Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Boese: Erwarte 250 Anträge von Doping-Opfern

15. Jan 2003 12:53
Birgit Boese Foto: Bongarts
Erst sechs Opfer des DDR-Staatsdopings haben beim Bundesverwaltungs- amt Ansprüche auf Entschädigung angemeldet. Angesichts dieser geringen Zahl bestehe aber kein Anlass zur Beunruhigung, sagt Birgit Boese. Sie rechnet mit bis zu 250 Anträgen.

Von Frank Mertens, Berlin

Der Stichtag rückt immer näher. Nur noch bis zum 31. März haben die Geschädigten des DDR-Staatsdopings die Möglichkeit, beim Bundesverwaltungsamt in Köln einen Antrag auf Entschädigung zu stellen.

Bisher nur sechs Anträge auf Entschädigung

Mehr in der Netzeitung:
Doch zweieinhalb Monate vor Ende der Antragsfrist haben gerade einmal sechs Betroffene ihre Ansprüche angemeldet. Das teilte das Bundesverwaltungsamt der Netzeitung mit. Im Vorjahr hatte die Bundesregierung ein Doping-Opfer-Hilfegesetz (DOHG) verabschiedet und für einen entsprechenden Fonds zwei Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Dass bisher nur ein halbes Dutzend von Dopinggeschädigten die Formulare bei der Kölner Behörde eingereicht haben, irritiert Birgit Boese indes nicht. «Es ist logisch, dass noch nicht viel mehr Anträge eingereicht wurden», sagt Boese, die in Berlin die Beratungsstelle für Doping-Opfer leitet. «Viele Sportler lassen sich mit der Antragstellung einfach Zeit, um keine Fehler zu machen.»

Die ehemalige Kugelstoßerin, selbst ein Doping-Opfer, hat seit Aufnahme ihrer Arbeit am 9. August 2002 bereits 250 Beratungen durchgeführt. «Ich weiß allein von 150 Sportlern, die jetzt beim Ausfüllen der Formulare sind.» Deshalb zeigt sich Boese zuversichtlich, dass bis zum Stichtag 31. März «aus meiner Sicht noch 250 Anträge gestellt werden».

Boese selbst hat trotz Vorliegen aller notwendigen Unterlagen - insbesondere eines fachärztlichen Gutachtens - selbst noch keinen Antrag gestellt. «Ich bin aufgrund der Arbeitsbelastung einfach noch nicht dazu gekommen», sagt sie. Aber bis Ende März wird auch sie ihre Ansprüche geltend machen.

Enttäuschung bei DOH

Mehr im Internet:
Auch beim Bundesverwaltungsamt in Köln rechnet man damit, dass in den verbleibenden zweieinhalb Monaten weitere Dopingopfer ihre Ansprüche stellen. «Wir gehen bis zum Stichtag selbst von einer deutlich höheren Antragszahl aus. Bei uns wurden bereits viele Anträge abgefragt», so Referatsleiter Meinolf Dieckmann.

«Zahl ist schockierend»

Auf Enttäuschung stieß die geringe Zahl kurz nach bekannt werden beim Vorsitzenden der Doping-Oper-Hilfe (DOH) in Weinheim, Klaus Zöllig. «Diese Zahl von sechs Anträgen ist schockierend. Selbst wenn es bis Ende März noch 50 werden, ist es enttäuschend», hatte Zöllig am Dienstag in einer ersten Reaktion gesagt. Der Mediziner zeigte sich vor allem verwundert darüber, dass ehemals engagierte Doping-Opfer, die auch bei den Prozessen gegen einst Verantwortliche des DDR-Staatsdopings als Zeugen oder Nebenklägerinnen auftraten, bisher noch keinen Antrag gestellt haben.

Verblüfft hatte sich auch der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus Riegert, gezeigt. Wie der Politiker sagte, müsse man sich Gedanken darüber machen, was zu der bisher geringen Zahl von Antragstellungen geführt hätte. Sollten bis zum Stichtag nicht deutlich mehr Betroffene ihre Ansprüche anmelden, «müssen wir uns Gedanken machen, ob die Frist nicht über den 31. März hinaus verlängert wird», so Riegert.

Boese: Fristverlängerung nicht nötig

Die Notwendigkeit einer Fristverlängerung sieht Boese vorerst nicht. «Warten wir erst einmal den 31. März ab.» Bis zu diesem Datum wird es in Berlin auf jeden Fall auch noch die Beratungsstelle geben. Was danach geschieht, ist aufgrund der ungeklärten Finanzsituation fraglich.

