01.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Nie mehr im Bayern-Trikot?
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Rekordmeister trainiert wieder und langweilt dabei sehr, für Aufregung sorgen zwei wechselwillige Brasilianer. In Berlin und Hamburg fehlen Spieler und Qualität - eine Frage der Macht, findet Alexander Ludewig .
FC Bayern MünchenImmerhin, im Vergleich zum Trainingsauftakt unter Jürgen Klinsmann vor einem Jahr kamen fast doppelt so viele Bayern-Fans zum Saisonstart. 1500 Zuschauer säumten den Trainingsplatz an der Säbener Straße und waren gelangweilt - ebenso wie diejenigen, die um 10.30 Uhr das Deutsche Sportfernsehen eingeschaltet hatten. Das DSF berichtete live von der ersten Übungseinheit des Rekordmeisters.
Das Bild auf der Mattscheibe zeigte Hütchenreihen auf dem vereinsamten grünen Rasen und wurde mit bedeutungslosen Sätzen der Kommentatoren wie «Hier sehen sie weiße Wände und rote Streifen auf dem Vereinsgebäude» nicht besser. Dass der Moderator zwischendurch eine SMS von Markus Hörwick, dem Pressechef der Bayern, mit der Information bekam, dass sich die Mannschaft nochmals um 15 Minuten verspäten werde, geriet somit zum Höhepunkt.
50 MillionenInsgesamt ließen sich die Münchner erst 40 Minuten nach dem genannten Termin blicken, eine kurze Einstellung mit den Neuverpflichtungen und die Sendezeit beim DSF war abgelaufen. Man hätte auch vor der nachfolgenden «Astro-Sendung» abschalten können. Die Zaungäste konnten jetzt noch wenigstens den lockeren Aufgalopp von Franck Ribery und Co. sowie den insgesamt 50 Millionen teuren Neuzugängen Mario Gomez, Ivica Olic, Anatoli Timoschtschuk, Danijel Pranjic, Edson Braafheid und Alexander Baumjohann sowie Rückkehrer Andreas Görlitz beobachten. Und natürlich den neuen Trainer Louis van Gaal.
Interessanter war jedoch, wer nicht da war: Lucio. Dieser Umstand ist an sich nicht ungewöhnlich, erholt er sich doch gerade in seiner Heimat Brasilien von den Strapazen der langen Saison mit dem Sieg beim Confed-Cup am vergangenen Sonntag. Doch es könnte sein, dass Lucio gar nicht mehr kommt oder nur «weil ich ja noch meinen Schrank ausräumen müsste». Der Kapitän der Seleccao ist verärgert, weil der Verein Meldungen nicht dementiert hat, nach denen er unter dem neuen Trainer van Gaal keine Rolle mehr spiele. «Deshalb ist ein Wechsel sinnvoll, wenn es ein tolles Angebot gäbe», so Lucio eindeutig.
Zé Roberto will mehrAuch ein weiterer Brasilianer steht vor dem Abgang aus München. Nach Informationen des «Hamburger Abendblattes» steht Zé Roberto «kurz vor einer Zusage beim HSV». «Der Verein hat seine Gründe und die gilt es zu akzeptieren», ist der 34-jährige Mittelfeldspieler nicht bereit, nur einen Einjahresvertrag in München zu unterschreiben. Denn «meine körperliche Verfassung und die gezeigte Leistung der letzten Saison lassen erkennen, dass ich problemlos zwei Jahre hätte weiterspielen können».
Hamburger SV
Für die Norddeutschen wäre Zé Roberto eine Verstärkung, vor allem die erste. Nach dem Hickhack zwischen Klubchef Bernd Hoffmann und dem inzwischen abgetretenen Sportdirektor Dietmar Beisersdorfer haben die Hamburger immer noch keinen neuen Spieler verpflichtet. Trainer Bruno Labbadia standen zum Trainingsauftakt gerade mal 15 Spieler zu Verfügung. Wenigstens kann er mit dem frisch gebackenen U21-Europameister Jerome Boateng planen, der sich zu «hundert Prozent» zum HSV bekannte.
NachgetretenNach dem Abgang von Dietmar Beiersdorfer ließ es sich sein Konkurrent Bernd Hoffmann nicht nehmen, nochmals nachzutreten. Der Klubchef kritisierte die Transferbilanz des Sportdirketors, nach der sich nur vier von elf verpflichteten Spielern in den letzten drei Jahren durchgesetzt hätten. «Vor Jahren war die Trefferquote weitaus höher», so Hoffmann. Unerwähnt ließ er die von allen Seiten gelobten Verkäufe Beiersdorfers: Für Nigel de Jong, Rafael van der Vaart, Vincent Kompany, Mohamed Zidan und Thiago Neves kassierte der HSV letzte Saison über 50 Millionen Euro.
So steht Klubchef Hoffman auch ziemlich allein mit seiner Meinung da. «Das ist unnötiges Theater, das man sich selbst macht», zeigt HSV-Legende Uwe Seeler wenig Verständnis und will jetzt von Hoffmann selbst Taten sehen: «Zu viel Macht ist nie etwas Gutes. Er wird sich am Erfolg messen lassen müssen.» Zu allem Ärger verlieren die Hamburger auch noch ihren Stadionsponsor. Die HSH-Nordbank steigt zum Saisonende vorzeitig aus dem bis 2013 laufenden Vertrag aus.
Hertha BSC Berlin
Nach einer großartigen Saison verlieren die Berliner die Erfolgsgaranten. Nachdem bereits die Stürmer Marko Pantelic und Andrey Voronin die Hauptstadt verlassen haben, wechselte nun Josip Simunic zum Ligakonkurrenten 1899 Hoffenheim. Der 31-jährige reißt damit ein großes Loch in die Hertha-Abwehr, war er doch wie schon in der Spielzeit 2004/2005 zum besten Innenverteidger der Bundesliga gewählt worden. Und zumindest in zwei Fällen sind wie beim Hamburger SV interne Querelen und Machtkämpfe die Ursache.
Auflagen erfülltMarko Pantelic, Herthas erfolgreichster Stürmer der letzten Jahre, war Trainer Lucien Favre von Beginn an ein Dorn im Auge und sein Abschied schon lang beschlossen. Dass nun auch Simunic das blau-weiße Trikot abstreift, ist zumindest teilweise Favre geschuldet. Hatte er doch dem Kroaten öffentlich keine Leistungssteigerung mehr zugetraut. Nun ja, da zog der 1,95 Meter große Abwehrriese eine Vertragsoption, die dem Hauptstadtklub zumindest sieben Millionen Euro einbringt. Diese helfen nun wenigstens die DFL-Auflagen zu erfüllen, wonach die Berliner einen Transferüberschuss von fünf Millionen Euro erwirtschaften müssen.
Mit Dieter Hoeneß hat Hertha BSC schon zuvor ein über Jahre prägendes Element verloren. Auch der Manager lag im Zwist mit Trainer Lucien Favre. Nun liegt es an dem Schweizer, dem es nach eigenem Bekunden Freude bereitet, aus wenig viel zu machen, die Verluste klug zu kompensieren. Ein Händchen hat er dafür und unter dem neuen Geschäftsführer Sport, Michael Preetz, sicher auch die nötigen Freiheiten.