Ängstliche Schweden:
Kein Sport-Coming Out bei Stockholms CSD
Für die Vereine ist die Sache klar: Mit Angst vor der Öffentlichkeit hat das nichts zu tun. «Wir wollen nicht, dass sich unsere Spieler verausgaben», erklärte der Pressereferent des Sportvereins Hammarby, Urban Rybirink, der schwedischen Tageszeitung «Expressen». Außerdem hätten die Männer «in zwei Tagen ein wichtiges Spiel». Nicht anders entschuldigte Jonas Riedel von der Stockholmer Fußballmannnschaft Djurgårdens IF das Fehlen seiner Jungs. «Wir hatten Training», versicherte auch er dem «Expressen». «Da war es schwer, diesen Termin auch noch in den Kalender zu bekommen.»
Doch genau das ist auch in Schweden der Streitpunkt. Während die einen glauben, dass die aktuellen Normen der Gesellschaft mit dafür verantwortlich sind, dass sich homosexuelle Fußballer nicht outen würden, stellen andere genau diese Theorie infrage. Zwar überwiegt das Verständnis für die Anliegen der Homosexuellen, doch gibt es auch die Angst, der Sport könne auf diese Weise zu einem Spielball der Politik werden.
So schreibt «Warsaw» im Gästebuch der AIK, an den Vorsitzenden des schwedischen Sportverbandes gerichtet: «Johan Strömberg, laufen Sie (wenn Sie glauben, dass dies eine Selbstverständlichkeit ist) gern in Zukunft bei der Parade mit. Aber lassen Sie den AIK außen vor! Wir sind eine Sportgemeinschaft und kein Tablett im politischen Spiel!»
H-åsen wiederum kann nicht verstehen, dass man sich über die Teilnahme des Sportverbandes am Stockholmer CSD überhaupt aufregen kann und schreibt: «Der AIK würde sicher auch in einer Parade gegen Rassismus mitlaufen. Würdet ihr euch dann auch so aufregen?»
Wahrscheinlich ja, so könnte man meinen. Denn User Fischle bedankt sich bei den Herren der AIK dafür, «dass sie an dieser Scheiße nicht teilgenommen» haben, und zeigt, dass auch im sonst so liberalen Schweden die Zeit für schwule Fußballer noch lange nicht gekommen ist. (nz)
