Schwimmerin Stockbauer: In Peking wird alles noch viel schlimmer
06.09.2004
Herausgeber: netzeitung.de
Auch der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) wurde von Deutschlands Sportlerin des Jahres attackiert. Geärgert habe es sie, «dass Funktionäre wie Klaus Steinbach sich hinstellen und immer nur erzählen, wie unfähig die Sportler sind. Sie sollten aufhören, auf den Sportlern rumzutrampeln und zu erzählen, wie viele Millionen eine Medaille kostet. Sie sollten lieber mal gucken, wie das ganze Geld sinnvoller eingesetzt werden kann.»
Aber für die Zukunft müsse sich am System etwas ändern. Sonst werde in Peking alles noch viel schlimmer. Im Blick hat sie dabei ein Erfassungssystem ähnlich dem der früheren DDR: «Um die Kinder kümmert man sich zu wenig. In anderen Ländern gibt es Sportschulen, Internate, intensive Betreuung der Kinder. Man muss Ausbildung und Leistungssport schon früh verbinden», führte Stockbauer aus, die es aber trotz der offenbar denkbar schlechten Rahmenbedingungen zu fünf WM-Titeln brachte.
Christa Thiel, die Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), zeigte sich in einer ersten Reaktion ratlos: «Ich weiß nicht, warum sie jetzt ihren persönlichen Frust so raus lässt.» Auf Beckmann ließ sie allerdings nichts kommen: «Er leistet gute Arbeit. Wer ihn kennt, weiß, dass er so etwas nicht machen würde. Selbst wenn, er hat noch genügend Überstunden auf dem Konto.»
Unverständlich ist für Christa Thiel vor allem der Zeitpunkt der Äußerungen. «Wir haben uns in Athen als Team präsentiert, da gab es nicht den Ansatz von Kritik. Wie soll sie auch die Arbeit Ralf Beckmann einschätzen können, sie trainiert ja nicht mit ihm. Außerdem ist sie unter Beckmann in Barcelona Dreifach-Weltmeisterin geworden. Da gab es auch keine Kritik», so die Verbandschefin. Konsequenzen drohen Stockbauer von Verbandsseite offenbar nicht. «Daran denke ich nicht», so Thiel. (nz)

