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Schwimmerin Stockbauer: In Peking
wird alles noch viel schlimmer

06. Sep 2004 13:52
In Athen gescheitert: Hannah Stockbauer.
Weltmeisterin Hannah Stockbauer hat den Deutschen Schwimmverband attackiert. Das Geld gelange in falsche Hände, die mangelhafte Förderung werde zu einem schlechten Auftritt bei den Sommerspielen 2008 führen.

Nach ihrem extrem schwachen Auftritt bei den Olympischen Spielen in Athen hat Hannah Stockbauer lange geschwiegen. Doch nun hat die fünffache Weltmeisterin zum verbalen Rundumschlag ausgeholt. «Beim DSV geht das Geld oft an die falschen Orte und Personen», sagte Stockbauer der «Bild-Zeitung». Besonders auf Cheftrainer Ralf Beckmann zielt die Schelte.

«Steinbach soll Geld sinnvoller einsetzen»

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«Unser Chef-Trainer Ralf Beckmann zum Beispiel kommt vier Tage zum Trainingslager in die Sierra Nevada, und zwei Tage davon macht er Urlaub. Er kann gar nicht beurteilen, wie ich trainiere», sodie 22-Jährige aus Erlangen weiter. Beckmann selbst weilte zur gleichen Zeit auf der Urlaubsinsel Kreta, war für einen Kommentar daher nicht zu erreichen.

Auch der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) wurde von Deutschlands Sportlerin des Jahres attackiert. Geärgert habe es sie, «dass Funktionäre wie Klaus Steinbach sich hinstellen und immer nur erzählen, wie unfähig die Sportler sind. Sie sollten aufhören, auf den Sportlern rumzutrampeln und zu erzählen, wie viele Millionen eine Medaille kostet. Sie sollten lieber mal gucken, wie das ganze Geld sinnvoller eingesetzt werden kann.»

Stockbauer fordert DDR-ähnliches Modell

Hannah Stockbauer, die in Athen unmittelbar vor ihrem ersten Wettkampf noch erwartungsfroh angekündigt hatte, noch nie so gut trainiert zu haben, bemängelte in dem Interview zwar auch das System grundsätzlich, übernahm aber die Verantwortung für ihr schwaches Abschneiden in der griechischen Metropole, wo sie in den Vorläufen über 400 und 800 Meter Freistil jeweils gescheitert war: «An meinen schlechten Leistungen bin ich allein schuld.»

Aber für die Zukunft müsse sich am System etwas ändern. Sonst werde in Peking alles noch viel schlimmer. Im Blick hat sie dabei ein Erfassungssystem ähnlich dem der früheren DDR: «Um die Kinder kümmert man sich zu wenig. In anderen Ländern gibt es Sportschulen, Internate, intensive Betreuung der Kinder. Man muss Ausbildung und Leistungssport schon früh verbinden», führte Stockbauer aus, die es aber trotz der offenbar denkbar schlechten Rahmenbedingungen zu fünf WM-Titeln brachte.

DSV-Präsidentin Thiel nimmt Beckmann in Schutz

Von einem Karriereende will sie nichts wissen. Sie mache «natürlich» weiter. «Im Oktober beginne ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau. Diese Firma ermöglicht mir das Training und alle Wettkämpfe», so Stockbauer.

Christa Thiel, die Präsidentin des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), zeigte sich in einer ersten Reaktion ratlos: «Ich weiß nicht, warum sie jetzt ihren persönlichen Frust so raus lässt.» Auf Beckmann ließ sie allerdings nichts kommen: «Er leistet gute Arbeit. Wer ihn kennt, weiß, dass er so etwas nicht machen würde. Selbst wenn, er hat noch genügend Überstunden auf dem Konto.»

Unverständlich ist für Christa Thiel vor allem der Zeitpunkt der Äußerungen. «Wir haben uns in Athen als Team präsentiert, da gab es nicht den Ansatz von Kritik. Wie soll sie auch die Arbeit Ralf Beckmann einschätzen können, sie trainiert ja nicht mit ihm. Außerdem ist sie unter Beckmann in Barcelona Dreifach-Weltmeisterin geworden. Da gab es auch keine Kritik», so die Verbandschefin. Konsequenzen drohen Stockbauer von Verbandsseite offenbar nicht. «Daran denke ich nicht», so Thiel. (nz)

 
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