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«Wirtschafts»-Wunder von Bern

03. Jul 2004 12:40
Sepp Herberger, Fritz Walter, Toni Turek und Horst Eckel (v.l.n.r.)
Autoren, Verlage und Filmemacher schlagen schon seit Monaten Profit aus dem größten deutschen Fußballereigniss. Am Sonntag nun ist der eigentliche Ehrentag des «Wunders von Bern».

Seit Monaten floriert das Geschäft mit dem 50. Jahrestag des «Wunders von Bern». Am Sonntag nun jährt der Gewinn des Weltmeistertitel durch die deutsche Fußball-Nationalmannschaft durch den 3:2-Endspiel-Erfolg über Ungarn zum 50. Mal.

Auch heute noch kleines «Wirtschaftswunder»

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Nicht nur der Historiker Joachim Fest sieht einen engen Zusammenhang zwischen dem «Wunder von Bern» und dem wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland in den 50er Jahren. Auch heute noch ist der erste von drei WM-Titeln ein kleines «Wirtschaftswunder».

Drei Millionen Menschen strömten zu Sönke Wortmanns neuer Verfilmung in die Kinos. Der Regisseur kassierte für sein Werk neben der Goldenen Leinwand auch den deutschen Filmpreis in Silber. Auch Publikationen über das Fußballereignis sind in Deutschland ein Renner.

«Aus, aus, aus - Das Spiel ist aus»

Am 4. Juli 1954 setzte sich die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Bern unerwartet gegen «magischen Magyaren» durch. Legendär sind auch die Worte des Radio-Kommentators Herbert Zimmermann. «Aus! Aus! Aus! - Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!!! Schlägt Ungarn mit drei zu zwo Toren im Finale von Bern!» Dieser Freudenschrei sollte noch Jahrzehnte später im Rückblick über den Äther laufen.

Dabei waren die Spieler um Kapitän Fritz Walter schon nach der achten Minute nahe daran, alle Hoffnung aufzugeben. Die Ungarn führten bereits mit zwei Toren. Die Entscheidung fiel jedoch erst in der zweiten Halbzeit, als Helmut Rahn sechs Minuten vor Schluss das legendäre 3:2 gegen die «goldene Mannschaft», wie sie in Ungarn genannt wurde, erzielte.

«Fußballwunder» verleiht Selbstbewusstein

Deutschland befand sich im Freudentaumel. Niemand hatte den Sieg der Nationalelf um Trainer Sepp Herberger erwartet. So mancher sprach von einem glücklichen Zufall der deutschen Mannschaft. Dennoch zeigte der Coach 1955 im DFB-Jahrbuch Selbstbewusstsein. «Die Ungarn mögen bei vielen als die beste Mannschaft der Welt gelten, im Endspiel um die Weltmeisterschaft waren wir so gut wie sie, ja besser. Jeder spielt bekanntlich auch nur so gut, wie es der Gegner zulässt.»

Selbstbewusstsein zeigte damals nicht nur Sepp Herberger. Ganz Deutschland befand sich im Freudentaumel. Die noch frischen Spuren des zweiten Weltkriegs für einen Moment vergessen. Der Weltmeistertitel trug ein Stück zur Heilung des angekratzten deutschen Selbstvertrauens bei. Heute sehen Historiker eine Verbindung zwischen dem «Fußballwunder» und dem «Wirtschaftswunder».

Ungarn weinen noch immer

Für die Ungarn war die Niederlage gegen die Deutschen ein Desaster. «Die goldene Mannschaft» hatte in der WM 1954 einen Sieg nach dem anderen errungen. Auf das 9:0 gegen Südkorea folgten das 8:3 gegen Deutschland in der Vorrunde, das 4:2 gegen die Brasilianer und schließlich das 4:2 gegen Titelverteidiger Uruguay im Halbfinale.

«Wir Ungarn weinen immer noch, wenn wir an dieses Spiel denken. Wenn ich die Bilder von damals sehe, wird mir immer noch der Hals eng und mein Puls steigt», bekennt Gyula Grosics, einer von noch drei lebenden Spielern der ungarischen Endspielelf von 1954.

Doch die Niederlage zehrte nicht nur am Selbstvertrauen der Spieler. Die ganze Nation war enttäuscht und das bekamen die Fußball-Profis zu spüren. «Wir sind gar nicht erst nach Budapest, da sei es nicht sicher, hieß es», sagte Grosics. Mehrere Spieler wurden laut Groscics entlassen. Nach dem Volksaufstand gegen die Sowjets zwei Jahre danach zerfiel die «goldene Mannschaft» endgültig. (nz)

 
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