Boxen am Nürburgring : 

netzeitung.deSturm lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

 Herausgeber: netzeitung.de

Boxen am Nürburgring  

Lupe Sturm lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Mittelgewichts-Weltmeister Felix Sturm zum dritten Mal innerhalb eines Jahres seinen WBA-Gürtel souverän verteidigt. Sturms Gegner und dessen Meistertrainer waren nach dem Kampf stinksauer auf die Offiziellen.

Box-Weltmeister Felix Sturm ließ sich auch am Nürburgring nicht ausbremsen - selbst von einem Stallgefährten nicht. Der 30 Jahre alte Champion im Mittelgewicht behauptete seinen WBA-Titel Samstagabend vor 5500 Zuschauern in der ausverkauften neuen Ring-Arena und vor 5,12 Millionen am Fernsehgerät gegen Universum- Teamkollegen Khoren Gevor. Sturm beendete damit auch die dritte Pflichtverteidigung innerhalb eines Jahres erfolgreich. «Wir haben einen großen Kampf gesehen. Ich habe verdient gewonnen, weil ich die klareren Treffer gesetzt habe. Es war ein toller Abend», sagte der Leverkusener nach dem einstimmigen Punktsieg (117:111, 115:113, 115:113) erschöpft, aber zufrieden.

Sturm musste sich den 33. Sieg im 36. Kampf seiner Karriere so hart erarbeiten, wie er das befürchtet hatte. Der Leverkusener war gezwungen, alle Register zu ziehen - auch die taktischen. «Wir wollten Khoren mit seinen eigenen Waffen schlagen. Das Konzept ist aufgegangen», meinte Trainer Michael Timm. Sein Schützling konterte nicht wie gewohnt auf schnellen Beinen aus dem Rückwärtsgang, sondern stellte sich dem physisch äußerst kompakten Armenier, der die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben möchte.

Gevor: «Ich fühle mich als Sieger»
So war Gevor dank seiner kämpferischen Qualitäten dem feinen Techniker Sturm optisch lange durchaus ebenbürtig, ehe ihm in der Schlussphase etwas die Kräfte ausgingen und der Weltmeister die entscheidenden Treffer setzen konnte. «Die letzten Runden kann man Felix geben. Insofern geht der Sieg in Ordnung», sagte Gevors Trainer Fritz Sdunek und ging mit einem Juroren dennoch hart ins Gericht. Das 117:111, das ausgerechnet der deutsche Punktrichter Manfred Küchler errechnet hatte, stieß dem Meistercoach sauer auf: «Dass solche Leute noch werten dürfen, ist ein Skandal.»

Gevor war nach dem vergeblichen zweiten WM-Anlauf nach der K.o.- Niederlage gegen Arthur Abraham (Berlin) ebenfalls stocksauer. «Ich fühle mich als Sieger. Ich habe ihn genauso getroffen. Die Offiziellen haben das nicht so gesehen. Das ist schade für den Sport», haderte der untröstliche Verlierer, den auch die Börse von geschätzten 175 000 Euro - die höchste seiner Karriere - nicht trösten konnte. «Ich kann seine Enttäuschung verstehen», sagte Sturm, der 1,2 Millionen Euro bekommen haben soll.

«Kelly Pavlik ist ein Thema»
Die Summe dürfte auch die Schmerzen lindern, die der alte und neue Weltmeister aus dem Kampf davongetragen hat. Sturm musste wegen einer Ohrverletzung im Krankenhaus behandelt werden. «Mir wurde das Blut aus dem Bluterguss in der Ohrmuschel gesogen. Aber es ist alles halb so wild. Mir geht es gut», berichtete der Universum-Profi nach dem Eingriff noch in der Nacht. Sturm will nun ausgiebig Urlaub machen und dann die nächsten großen Aufgaben angehen. «Welche das sind, ist noch nicht klar. Aber auch eine Titelvereinigung mit Kelly Pavlik ist durchaus ein Thema», sagte Universum-Vize Dietmar Poszwa.

Der Amerikaner Pavlik wird in Übersee registriert haben, dass sich ein junger Deutscher zum Herausforderer Nummer eins aufschwang. Der Schweriner Sebastian Zbik sicherte sich durch einen knappen einstimmigen Punktsieg (115:114, 115:114, 115:114) über Domenico Spada (Italien) die Interims-WM des WBC. Wunschlos glücklich war der 27-Jährige aber dennoch nicht. «Das kann ich viel, viel besser», meinte der Sdunek-Schützling nach einem zähen Gefecht, dass in den letzten Runden eher an Ringen denn an Boxen erinnerte. (Gert Glaner, dpa)