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Lupe Van Almsick gewinnt drittes Gold

Franziska van Almsick hat bei den deutschen Schwimm-Meisterschaften alle in den Schatten gestellt. Die Berlinerin gewann über 100 Meter Schmetterling ihr drittes Gold und warnte danach vor Nachlässigkeiten.

Franziska van Almsick ist nicht nur die umjubelste, sondern auch erfolgreichste Schwimmerin der deutschen Meisterschaften. Am Dienstag triumphierte die Berlinerin in ihrer Heimatstadt auch über 100 Meter Schmetterling und gewann damit nach ihrem Sieg über 100 und 200 Meter Freistil ihr drittes Gold. Sie schlug nach 59,44 Sekunden vor Annika Mehlhorn (59,98) an und ist nun über drei Einzelstrecken für die Olympischen Spiele in Athen nominiert.
Happy und k.o.
«Ich bin absolut happy, aber jetzt bin ich erst einmal total k.o. Die Luft ist raus», sagte die Weltrekordlerin über 200 Meter Freistil, die auf den letzten 25 Metern der Schmetterling-Strecke eine gute Zeit einbüßte. Mit zwei Sekunden Abstand zur Weltspitze ist der Abstand zu den Olympiamedaillen groß, doch van Almsick will sich noch steigern: «Ich verspreche hoch und heilig, dass ich den deutschen Rekord von Kristin Otto noch angreifen werde.»

Zwei Tag nach ihrem Scheitern über 200 Meter Brust hat sich Sarah Poewe aus Wuppertal zumindest über die 100 Meter Brust für die Olympischen Spiele in Athen qualifiziert. Die deutsche Rekordhalterin (1:07,88 Minuten) gewann in 1:08,35 und blieb damit in einem der schnellsten Rennen der DM-Geschichte unter der Olympia-Norm von 1:09,50. «Ich war doch sehr nervös, es war schließlich die letzte Chance», so Poewe. Ebenfalls auf Athen darf sich Vipa Bernhard aus Frankfurt freuen, die in 1:09,04 Zweite wurde. Die ersten fünf Finalistinnen blieben unter der Normzeit.

Dehmlow flucht nach knappen Scheitern
Über 50 Meter Freistil sicherte sich Carsten Dehmlow zwar den deutschen Titel, muss aber vermutlich bei Athen zusehen. In 22,58 Sekunden verpasste er ebenso die Olympianorm (22,51) wie der zweitplatzierte Rafed El-Masri (22,59).

«Vor vier Jahren habe ich um drei Hundertstel Sydney verpasst. Was soll ich jetzt schon sagen? Scheiße», sagte Dehmlow frustriert. Seine Hoffnungen vom Schwimmverband doch noch nominiert zu werden, sind gering. «Die letzte Hoffnung stirbt zu letzt, aber ich habe das schon zweimal unnützt gehofft.»

Mindestens 32 Athleten nach Athen
Über 200 Meter Lagen sicherte sich der 31 Jahre alte Essener Christian Keller (2:01,82) einen Platz im mindestens 32-köpfigen Athen-Team, das der Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) am Mittwoch benennen will. Antje Buschschulte feierte in 2:12,14 Minuten über 200 Meter Rücken ihren einzigen Sieg.

Zum Auftakt am Dienstag hat sich der Wuppertaler Thomas Rupprath mit einer Topleistung seinen 51. deutschen Meistertitel geholt. Der 26-Jährige gewann in 23,76 Sekunden die 50 m Schmetterling und blieb auf der nicht olympischen Strecke nur eine Hundertselsekunde über seinem eigenen deutschen Rekord. Den zweiten Platz belegte Lars Conrad (Hannover) in 24,25 Sekunden. Rupprath hatte sich am Sonntag über 100 Meter Schmetterling in 52,78 Sekunden den 50. Titel und gleichzeitig das Ticket für die Olympischen Spiele in Athen gesichert.

Van Almsick warnt vor Leichtfertigkeit
Zum Abschluss warnte Franziska van Almsick auf dem Weg nach Athen vor Leichtfertigkeit. «Es sind Dinge passiert, über die man reden muss. Bei Einigen hat es nicht so gut geklappt», bilanzierte der Superstar des deutschen Schwimmsports. «Wir dürfen das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Alle haben noch hart an sich zu arbeiten.»

