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Tröger: Rechtsstreit verhindert Beteiligung
des NOK an Entschädigungen für Doping-Opfer

28. Aug 2002 10:59, ergänzt 11:46
NOK-Präsident Walther Tröger Foto: Bongarts
Das NOK wird sich erst nach Ende eines noch laufenden Rechtsstreites an Entschädigungen für Doping-Opfer beteiligen. Das sagte NOK-Präsident Walther Tröger der Netzeitung.

Thema: Entschädigung für Doping-Opfer
Die Kritik am Nationalen Olympischen Komitee (NOK) wegen seiner zögerlichen Haltung bei der Beteiligung an Entschädigungsleistungen für Opfer des flächenmäßigen Dopings in der DDR wird immer lauter. Friedhelm Julius Beucher, der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, sagte unlängst, dass «die Wartezeit des NOK» in dieser Frage eine Ende haben müsse.

Die Doping-Opfer werden allerdings noch länger auf eine Beteiligung des NOK warten müssen. Zunächst wartet das NOK den Ausgang eine Klage ab, die die einstige Schwimmerin Karen König angestrengt hat. «Ohne den Ausgang dieses Verfahrens, der ja auch zu einer Entschädigungsforderung an uns führen kann, zu kennen, ist eine Entscheidung nicht möglich», sagte NOK-Präsident Walther Tröger in einem Interview mit der Netzeitung.

«Werden nicht wortbrüchig»

Netzeitung: Herr Tröger, Sie haben bereits vor Monaten gesagt, dass sich auch das NOK an Entschädigungsleistungen für die Doping-Opfer beteiligt. Bislang wartet man aber vergeblich auf Geld vom NOK. Werden Sie wortbrüchig?

Walther Tröger: Nein, wir werden natürlich nicht wortbrüchig. Ich habe von Anfang an erklärt, dass wir als NOK eine moralische Verpflichtung haben. Ich habe damals Vorschläge unterbreitet, die nun nach drei Jahren erfüllt worden sind: Nämlich die, dass eine gemeinsame Beratung und Vorbereitung in dieser Frage stattfindet, ehe es zu einer Aktivität der Politik, des DSB und NOK kommt. Das ist jetzt endlich durch das Doping-Opfer-Entschädigungsgesetz in die Wege geleitet worden. Ich habe mich indes dagegen gewehrt, dass hier einseitig und fast nur über Rechtsanwälte und Öffentlichkeit das NOK in Anspruch genommen wurde.

Netzeitung: Werden Sie sich denn nun finanziell beteiligen, oder nicht?

Tröger: Grundsätzlich ja.

Ausgang der Klage abwarten

Netzeitung: ...aber warum dauert es so lange. Liegt es an der anhängigen Klage der einstigen Schwimmerin Karen König, mit der sie eine Entschädigung für gesundheitliche Schädigungen durch das Doping zu DDR-Zeiten vom NOK einfordert?

Tröger: Ja, das liegt doch auf der Hand. Gegenwärtig sind wir noch in einem Verfahren befangen, das ein Dopingopfer im Einvernehmen mit der Doping-Opfer-Organisation, die ja dahinter steht und die wir im Prinzip anerkennen, gegen uns angestrengt hat. Ohne den Ausgang dieses Verfahrens, der ja auch zu einer Entschädigungsforderung an uns führen kann, zu kennen, ist eine Entscheidung nicht möglich. Das NOK hat außerdem eine sehr bescheidene Wirtschaftsführung, die nahezu ohne Beiträge der Mitglieder und öffentliche Zuwendungen auskommt. Es muss also die Möglichkeit, Mittel freizumachen, geprüft werden, und zwar unter der oben genannten Voraussetzung. Und schließlich werden wir subsidiär von der Bundesregierung gefördert, wenn auch nur im Bereich der Entsendung der Olympiamannschaften. Das führt aber dazu, dass die Bundesregierung unsere gesamte Ausgabenpolitik zu überprüfen und im weitesten Sinne auch zu genehmigen hat. Insofern sind wir leider nicht unabhängig.

Netzeitung: Der DSB war in dieser Frage allerdings engagierter als das NOK und überwies schon einmal 20.000 Euro als Anschubfinanzierung für das Büro des Doping-Opfer-Hilfevereins...

Tröger: Der DSB hat das ohne Abstimmung mit uns entschieden, aber über diese Finanzierung hinaus auch noch keine Entscheidung über eine Beteiligung an der künftigen Entschädigung, die ja wohl sehr viel höhere Mittel beanspruchen würde, getroffen. Wir sind bereit, über jede Beteiligung, auch an der Finanzierung des Büros, nachzudenken, aber immer unter der oben genannten Voraussetzung.

«Verspreche, dass wir dabei sind»

Netzeitung: Woran wollen Sie sich denn nun beteiligen: An der Beratungsstelle oder am Entschädigungsfonds?

Tröger: An der Beratungsstelle beteiligen wir uns schon, weil wir gerade erklärt haben, dass Herr Dr. Haas in unserem Namen für den Beirat benannt wird. Die finanzielle Beteiligung steht bei uns allerdings offen, bis wir wissen, über was wir verfügen können. Deshalb ist das momentan auch kein wichtiges Thema für uns. Der DSB hat offenbar in Vorleistung so viel zur Verfügung gestellt, dass die Beratungsstelle installiert werden kann. Ich verstehe allerdings nicht, weshalb nur über Geld gesprochen wird. Denn es gibt bislang noch keinerlei Entscheidungen darüber, wie die Opfer entschädigt werden sollen. Wenn diese Entscheidung getroffen ist, dann verspreche ich, dass wir dabei sind. Voraussetzung ist natürlich, dass bis dahin das einzige derzeit noch bestehende Hindernis entfallen ist.

Netzeitung: Klaus Zöllig, der Vorsitzende des Doping-Opfer-Hilfe-Vereins erwartet vom NOK eine Zahlung von einer Million Euro. Eine realistische Forderung?

Tröger: Wir haben uns darüber noch keine Gedanken gemacht. In dieser Frage will ich meinem Präsidium aber auch nicht vorgreifen. Aber persönlich halte ich diese Forderung für utopisch. Eine Million Euro, wo sollen die denn her kommen? Die kann auch der DSB nicht aufbringen, der über höhere Mittel verfügt.

Netzeitung: Noch eine abschließende Frage zur Hochwasser-Katastrophe: Leipzig hält trotz der Flutkatastrophe im Freistaat Sachsen an seiner Bewerbung für Olympia 2012 fest. Halten Sie diese Entscheidung angesichts der Probleme des Landes aufgrund des unermesslichen Schadens weiter für richtig?

Tröger: Aber natürlich, aber das ist doch eine allgemein gültige Auffassung. Erstens ist Leipzig nicht direkt betroffen, sondern Dresden und beispielsweise Riesa. Aber es ist Meinung der gesamten Politik, dass eine solche Katastrophe oder andere Bedürfnisse nicht darin hindern dürfen, über weitere Entwicklungen nachzudenken, die in zehn Jahren zustande kommen können. Im Augenblick ist das auch nicht unsere Entscheidung.

Das Interview mit Walther Tröger führte Frank Mertens

 
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