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Dopingopfer hoffen auf Rentenzahlungen

30. Mrz 2004 17:58
Bundespräsident Johannes Rau (l.) begrüßt Birgit Boese
Bundespräsident Johannes Rau hat sich eineinhalb Stunden mit Doping- und Stasiopfern unterhalten. Möglicherweise mündet das Gespräch in weiteren Entschädigungszahlungen.

Bundespräsident Johannes Rau hat die Kritik an der Zusammensetzung des Treffens mit Doping- und Stasiopfern im Schloss Bellevue zurückgewiesen. «Die Doping-Opfer-Hilfe war in Person von Frau Boese eingeladen. Sie wurde eingeladen, als sie noch im Vorstand war», sagte Rau am Dienstag nach der eineinhalbstündigen Unterredung.

Kritik zurückgewiesen

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Rau reagierte damit auf die Kritik vom Vorsitzenden der Doping-Opfer-Hilfe (DOHV) in Weinheim, Klaus Zöllig. Der Mediziner hatte sich darüber beklagt, dass zwar Vertreter des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) in den Amtssitz von Rau eingeladen worden waren, aber kein Vertreter des DOHV. Eine derartige Kritik empfindet Rau als «absurd».

Birgit Boese, selbst ein Opfer des flächenmäßigen Dopings im DDR-Sport, war vom Bundespräsidialamt zu einem Zeitpunkt eingeladen worden, als sie noch Vorstandsmitglied des DOHV war. Doch seit den Vorstandswahlen am 4. März ist sie aufgrund interner Streitigkeiten nur noch ordentliches Mitglied. Von diesen Auseinandersetzungen hat auch Rau gehört. Er wollte sie aber nicht kommentieren. Es sei nicht die Aufgabe des Bundespräsidenten, sich in die Arbeit eines Vereins einzumischen. Allerdings lobte Rau die «hervorragende Arbeit» von Frau Boese, die Doping-Opfer berät.

Hoffnung auf Rente

Und diese Doping-Opfer können gegebenenfalls mit weiterer finanzieller Unterstützung rechnen. «Ich bin froh, dass Bundesregierung und Vertreter der Opposition eine Prüfung zugesagt haben, ob auf gesetzlichem oder außergesetzlichem Wege Ergänzungen bei der Hilfe für die Doping-Opfer möglich sind», sagte Rau.

Genau soll es dabei um eine Rente gehen, wie Birgit Boese sagte. «Wir hoffen, dass es eine Rente gibt, wie es sie auch für Stasi-Opfer gibt», sagte Boese. «Dazu sei allerdings eine Änderung des gesetzes notwendig.» Die Doping-Opfer der DDR haben aus einem Fonds der Bundesregierung bisher eine Entschädigung von zwei Millionen Euro erhalten: Für jeden der betroffenen 175 Ex-Sportler wurden damit 9.688 Euro ausgezahlt.

Boese kritisiert erneut DOHV

Dass das Einvernehmen zwischen der DOHV und einigen Dopingopfern derzeit auf dem Tiefpunkt angelangt ist, wurde auch am Dienstag im Schloss Bellevue deutlich. Dabei kritisierte Boese, wie bereits am Montag in der Netzeitung berichtet wurde, noch einmal die Arbeit des DOHV.

Der hätte ohne Einverständnis der Opfer versucht, mit der Firma Jenapharm eine außergerichtliche Einigung zu erzielen. Jedem Dopingopfer sollte dabei eine Entschädigungssumme von 10.000 Euro zukommen. Doch Jenapharm, zu DDR-Zeiten Produzent von Oral Turinabol, lehnte diesen Vorschlag ab. Die Höhe einer solchen Summe bezeichnete Boese ohnehin als unzureichend.

Sammelklage in USA möglich

Die Vollmacht, die dem DOHV-Anwalt vorlag, bezog sich nach Boeses Aussagen jedoch nur auf die Verhandlungen mit dem NOK, das bislang noch keine Entschädigung an die Doping-Opfer gezahlt hat. «Die Opfer fühlen sich vom Vorgehen des DOHV einfach überfahren», sagte Boese. Insgesamt hatten laut Angaben des DOHV 137 Dopingopfer eingewilligt, mit dem NOK in Verhandlungen zu treten. «Insgesamt haben sich 30 Prozent dieser Opfer gegen das Vorgehen des DOHV gewandt.»

Diese Opfer scheinen derzeit eine Sammelklage in den USA anzustreben. Bestätigen wollte Boese dies jedoch nicht. «Ich bin nicht autorisiert, zum jetzigen Zeitpunkt dazu etwas zu sagen.» Wie Boese sagte, hätte ein solches Vorgehen allerdings nicht nur etwas mit einer höheren Entschädigungssumme zu tun, sondern sei auch im Zusammenhang mit der Verjährungsfrist zu sehen.

 
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