01.07.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Viertelfinalleiden: Sabine Lisicki
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Sabine Lisicki hatte im Viertelfinale nicht nur mit Dinara Safina zu kämpfen, auch die tropischen Temperaturen und Vergleiche mit Steffi Graf setzten ihr zu. Respekt und wichtige Erkenntnisse nimmt sie aus London mit.
Die 19-jährige Tennishoffnung Sabine Lisicki hat das Halbfinale in Wimbledon verpasst, die Topspielerinnen aber ordentlich ins Schwitzen gebracht. Bei tropischen Temperaturen in London unterlag die Berlinerin der Weltranglistenersten Dinara Safina aus Russland mit 7:6 (7:5), 4:6, 1:6 und war nach 2:28 Stunden Spielzeit stehend K.o. Damit bleibt Steffi Graf die letzte deutsche Tennisspielerin, die 1999 in Wimbledon ein Grand-Slam-Halbfinale erreicht hat.
Siegerin Safina trifft am Donnerstag in ihrem ersten Vorschlussrundenmatch bei den All England Championships auf Titelverteidigerin Venus Williams aus den USA, die sich gegen die Polin Agnieszka Radwanska 6:1, 6:2 durchsetzte. Im zweiten Halbfinale steht Olympiasiegerin Jelena Dementjewa aus Russland nach einem 6:2, 6:2 gegen die Italienerin Francesca Schiavone. Sie trifft auf Serena Williams aus den USA, die Victoria Azarenka aus Weißrussland mit 6:2, 6:3 bezwang.
Ziel erreicht«Die ersten zwei Sätze waren wirklich sehr ausgeglichen, dann war sie physisch einfach besser als ich», sagte die total erschöpfte Lisicki. Viel Respekt nimmt sie mit aus Wimbledon und das größte Preisgeld ihrer jungen Karriere: 125.000 Euro. In der Weltrangliste verbessert sie sich zudem als beste Deutsche auf Platz 26. «Das war eines meiner Ziele für dieses Jahr», sagte sie und trat zufrieden die Heimreise nach Berlin an. «Ich habe ein großartiges Turnier gespielt, niemand hätte das vorher erwartet, auch ich nicht. Und ich weiß jetzt, dass ich Topspielerinnen schlagen kann.»
Der fröhliche und unbekümmerte Teenager knüpfte zunächst nahtlos an die aufsehenerregenden Auftritte auf dem «Heiligen Rasen» an. Doch dann verließ sie das Glück und im dritten Satz schließlich auch die Kraft. Minutenlang wurde sie flach auf dem Bauch liegend an der rechten Wade behandelt. Doch aufgeben wollte sie nicht, obwohl das Match danach seinen Lauf nahm. Safina leistete sich zwar 15 Doppelfehler, revanchierte sich letztlich aber doch für die Niederlage im ersten Vergleich 2008 bei den Australian Open.
FurchtlosDass sie «vor großen Namen keine Angst hat», ließ Lisicki die kleine Schwester von Marat Safin zunächst spüren. Zum 2:1 verwandelte sie den dritten Breakball, auch weil ihre Gegnerin im Duell der Viertelfinaldebütantinnen nervös wurde: «Sabine hat einen hervorragenden Aufschlag, mit dem sie allen Konkurrenz machen kann», lobte Nick Bollettieri. Lisickis insgesamt zwölf Asse bestätigten den Tennisguru, in dessen Akademie in Florida sie auch Thomas Haas kennengelernt hat. Der Hamburger steht diesen Mittwoch als einziger Deutscher in Wimbledon gleichfalls im Viertelfinale gegen den Serben Novak Djokovic. «Seine Chancen stehen 50:50; er muss sich nicht verstecken», sagte der dreimalige Wimbledonsieger Boris Becker.
Der Trubel um Lisicki, der schon nach dem Erreichen des Achtelfinals eingesetzt hatte, die Vergleiche mit der 22-maligen Grand-Slam-Siegerin Steffi Graf und nicht zuletzt die Temperaturen von mehr als 30 Grad zermürbten die Aufsteigerin des Jahres, die sich aber bis zum letzten Ballwechsel wehrte. Neben Fed-Cup-Chefin Barbara Rittner fieberte Trainer-Vater Richard Lisicki auf dem mit 15.000 Zuschauern besetzten Center Court mit und ärgerte sich über die verpassten Chancen seiner Tochter, die sich mit Kusshänden vom Publikum verabschiedete. (Andreas Bellinger, dpa)