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Beucher stellt DDR-Staatsdoping infrage

14. Feb 2003 11:51, ergänzt 12:59
Friedhelm Julius Beucher Foto: Bongarts
Friedhelm Julius Beucher sorgt für Verwunderung. In einem Interview hat der ehemalige Vorsitzende des Bundestags-Sportausschusses das flächenmäßige Doping in der ehemaligen DDR in Frage gestellt.

Der SPD-Politiker Friedhelm Julius Beucher hat mit seinen Aussagen zum Staats-Doping in der ehemaligen DDR für Unverständnis auch in seiner eigenen Partei gesorgt. «Das ist nicht die Meinung der SPD», sagte die sportpolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Dagmar Freitag, der Netzeitung.

Frage des Staatsplan-Dopings neu stellen

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Aufgrund des Umstandes, dass bislang erst 31 Doping-Opfer des DDR-Dopings beim Bundesverwaltungsamt in Köln einen Antrag auf Entschädigung gestellt haben, stellte der ehemalige Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages das flächenmäßige Doping in Frage. «Die Frage, ob es ein flächenmäßiges DDR-Doping gegeben hat, muss neu gestellt werden. Denn wenn es dies in der DDR gegeben hätte, dann wären - ob der Gefährlichkeit der Substanzen - mehr als 31 geschädigt», sagte Beucher der Zeitung «Neues Deutschland»(Freitagausgabe). Beucher gehört seit dieser Legislaturperiode übrigens nicht mehr dem Bundestag an.

Freitag: Schlicht unverständlich

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Zudem äußerte Beucher die Auffassung, dass dieses Kapitel «deutsch-deutscher Sportgeschichte» neu aufgerollt und geschrieben werden müsse. «Die Pauschalierung: DDR gleich flächenmäßiges Doping, BRD gleich vereinzelte Dopingfälle - die lässt sich nicht mehr aufrecht erhalten», sagte Beucher weiter.

«Für mich ist es schlichtweg unverständlich, wie sich Herr Beucher so äußern kann. Schließlich war er bei der letzten Sitzung des Sportausschusses nicht anwesend», fügte Freitag hinzu. Auf der zurückliegenden Zusammenkunft des Sportausschusses am Mittwoch hatte die Leiterin der Berliner Doping-Opfer-Beratungsstelle, Birgit Boese, den Abgeordneten erklärt, weshalb es bislang noch nicht mehr als 31 Anträge geben würde.

Boese, die bisher mehr als 330 Beratungen durchgeführt hat, geht bis zum Ende der Antragsfrist jedoch davon aus, dass über 250 Geschädigte Ansprüche nach dem Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz (DOHG) geltend machen. «Ich hoffe nur, dass sich einige Opfer jetzt durch solche Aussagen nicht davon abhalten lassen, einen Antrag zu stellen», fügte Freitag hinzu.

Hermann: Unpassende Interpretation

Auf Unverständnis stoßen die Aussagen von Beucher auch beim sportpolitischen Sprecher der Bündnisgrünen, Winfried Hermann. «Dies ist eine völlig unpassende Interpretation des Vorganges», sagte Hermann. Auch aus Sicht des Grünen-Politikers hat Birgit Boese eindrucksvoll dargelegt, weshalb sich bisher noch nicht mehr Opfer an die Kölner Behörde gewandt hätten.

Wie Hermann sagte, sei bei ihren Ausführungen deutlich geworden, dass viele Opfer aus verständlichen Gründen eine «Psycho-Barriere» hätten, einen Antrag zu stellen. «Hier geht es für die Geschädigten schließlich um die Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit», so der Grünen-Politker.

Um die Notwendigkeit der Doping-Opfer-Beratungsstelle noch einmal zu verdeutlichen, forderte Hermann Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) auf, dieser Einrichtung vor Ablauf der Antragsfrist Ende März noch einen Besuch abzustatten.

Riegert: Unglaubliche Entgleisung

Klaus Riegert Foto: Bundestag
Als «unglaubliche Entgleisung» wertete der Sportsprecher der Union, Klaus Riegert, die Aussagen von Beucher. «Aus den derzeit erst 31 vorliegenden Anträgen den Rückschluss zu ziehen, dass es kein flächenmäßiges Doping gegeben habe, ist absurd», so Riegert. «Dafür gibt es genügend wissenschaftliche Untersuchungen und vor allem auch Gerichtsurteile», so Riegert. Der CDU-Politiker wertete die Aussagen Beuchers zudem als «zynisch und menschenverachtend». Riegerte forderte Becuher zugleich dazu auf, für diese Entgleisung zu entschuldigen.

Der Präsident des Deutschen Sportbundes (DSB), Manfred von Richthofen, reagierte auf die Schlussfolgerungen von Beucher mit Unverständnis. «Es gibt genügend Gründe, weshalb einige Opfer bisher noch keinen Antrag gestellt haben. Aber aufrgund der bislang erst geringen Antragszahl zu sagen, dass es kein flächenmäßiges Doping gegeben hat, ist abenteurlich», sagte von Richthofen der Netzeitung.

Beucher selbst steht zu seinen im Interview gemachten Aussagen. Zugleich sagte er aber, dass sie aus dem Zusammhang heraus wiedergeben wurden. «Dadurch erscheinen sie etwas missverständlich.» So hätte er mit seinem Statement zum Staatsplan-Doping zum Ausdruck bringen wollen, dass nochmals wissenschaftlich überprüft werden müsse, ob das flächenmäßige Doping denn wirklich überall umgesetzt worden sei.

Spätestens seit den in den Doping-Prozessen in Berlin vorgelegten Beweisen gegen einstige Drahtzieher des so genannten Staatsplanthemas 14.25 dürfte sich diese Frage allerdings nicht mehr stellen.

 
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