Die Olympia-Ausscheidung des DSV brachte zwar ein hohes Gesamtniveau und den Durchbruch einer Reihe hoffnungsvoller Talente, viele Etablierte erfüllten jedoch nicht die hohen Erwartungen. Franziska van Almsick, die Gold in Athen als ihr großes Karriere-Ziel definiert hat, schloss sich trotz souveräner Vorstellungen bei ihrer Kritik ausdrücklich ein: ´«Vieles ist mir schwer gefallen - das hätte leichter gehen müssen.»

Angst vor Neuauflage des Sydney-Debakels
Darüber wolle sie mit ihrem Trainer Norbert Warnatzsch diskutieren: «An den Kraftverhältnissen hat mir einiges nicht gefallen. Das Beruhigende ist, dass der Weg nach Athen frei ist.» Die betont vorsichtige und selbstkritische Einstellung der 26-Jährigen, die zwei Jahre nach ihrem fünffachen EM-Triumph an gleicher Stätte mit ihrem DM-Triple als erfolgreichste Teilnehmerin erneut die Glanzlichter setzte, fußt auf dem Frusterlebnis des Olympia-Debakels von Sydney.

Davor hatte es überragende DM-Ergebnisse der Asse gegeben. «Die Psyche ist so wichtig. Bei manchen mangelt es da noch», meinte van Almsick. «Es herrscht kein Alarmzustand. Und lieber die ein oder andere Betriebsstörung als eine Euphorie wie im Jahr 2000», sagte DSV-Sportdirektor Ralf Beckmann, seit dessen Amtsübernahme nach Sydney es mit den Schwimmern steil bergauf ging.

Beckmann fordert «mehr Medaillen»
Als Minimalziel für die ersten Olympischen Spiele unter seiner Führung formulierte er: «Wir wollen mehr Medaillen gewinnen als in Sydney - und in allen Farben.» Vor vier Jahren hatte es nur dreimal Bronze gegeben. Beckmann bilanzierte gemessen an den Finalplatzierungen eins bis acht die besten deutschen Meisterschaften aller Zeiten. «Das ist aber eine Entwicklung in der Breite - damit holen wir noch keine Medaillen in Athen», sagte der Sportdirektor: «Auch die meisten Siegerzeiten waren besser als 2003 vor der WM. Darüber sind wir froh, aber nicht wirklich beruhigt, weil die Entwicklung in der Welt rasant weitergegangen ist.»

Von den Etablierten hinterließen die Weltmeister Hannah Stockbauer, Thomas Rupprath und Antje Buschschulte zwiespältige Gefühle. Dreifach-Weltmeisterin Stockbauer holte zwar erwartungsgemäß die Einzeltickets über 400 und 800 Meter Freistil, war aber langsamer als erhofft und verpasste einen Platz in der 4x200-Meter-Staffel.

Niederlagen für die Etablierten
«Ich hatte nicht mit Rekorden gerechnet und auch nicht damit, dass Topleute schon ihre Topleistung bringen», sagte der Cheftrainer: «Das lag auch an den erleichterten Bedingungen unter Einbezug der WM-Ergebnisse von 2003, die unseren Assen erlaubten, ohne Feinabstimmung zur DM anzutreten.»

Rupprath (über 200 m Freistil) und Buschschulte (über 100 m Rücken) mussten ernüchternde Niederlagen einstecken. Die erhöhten Trainingsanstrengungen im Olympia-Jahr waren offenbar noch nicht hundertprozentig verkraftet. Sandra Völker buchte nur das Ticket über 50 Meter Freistil.

«Knaller der Meisterschaft»
Die Entdeckung der DM war die 17-jährige Teresa Rohmann aus Erlangen. Auf das Konto der Stockbauer-Trainingspartnerin ging die einzige Jahresweltbestzeit der Titelkämpfe. «Das war der Knaller der DM», kommentierte van Almsick die Verbesserung Rohmanns über 200 Meter Lagen um vier Sekunden auf 2:12,05 Minuten.

«Die Nummer eins hält nicht lange, weil Athen ansteht», sagte Rohmann verschüchtert: «Was da auf mich einstürzen wird, ist mir auch noch nicht klar.» Auch die Youngster Marco di Carli, Jens Schreiber und Helge Meeuw vollzogen den Sprung in die Weltklasse. Di Carli setzte sich über 100 Meter Rücken immerhin gegen Rupprath, Stev Theloke (Europameister) und Steffen Driesen (WM-Vierter) durch. Die erfrischenden Siege der Teenager ordnete Ralf Beckmann ein in «die Fortsetzung einer gesunden Mischung, die wir in den letzten Jahren eingeleitet haben».(nz)