netzeitung.deDopingaufklärer-Ehepaar Franke- Berendonk erhält Bundesverdienstkreuz

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Werner Franke (Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Werner Franke
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Werner Franke und Brigitte Berendonk werden für ihre Verdienste um die Doping-Aufklärung ausgezeichnet. Auf ihre Initiative geht es zurück, dass im Internet bald die DDR-Doping-Geheimakten abrufbar sein werden.

Der renommierte Krebsforscher und Dopingbekämpfer Professor Werner Franke und seine Ehefrau Brigitte Berendonk erhalten am Freitag in ihrer Heimatstadt Heidelberg das Bundesverdienstkreuz am Bande. Damit wird das Paar für ihr seit über 35 Jahren andauerndes Engagement gegen den Einsatz von Dopingmitteln im Sport ausgezeichnet.

Aber nicht nur gegen den Einsatz von Dopingmitteln mussten Berendonk und Franke kämpfen. Auch die Ignoranz von Politikern, Ärzten, Funktionären, und Sportlern beider deutscher Staaten, die dem Thema Doping kaum Aufmerksamkeit schenkten, machten Franke und Berendonk zu schaffen.

Von Richthofen gratuliert
Manfred von Richthofen, Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), gratulierte dem Ehepaar am Freitagmorgen herzlich: «Auch wenn wir gelegentlich aus Sicht des DSB in der Art der Vorgehensweise nicht immer mit Professor Franke überein waren, hat das Ehepaar in Sachen Dopingbekämpfung ganz sicher richtungsweisende Arbeit geleistet.»

Vor 35 Jahren Muskelzuwachs bemerkt
Ihren Kampf gegen Doping starteten die beiden Ende der 60er Jahre. Die aus Eisenach übergesiedelte Olympiafinalistin von Mexiko-City 1968 und München 1972 wurde vom Zell-Wissenschaftler Franke trainiert und startete 39 mal für die Nationalmannschaft der BRD im Kugelstoßen und Diskuswerfen. Damals hatte sie die offenkundigen Verwandlungen ihrer sportlichen Konkurrentinnen bemerkt, vor allem bei den Ostblock-Athletinnen.

Der wahnwitzige Muskelzuwachs einhergehend mit zunehmender Vermännlichung, erzeugt durch Anabolika war unverkennbar. «Züchten wir Monstren? - Die hormonale Muskelmast» lautete bereits im Dezember 1969 der Titel ihres ganzseitigen Artikels in der «ZEIT», in der die Verfasserin vor der Anabolika-Seuche und dem Ende des fördernswerten Leistungssports - besonders bei Mädchen -warnte.

Politische Wegwerfmoral
Doch selbst in der Bundesrepublik ignorierten die Sportfunktionäre und Politiker größtenteils die Mahnungen. Herausgefordert von den zahlreichen Erfolgen der «Diplomaten im Trainingsanzug» und dem seit 1974 existierenden, streng geheimen Doping-Staatsplanthema in der DDR, wollte die Bundesrepublik Schritt halten.

Für die Studienrätin Frau Berendonk und ihren Mann Werner Franke war dies ein Unding: «Arzneimittelgesetze, Warnungen und Festlegungen medizinischer Fachgesellschaften, ethische Prinzipien könne man also getrost ignorieren, wenn internationaler Konkurrenzdruck es erfordere». «Politische Wegwerfmoral», nannte Brigitte Berendonk das in ihrem Buch «Doping - Von der Forschung zum Betrug».

Dopingakten gesichert
Selbst nach der Wiedervereinigung konnten Franke und Berendonk in geradezu abenteuerlichen Aktionen im Dezember 1990 mit Unterstützung des Bonner Verteidigungsministeriums die einst streng geheimen DDR-Doping-Dissertationen und Forschungsarbeiten gegen den Widerstand der Ex-Offiziere und die damals überall aktiven Reißwölfe für die Nachwelt sichern. Sie lagerten im Tresorraum der Militärmedizinischen Akademie der nicht mehr existenten Nationalen Volksarmee (NVA) in Bad Saarow.

