Boese: Erwarte 250 Anträge von Doping-Opfern
Dass bisher nur ein halbes Dutzend von Dopinggeschädigten die Formulare bei der Kölner Behörde eingereicht haben, irritiert Birgit Boese indes nicht. «Es ist logisch, dass noch nicht viel mehr Anträge eingereicht wurden», sagt Boese, die in Berlin die Beratungsstelle für Doping-Opfer leitet. «Viele Sportler lassen sich mit der Antragstellung einfach Zeit, um keine Fehler zu machen.»
Die ehemalige Kugelstoßerin, selbst ein Doping-Opfer, hat seit Aufnahme ihrer Arbeit am 9. August 2002 bereits 250 Beratungen durchgeführt. «Ich weiß allein von 150 Sportlern, die jetzt beim Ausfüllen der Formulare sind.» Deshalb zeigt sich Boese zuversichtlich, dass bis zum Stichtag 31. März «aus meiner Sicht noch 250 Anträge gestellt werden».
Boese selbst hat trotz Vorliegen aller notwendigen Unterlagen - insbesondere eines fachärztlichen Gutachtens - selbst noch keinen Antrag gestellt. «Ich bin aufgrund der Arbeitsbelastung einfach noch nicht dazu gekommen», sagt sie. Aber bis Ende März wird auch sie ihre Ansprüche geltend machen.
Verblüfft hatte sich auch der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus Riegert, gezeigt. Wie der Politiker sagte, müsse man sich Gedanken darüber machen, was zu der bisher geringen Zahl von Antragstellungen geführt hätte. Sollten bis zum Stichtag nicht deutlich mehr Betroffene ihre Ansprüche anmelden, «müssen wir uns Gedanken machen, ob die Frist nicht über den 31. März hinaus verlängert wird», so Riegert.
Denn Geld ist bisher nur vom Deutschen Sportbund (DSB) geflossen. Der hat seit der Eröffnung der Beratungsstelle für die Infrastruktur rund 30.000 Euro überwiesen. Personalkosten sind nicht in diesem Betrag enthalten. Birgit Boese hat seit Beginn ihrer Tätigkeit am 9. August gerade einmal 2000 Euro an Aufwandsentschädigung erhalten - Gehalt hat sie bisher keines gesehen. Dabei hat sie oft 40 Stunden wöchentlich gearbeitet.
«Wenn jetzt nicht noch mehr Geld kommt, ist am 31. März Schluss mit der offiziellen Beratungsstelle», sagt Boese. Sie beruft sich hierbei auf eine Aussage von DSB-Präsident Manfred von Richthofen, der ihr im vergangenen Jahr gesagt habe, dass sie sich keine Sorgen wegen der Finanzierung der Beratungsstelle und ihres Gehalts machen solle.
«Der DSB hat keine Zusage zu einer Personalkostenbeteiligung gegeben», sagt indes DSB-Generalsekretär Andreas Eichler der Netzeitung. Dies hatte Eichler bereits in einem Schreiben vom 17. Dezember an Klaus Zöllig mitgeteilt. In diesem Brief teilte Eichler zudem mit, dass es bei der Bereitschaft des DSB bleibe, «bei der Aufrechterhaltung der Infrastruktur der Beratungsstelle in Erfüllung Gesetzesauftrages bis zum 31.3.2003 behilflich zu sein sein».
Unmissverständlich wurde allerdings auch klar gemacht, dass es eine Zusage seitens des DSB über dieses Datum hinaus nicht geben könne. Eichler ließ in dem Schreiben auch wissen, dass dem DSB bei der Unterstützung der Beratungsstelle an einem gemeinsamen Vorgehen mit dem Nationalen Olympischen Komitee (NOK) für Deutschland gelegen sei. Doch seitens des NOK sind bislang keine Zahlungen erfolgt.
«Der NOK-Vorstand hat die vom DSB, nicht von der Beratungsstelle selbst, übermittelte Anfrage nach Unterstützung der Beratungsstelle eingehend beraten. Grundsätzlich wurde noch einmal die bereits vom NOK-Präsidium früher erklärte Bereitschaft zur Unterstützung des Entschädigungsvorganges und der Beratungsstelle bestätigt», so Henze.
Was mit der Beratungsstelle nach dem 31. März geschieht, könnte sich möglicherweise am, 29. Januar entscheiden. An diesem Tag hat der DSB Vertreter der DOH und des NOK zu einem Gespräch geladen.

