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Doping-Opfer Boese bezeichnet
Einmal-Zahlung von Schering als Witz

21. Okt 2002 12:17, ergänzt 12:40
Birgit Boese Foto: ddp
Die Einmal-Zahlung des Schering-Konzerns am Entschädigungsfonds für Dopingopfer stößt auf Kritik. Während die Geschädigte Birgit Boese die Höhe über 25.000 Euro bemängelt, schließt das Pharma-Unternehmen weitere Zahlungen aus.

Von Frank Mertens
 
Als Schritt in die richtige Richtung hat Birgit Boese die Beteiligung des Berliner Schering-Konzerns bezeichnet, sich mit 25.000 Euro am Entschädigungsfonds für Doping-Opfer zu beteiligen. «Doch jetzt darf Jenapharm nicht stehen bleiben. Sollte es bei dieser Einmalzahlung bleiben, wäre es traurig», sagte Boese.

Boese: 83 Euro für ein Opfer

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Doch Hoffnungen auf weitere Zahlungen des Pharmakonzerns braucht sich Boese nicht zu machen. «Es bleibt bei den 25.000 Euro», sagte Unternehmenssprecher Mathias Claus am Montag der Netzeitung.

Wie Boese sagte, würde der von der Schering-Tocher Jenapharm bereitgestellte Betrag bei weitem nicht ausreichen, den Opfern des staatlich angeordneten Dopings in der DDR eine angemessene Entschädigung zukommen zu lassen. «Bei uns befinden sich mehr als 300 Geschädigte in der Kartei. Wenn sie den Betrag von 25.000 Euro durch diese Anzahl teilen, kommen sie gerade einmal auf 83 Euro. Ein Witz», sagte Boese. Die ehemalige Kugelstoßerin leidet selbst an den Spätfolgen des Zwangsdopings.

«Milde Gabe»

Derzeit ist der Bund mit zwei Millionen Euro der größte Geldgeber des Entschädigungsfonds. Weitere 20.000 Euro steuerte der Deutsche Sportbund (DSB) bei. Nach Angaben des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins (DOH) würden jedoch rund acht Millionen Euro benötigt, um den Opfern zu helfen.

Angesichts dieser benötigten Summe nimmt sich die Zahlung von Jenapharm, die zu DDR-Zeiten unter anderem das Präparat Oral-Turinabol herstellte, bescheiden aus. Entsprechend betitelte das Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» eine Meldung auch mit der Überschrift «Milde Gabe». Der Thüringer Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Jürgen Haschke, hatte Jenapharm in den vergangenen Wochen mehrfach aufgefordert, sich mit mindestens einer Million Euro am Fonds zu beteiligen.

Schering: Angemessene Summe

Auf Unverständnis stößt die aufkommende Kritik bei Schering. «Für uns stellen die 25.000 Euro eine angemessene Summe dar. Sie hilft, den Fonds entsprechend aufzustocken. Wir haben uns aus Respekt vor den geschädigten Sportlern zur Beteiligung entschlossen», sagte Claus. «Wir sind eines der ersten Unternehmen, dass sich mit einer solchen Summe am Fonds beteiligt. Deshalb haben wir keine Kritik verdient, vielmehr Respekt und Anerkennung», fügte Claus hinzu.

Mit der Übernahme von Verantwortung im Zusammenhang mit dem Zwangsdopings in der DDR hätte diese Zahlung nichts zu tun. Mit Blick auf das seinerzeit von Jenapharm produzierte Oral-Turinabol stellte Claus erneut fest, dass dieses Präparat in der DDR ein zugelassenes Medikament gewesen sei, das zu Dopingzwecken missbraucht wurde.

Hermann und Riegert zufrieden

Die Beteiligung von Schering stößt aber nicht nur auf Kritik. «Auch wenn ich mir mehr Geld gewünscht hätte, ist dies doch eine ordentliche Summe», sagte Winfried Hermann. «Im Gegensatz zu vielen anderen hat sich Schering wenigstens am Fonds beteiligt», fügte der sportpolitische Sprecher der Bündnisgrünen im Deutschen Bundestag hinzu.

In diesem Zusammenhang mahnte Hermann auch noch einmal neben der Beteiligung anderer Unternehmen die finanzielle Unterstützung des Nationalen Olympischen Komitees (NOK) an. «Das NOK hat zwar immer Unterstützung zugesagt, doch Geld ist bisher nicht gekommen», sagte Hermann. Dass NOK begründet seine abwartende Haltung mit einer derzeit anhängigen Klage der ehemaligen Schwimmerin Karen König.

Die Kritik am Schering-Konzern erachtet auch der sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Klaus Riegert, als verfehlt. «Ich halte diese Summe für okay. Von ihr geht auch eine Signalwirkung für den Sport und andere Unternehmen aus», sagte Riegert am Montag.

 
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