Das Wunder von Köpenick:
Wenn Fans das Stadion bauen
06.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Können jetzt im neuen Stadion feiern
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Fast ein Jahr hat es gedauert, Fans nahmen Urlaub oder legten nach der Arbeit eine Extraschicht ein. Nach 140.000 Arbeitsstunden ist das Stadion des 1. FC Union Berlin fertig und hat etwas Einzigartiges im deutschen Profifußball.
Die «Auswärts-Aufsteiger» vom 1. FC Union Berlin feierten noch im verhassten Jahn-Sportpark die Rückkehr in die 2. Bundesliga, doch das eigentliche «Wunder von Köpenick» vollbrachten die Fans der «Eisernen» an ihrer Kultstätte. In insgesamt 140.000 Arbeitsstunden bauten sie in bislang 307 Tagen ab 07.00 Uhr bis in den späten Abend «ihr» Stadion «An der Alten Försterei» zu einem Schmuckkästchen aus, um das sie künftig etliche Zweitligisten beneiden werden.
Über 2000 Fans werkelten, zimmerten und strichen an der neuen Perle von Köpenick, die am Mittwoch mit dem Spiel gegen den Bundesligisten Hertha BSC feierlich eingeweiht wird. Die 19.000 Tickets für diese Partie waren ebenso in nur wenigen Stunden vergriffen wie die Karten für das Testspiel gegen Bayern München am 26. August. Die 2000 Helfer dürfen mit ihren Angehörigen gegen Hertha umsonst ins Stadion - der einzige Lohn für die harte Arbeit.
«Nie abgegoltgen»«Es ist sensationell und phänomenal, was unsere Fans hier in den zurückliegenden zwölf Monaten geleistet haben. Man kann es kaum in Worte fassen», meinte Sportdirektor Christian Beeck, der frühere Bundesliga-Profi von Hansa Rostock und Energie Cottbus. «Der Dank gilt allen, aber damit kann es nie abgegolten sein: Diese fanatischen Anhänger haben Historisches für den Verein geleistet und deutschlandweit für Aufmerksamkeit gesorgt», schwärmte Beeck.
Im Endspurt der Baumaßnahmen hatte am Sonntag noch einmal die Rekordzahl von 170 freiwilligen «Bauleuten» bei Gluthitze den Weg in die kultige Arena gefunden, in dem seit den 20er Jahren der Schlachtruf «Eisern Union» von den Tribünen schalt und den Gegnern Respekt einflößen soll. Temperaturen von über 30 Grad sorgten noch mal für einen kurzen Schock: So musste am Sonntagabend ein Teil des schon verlegten, aber nicht angewachsenen Rasen neu ausgerollt werden. «Das Thema ist am Montag erledigt. Das Spiel kann ohne Probleme stattfinden», bestätigte Projektleitern Sylvia Weisheit.
«Man muss verrückt sein»«Für diese Arbeitswut gibt es nur eine Begründung: Leidenschaft», erklärte Union-Fan Matthias Jäckel, der am Sonntag mit seinen Kumpels den Geländern vor den Kassenhäuschen den letzten Anstrich gab. «Man muss schon ganz schön verrückt sein, sich am Sonntag um 07.00 Uhr hier einzufinden. Aber ich bin stolz, dass ich dabei war und an unserem Stadion mitgewirkt habe», schildert Mirko Bellmann, der gemeinsam mit seinem Sohn Tim den Endspurt der Arbeiten an dem neuen Schmuckstück nicht verpassen wollte.
Monat für Monat hatten Fans Opfer für ihren Verein gebracht, hatten Urlaub genommen oder nach der Arbeit noch am Stadion gewerkelt. Vieles wird im Stadion moderner sein als zuvor: Eine Rasenheizung, eine Videowand vor dem Gästeblock, eine neue Beschallungsanlage. Doch das Kultstück des Stadions bleibt erhalten: Die mechanische Anzeigetafel, die einzige im deutschen Profifußball, wird weiter den Spielstand dokumentieren.
(Von Frank Thomas, dpa)