Von Thomas Purschke Für Birgit Boese ist es nichts anderes als eine Hinhaltetaktik. Dass das Pharma-Unternehmen Jenapharm sich bislang noch nicht am Entschädigungsfonds für die Opfer des flächenmäßigen Dopings in der ehemaligen DDR beteiligt, trifft bei Boese auf Unverständnis. Missachtung der Opfer
Birgit Boese gehört selbst zu den Doping-Opfern. Als jugendliche Kugelstoßerin wurden ihr in der DDR unwissentlich Hormone verabreicht. In der Folge erlitt sie schwere Stoffwechselstörungen. Seit dem 15. August leitet Birgit Boese die neu eingerichtete Beratungsstelle für Dopingopfer in Berlin. Ihre Hauptaufgabe ist dabei, die Opfer bei der Antragstellung auf Entschädigung beim Bundesverwaltungsamt in Köln zu beraten. Die Frist dazu läuft am 31.März des kommenden Jahres ab. Bereits 50 Personen gemeldet Seit ihrem Amtsantritt hätten sich bereits 50 Personen in der Beratungsstelle gemeldet. Eine der häufigsten Fragen beziehe sich nach Boeses Worten darauf, wie die Geschädigten beweisen könnten, dass die damals verabreichten Tabletten auch Anabolika enthielten. In diesem Zusammenhang forderte Boese die zum Schering-Konzern gehörende Firma Jenapharm - die zur DDR-Zeiten unter anderem das Hormonpräparat Oral-Turinabol herstellte - zur Offenlegung von Dokumenten auf. «Jenapharm soll endlich alle Unterlagen über die Dopingexperimente in der DDR, für eine Studie zu Langzeitschäden bei einst gedopten Sportlern, auf den Tisch legen», so Boese.
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