Denn Geld ist bisher nur vom Deutschen Sportbund (DSB) geflossen. Der hat seit der Eröffnung der Beratungsstelle für die Infrastruktur rund 30.000 Euro überwiesen. Personalkosten sind nicht in diesem Betrag enthalten. Birgit Boese hat seit Beginn ihrer Tätigkeit am 9. August gerade einmal 2000 Euro an Aufwandsentschädigung erhalten - Gehalt hat sie bisher keines gesehen. Dabei hat sie oft 40 Stunden wöchentlich gearbeitet.

«Wenn jetzt nicht noch mehr Geld kommt, ist am 31. März Schluss mit der offiziellen Beratungsstelle», sagt Boese. Sie beruft sich hierbei auf eine Aussage von DSB-Präsident Manfred von Richthofen, der ihr im vergangenen Jahr gesagt habe, dass sie sich keine Sorgen wegen der Finanzierung der Beratungsstelle und ihres Gehalts machen solle.

«Der DSB hat keine Zusage zu einer Personalkostenbeteiligung gegeben», sagt indes DSB-Generalsekretär Andreas Eichler der Netzeitung. Dies hatte Eichler bereits in einem Schreiben vom 17. Dezember an Klaus Zöllig mitgeteilt. In diesem Brief teilte Eichler zudem mit, dass es bei der Bereitschaft des DSB bleibe, «bei der Aufrechterhaltung der Infrastruktur der Beratungsstelle in Erfüllung Gesetzesauftrages bis zum 31.3.2003 behilflich zu sein sein».

Unmissverständlich wurde allerdings auch klar gemacht, dass es eine Zusage seitens des DSB über dieses Datum hinaus nicht geben könne. Eichler ließ in dem Schreiben auch wissen, dass dem DSB bei der Unterstützung der Beratungsstelle an einem gemeinsamen Vorgehen mit dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) für Deutschland gelegen sei. Doch seitens des NOK sind bislang keine Zahlungen erfolgt.

NOK wartet ab

Heiner Henze Foto: Bongarts
Zwar hatte bereits der alte NOK-Präsident Walther Tröger die generelle Bereitschaft auf finanzielle Unterstützung erklärt, doch bisher ist es bei diesen Lippenbekenntnissen geblieben. Auch unter dem neuen NOK-Boss Klaus Steinbach hat sich die Situation nicht geändert: Solange eine Privatklage der ehemaligen Schwimmerin Karen König gegen das NOK anhängig ist, fließt kein Geld. Das bestätigte jetzt auch noch einmal NOK-Generalsekretär Heiner Henze der Netzeitung.

«Der NOK-Vorstand hat die vom DSB, nicht von der Beratungsstelle selbst, übermittelte Anfrage nach Unterstützung der Beratungsstelle eingehend beraten. Grundsätzlich wurde noch einmal die bereits vom NOK-Präsidium früher erklärte Bereitschaft zur Unterstützung des Entschädigungsvorganges und der Beratungsstelle bestätigt», so Henze.

Gespräch beim DSB

Hinzufügend stellte Henze fest, dass der «Klagevorgang König / NOK noch anhängig ist. Insofern kann über eine konkrete Hilfestellung erst nach Abschluss des Verfahrens beschlossen werden». Wann mit einem Ende dieses Klageverfahrens zu rechnen ist, ist noch ungewiss. Derzeit wird der Antrag von König auf Prozesskostenhilfe vom Oberlandesgericht (OLG) in Frankfurt am Main geprüft. Bei der Entscheidungsfindung geht es auch um die Frage, ob das NOK als Rechtsnachfolger des NOK der ehemaligen DDR zu sehen ist. Nach Angaben eines OLG-Sprechers ist in den kommenden Wochen hierzu mit einer Entscheidung zu rechnen.

Was mit der Beratungsstelle nach dem 31. März geschieht, könnte sich möglicherweise am, 29. Januar entscheiden. An diesem Tag hat der DSB Vertreter der DOH und des NOK zu einem Gespräch geladen.

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Sportschauen
Zu weiteren Sportschauen
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
«Es passt einfach alles»: 
HSV verlängert Vertrag mit Torhüter Rost
Fußballnationalmannschaft: 
«Mesut fühlt sich als Deutscher»
 
2. Spieltag der Champions League: 
Barcelona huldigt Messi
Klinsmanns Personalkarussell: 
Bleibt alles anders
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Zur Autogazette
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.