserung des Selbst, zitiert BBC den «Traceur» (Vorzeichner, im Sinne von Route festlegen) Owen Covil aus Cambrigde. Man wende es auf sein Leben an, da stehe eine ganze Philosophie hinter. «Die Leute gehen einfach durch die Stadt, und sie denken überhaupt nicht über die Landschaft nach, durch die sie auf Wegen und Straßen geschleust werden. Wir versuchen die Beschränkungen, die uns umgeben, zu durchbrechen.»
Geist offen haltenDie Läufer suchen neue Wege und Ideen, um sich in den Städten zu bewegen, so Covil. Um «den Geist offen zu halten.»
Beim Bewältigen des Parkours gehe es darum, die Route möglichst «kreativ, athletisch, flüssig und akrobatisch» zu bewältigen. Das bedeutet: Sprünge, Salti und Wände hochrennen - Grenzen würden dabei einzig die Kreativität und die körperlichen Möglichkeiten des «Traceurs» setzen.
Zu Zeiten des Höhlenmenschen habe die menschliche Rasse überlebt, indem sie Nahrung gejagt und vor Feinden davon gelaufen sei, lässt sich ein «Parkour»-Aktivist auf seiner «Cambridge Parkour»-Website zitieren. «Heute gibt es neue Technologien, die Nahrung steht in Regalen, und wir müssen nicht mehr jagen, um etwas zu Essen haben. Wir müssen nicht mehr beweglich sein.» Darum gebe es «Parkour», um gesund und beweglich zu bleiben. Und er fügt hinzu: «Ich übernehme keine Verantwortung für Verletzungen oder den Todesfall.» (nz)