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Streit bei Doping-Opfer-Hilfe belastet
Treffen mit Bundespräsidenten

29. Mrz 2004 17:39
Dopingopfer und Streitobjekt Birgit Boese.
Johannes Rau hat Doping- und Stasi-Opfer ins Schloss Bellevue eingeladen. Vor dem Gespräch sorgt nicht nur die Einladungsliste des Bundespräsidialamtes für Ärger.

Das Gespräch von Doping- und Stasiopfern bei Bundespräsident Johannes Rau am Dienstag im Schloss Bellevue wird von einem Streit innerhalb des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (DOHV) belastet.

Streitpunkt Jenapharm

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Dabei geht es um das Vorgehen des DOHV im Zusammenhang mit weiteren Entschädigungsleistungen. So hat der Verein mit Sitz in Weinheim im Zuge seiner Gespräche mit dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) versucht, auch eine außergerichtliche Einigung mit der Firma Jenapharm - zu DDR-Zeiten Hersteller des Dopingmittels Oral Turinabol - zu erzielen. Doch die Verhandlungen mit Jenapharm, die zu keinem Ergebnis führten, erfolgte aus Sicht einiger Dopingopfer ohne ihre Vollmacht.

«Eine Gruppe von Dopingopfern scheint der Ansicht zu sein, dass sie über eine Klage in Amerika viel mehr Geld herausholen können», sagte DOHV-Vorsitzender Klaus Zöllig der Netzeitung. Bei dieser Gruppe herrschen derzeit Vorstellungen von «Millionen Euro, die für den Einzelnen herausspringen. Doch das halte ich für völlig unrealistisch», sagte Zöllig. «Wenn einige Dopingopfer meinen, sie wollen ihren eigenen Weg gehen, dann drängen wir uns nicht auf. Wir haben unsere Arbeit bisher ordentlich gemacht. Wenn sie meinen, es besser zu machen, dann sollen sie das so tun.»

Unverständnis einzelner Opfer

Wie Zöllig sagte, hätte man von 137 Dopingopfern die Einwilligung gehabt, mit dem NOK zu verhandeln. Insgesamt strebt der DOHV einen Fonds von zwei Millionen Euro an, wobei jeder Beteiligte am Ende rund 10.000 Euro bekommen sollte. In diesem Kontext wurde auch Jenapharm angesprochen. «Das stieß offensichtlich bei einigen, ich rede von einer Gruppe von 17 Leuten, auf Unverständnis», sagte Zöllig.

Dieser Personenkreis hätte laut Zöllig ein gleichlautendes Schreiben geschickt, mit dem man dem DOHV dieses Vorgehen untersagt habe. Aus Sicht von Zöllig hätte dabei Frau Boese einen Teil der organisatorischen Arbeit für diese Gruppe übernommen. «Sie hat da eine maßgebliche Rolle gespielt. Das ist ein kontraproduktives Vorgehen für die Arbeit des Vereins. Das hat Empörung hervorgerufen, was zur Abwahl führte.»

Damit zielte Zöllig auf die Vorstandswahlen des Vereins am 4. März in Weinheim an, bei der Boese nicht erneut gewählt worden war. Seither ist sie nur noch ordentliches Mitglied. Birgit Boese selbst kann Zölligs Aussagen nicht nachvollziehen. «Der DOH hatte keine Vollmacht dazu, eine Einigung mit Jenapharm anzustreben. Die Opfer hätten einfach gefragt werden müssen, was in ihrem Namen passiert. Doch das ist nicht geschehen», sagte Boese. Ob dieser Kreis von Opfern nun auch eine Sammelklage in den USA anstreben werde, wollte Boese nicht sagen.

Kritik an Einladungspraxis

Dieser Streit innerhalb des DOHV war kurz vor dem Gespräch von Bundespräsident Johannes Rau mit Doping- und Stasiopfern an diesem Dienstag im Schloss Bellevue auch für auftretende Missstimmungen mitverantwortlich. Zöllig hatte sich im Deutschlandfunk darüber beklagt, dass der DOHV nicht zu diesem Gespräch eingeladen worden ist. «Ich kann weiterhin nicht nachvollziehen, weshalb zwar das Nationale Olympische Komitee zum Gespräch beim Bundespräsidenten eingeladen wurde, aber nicht die Doping-Opfer-Hilfe», sagte Zöllig am Montag der Netzeitung.

Präsidialamt weist Kritik zurück

Im Bundespräsidialamt wies man am Montag die Kritik von Zöllig zurück. «Die Doping-Opfer-Hilfe ist selbstverständlich eingeladen, nämlich in der Person von Frau Boese», sagte ein Sprecher der Netzeitung. Doch Birgit Boese, selbst ein Dopingopfer, ist seit der Jahreshauptversammlung eben kein Vorstandsmitglied mehr. Die Einladungen des Bundespräsidialamtes sind jedoch bereits Ende Februar herausgegangen, wie der Sprecher sagte.

Ein Umstand, der für Zöllig nicht als Entschuldigung gelten kann. «Wenn eine Einladung geschrieben wird, dann wird ein Brief beispielsweise offiziell an das NOK, das Präsidium oder seinen Präsidenten geschrieben. Und wenn der DOH geladen worden wäre, hätte man ebenfalls an den Vorsitzenden oder an den Vorstand schreiben müssen», sagte Zöllig. «Doch man hat Frau Boese ohne unser Wissen eingeladen. Außerdem hat man sie als Opfer eingeladen.» Für Zöllig kann man so nicht mit einem Verein umgehen, der sich seit Jahren um die Doping-Opfer kümmert. Auch Boese bedauert, dass Zöllig keine Einladung erhielt.

Gespräche mit NOK im Stocken

Der DOHV-Vorsitzende kann es derzeit auch nicht nachvollziehen, dass das NOK zu der Zusammenkunft beim Bundespräsidenten geladen worden ist. Denn bisher hätte sich das NOK im Gegensatz zum Deutschen Sportbund (DSB) eben nicht an Entschädigungsleistungen für die Doping-Opfer beteiligt. Deshalb laufen zwischen beiden Seiten auch Gespräche, die aber ins Stocken geraten sind. Die Einladung beim Bundespräsidenten soll nun dazu beitragen, dass alle Seiten miteinander im Gespräch bleiben.

«Ich möchte mit den Opfern über die Bewältigung der Folgen von Zwangsdoping und Bespitzelung reden. Und ich will darüber reden, welche Möglichkeiten zur Hilfe bestehen, was getan worden ist und was noch möglich ist», ließ der Bundespräsident in einer Pressemitteilung wissen. An dem Dialog im Schloss Bellevue nehmen neben NOK, DSB, Doping- und Stasiopfern unter anderem auch Vertreter des Deutschen Bundestages teil.

 
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