Union Berlin zieht klare Grenzen: 

netzeitung.deGeld allein macht nicht glücklich

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Erleichtert: Fans des 1. FC Union Berlin (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Erleichtert: Fans des 1. FC Union Berlin
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Durch die Trennung von seinem Hauptsponsor hat der 1. FC Union zwar viel Geld verloren, dafür jedoch seine Glaubwürdigkeit bewahrt. Die Suche nach einem neuen Partner wird den Berlinern nicht schwer fallen, sagt Sven-Ole Knuth.

Das Ende der «strategischen Partnerschaft» zwischen dem 1. FC Union Berlin und seinem Hauptsponsor International Sport Promotion ISP war ein Befreiungsschlag für den Zweitliga-Spitzenreiter. Man kann den Köpenickern nur zu dieser Entscheidung gratulieren.

Seit Bekanntwerden der Zusammenarbeit vor zwei Monaten war vielen Fans nicht ganz wohl zumute. Bis heute ist nicht wirklich klar, womit die bis dahin gänzlich unbekannte Firma ihr Geld verdient. Nebulöse Hinweise auf Müllentsorgungs-Geschäfte in Zentralafrika und widersprüchliche Aussagen über den Sitz der Gesellschaft – erst hieß es Dubai, dann war es auf einmal das winzige Nachbaremirat Ajman – nährten Zweifel an der Seriosität von ISP.

Stasi bei Union ist wie Schalke in Schwarz-Gelb
Vor einigen Jahren ist schon einmal ein Berliner Verein an einem vermeintlich solventen Geldgeber buchstäblich zu Grunde gegangen. Mitte der 90er Jahre war der Finanzdienstleister «Göttinger Gruppe» mit viel Geld bei Tennis Borussia eingestiegen und wollte die «Veilchen» in die Bundesliga führen. Stattdessen ging die «Göttinger Gruppe» Pleite, der DFB verweigerte dem Verein die Zweitliga-Lizenz und TeBe fand sich ein Jahr später in der Oberliga wieder. Bis heute hat sich der Klub davon nicht erholt. Damals war die Schadenfreude bei den Union-Fans groß, nun befürchteten einigen das gleiche Schicksal für den eigenen Verein.

Die Nachricht von der Stasi-Vergangenheit des ISP-Aufsichtsratschefs Jürgen Czilinsky brachte das Fass bei den Fans dann mit einem Schlag zum Überlaufen. Eine wie auch immer geartete Verbindung des 1. FC Union zum ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit ist auch 20 Jahre nach der Wende ein Ding der Unmöglichkeit. Einer der Grundpfeiler des «Eisernen» Selbstverständnisses ist die klare und dauerhafte Abgrenzung vom BFC Dynamo, dem Lieblingsverein des ehemaligen Stasi-Chefs Erich Mielke. Stasi – das war der BFC, Union war der Gegenentwurf. Dass diese Grenze nun durch den Hauptsponsor überschritten wurde, löste eine ebenso starke Abwehrreaktion hervor, als würde Schalke 04 auf einmal in Schwarz-Gelb auflaufen, oder anders herum der BVB in Königsblau.

Zingler ist konsequent - und rettet seinen Job
Man muss Union-Präsident Dirk Zingler hoch anrechnen, dass er nur zwei Tage nach dem ISP-Bericht auf «spiegel online» die Reißleine gezogen hat und sich auch vom Rücktritt des früheren Stasi-Hauptmanns Czilinsky nicht hat umstimmen lassen. Diese Konsequenz bewahrte Union vor einem tiefgreifenden Imageverlust - und ganz nebenbei ihn selbst vor dem Ende seiner Präsidentschaft. Immerhin war es war Zingler, der den Deal mit ISP abgeschlossen hatte.

Doch welcher Zweitligist hätte nicht feuchte Augen bekommen, wäre ein Sponsor aufgetaucht, der zehn Millionen Euro in fünf Jahren in Aussicht stellt und noch dazu von einem früheren Trainer des Vereins (Dieter Fietz) vertreten wird? Dieser Verlockung hätten wohl nicht viele widerstanden. Wenigstens hat Union nun bewiesen, dass es mindestens einen Verein in Deutschland gibt, der auch noch andere Ansprüche an Sponsoren stellt, als eine prall gefüllte Brieftasche.

Die Millionen sind nun erstmal weg und wo Ersatz herkommen soll, steht derzeit noch in den Sternen. Zukunftsangst müssen die «Eisernen» allerdings nicht haben. Die Glaubwürdigkeit und das Selbstbewusstsein des Vereins – die Fans eingeschlossen – sowie der sportliche Erfolg der Mannschaft sollten die Suche nach einem besser geeigneten Hauptsponsor als ISP es war, zu keiner allzu schwierigen Aufgabe machen.