Dadurch konnte Franke auch Verstrickungen der pharmazeutischen Betriebe (besonders VEB Jenapharm) in die DDR-Doping-Forschung und –Produktion an vielen Beispielen offen legen. Des weiteren erstellte der Molekularbiologe im Auftrag der Enquete-Kommission eine umfangreiche Expertise über «pharmakologische Manipulationen und die Rolle der Wissenschaft im DDR-Sport».

Obwohl Franke bereits 1991 Strafanzeige gegen die führenden DDR-Dopingwissenschaftler gestellt hatte, wurden die Hauptprozesse erst kurz vor der endgültigen Verjährung im Herbst 2000 abgeschlossen.

Strafe hält nicht von Karriere ab
Aber auch gegen Doping-Täter und Leugner in der alten Bundesrepublik führte das Ehepaar Franke/Berendonk zum Zwecke der Aufklärung dieser menschenverachtenden, unethischen Praktiken viele Prozesse, die sie nahezu alle gewinnen konnten. Zu den Unterlegenen zählten der Sportmediziner Prof. Armin Klümper aus Freiburg ebenso wie der Leichtathletik-Trainer Karlheinz Steinmetz.

Auf Grund einer weiteren Strafanzeige gegen den einstigen Sprint-Bundestrainer Heinz-Jochen Spilker aus Hamm/Westfalen konnte dieser als Doping-Dealer 1994 wegen des Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz zu einer Geldstrafe in Höhe von 12.000 Mark strafrechtlich verurteilt werden.

Allerdings brachte die Verurteilung den Juristen, der in Erfurt bis heute eine Rechtsanwaltskanzlei betreibt, nicht vom Erfolgsweg ab. Der frühere Mädchen-Hormondoper Spilker ist seit einigen Jahren Vize-Präsident des Thüringer Landessportbundes und dort auch als Rechtswart aktiv.

Dopingkontrollen ausgedehnt
Als großen Erfolg schätzt Franke heute das jahrelange Bemühen um Aufklärung ein: «Man weiß heute um die gesundheitsschädigenden Nebenwirkungen vieler Dopingpräparate. Die hormonelle Muskelmast im Hochleistungssport ist zurückgegangen», damit einhergehend bestimmte Leistungen, etwa in der Leichtathletik. Zudem wurden die Dopingkontrollen maßgeblich ausgedehnt und verfeinert.

Eher traurig ist die Tatsache, dass die deutsche Wissenschaft, wie Franke sagt, wenig Interesse an der Aufarbeitung der schwerwiegenden Verstöße gegen ethische und moralische Grundsätze zeigte, wozu vor allem die Behandlung von Mädchen und jungen Frauen mit Anabolika zählte.

Einsatz lohnenswert
Aber der Einsatz hat sich doch gelohnt: Dank seiner Unterstützung konnte vielen DDR-Dopingopfern juristischer wie medizinischer Beistand gewährt werden. Birgit Boese, der ohne ihr Wissen als Leichtathletin im Jugendalter Hormone verabreicht wurden und die als Leiterin der Dopingopfer-Beratungsstelle in Berlin wirkte, sagt: «Herrn Franke und seiner Frau gebührt großer Dank, ohne deren Engagement wäre die Aufklärung und juristische Ahndung dieser Verbrechen kaum möglich gewesen.»
Dopingprotokolle im Internet
Einen Großteil der von Franke nach dem Mauerfall sichergestellten, ehemals geheimen wissenschaftlichen Dopingforschungsarbeiten und Dopingprotokolle des DDR-Sports hat er 2002 der Universität von Texas in Austin übergeben. Dort werden die Dokumente des DDR-Sports nun für die Zukunft allen Interessenten zur Verfügung stehen. In Kürze sollen nun die Doping-Dokumente im Internet unter www.lib.utexas.edu veröffentlicht werden.

Der inzwischen 64-jährige Franke zeigt sich besonders deshalb zufrieden, «weil nun diese wesentlichen Belege inhumaner wissenschaftlicher Praktiken unter dem besonderen Schutz durch die USA-Verfassung auf Informationsfreiheit stehen. Kein deutsches Gericht kann sie zum Verschwinden bringen.»