U21-EM - Hrubesch als Vater des Erfolges: 

netzeitung.deHotte im Land der Euro-Helden

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Hummels (l.) und Wagner (r.) tragen Hotte auf Händen - zu Trainingszwecken (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Hummels (l.) und Wagner (r.) tragen Hotte auf Händen - zu Trainingszwecken
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Früher war er ein Kopfball-Ungeheuer, heute ist er der Mann, der den deutschen Fußball-Nachwuchs zu historischen Erfolgen führt: Horst Hrubesch begeistert als Mensch und als Trainer - die Spieler danken es ihm.

«Manni Banane, ich Kopf, Tor» – mit diesem expressionistischen Sprachgitter beschrieb Horst Hrubesch einst das Erfolgsgeheimnis des Hamburger SV und der Nationalmannschaft in den frühen 80er Jahren, als er reihenweise die berühmten «Bananenflanken» von Manfred Kaltz ins Netz beförderte. Kopfbälle konnte Hrubesch gut, doch darüber hinaus traute man dem Blondschopf auch wegen seiner schnörkellosen Ausdrucksweise irgendwie nicht viel zu, schon gar keine Karriere als Trainer.

Seine ersten Jahre als Coach schienen dieses Vorurteil zu bestätigen, seine Engagements in Deutschland (Essen, Wolfsburg, Rostock, Dresden), Österreich (Innsbruck, Wien) und der Türkei (Samsunspor) waren von sehr überschaubarem Erfolg gekrönt. Und auch seine Arbeit beim Deutschen Fußball-Bund begann im Jahr 2000 alles andere als vielversprechend: Als Assistent des glücklosen Teamchefs Erich Ribbeck geriet er in den Strudel des deutschen «Rumpel-Fußballs». Doch dann wechselte er in den Jugendbereich des DFB und eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Anfang.

Sammer: «Wir wissen, was wir an ihm haben»
Im vergangenen Jahr gewann Hrubesch als Trainer der deutschen U19-Auswahl bei der EM in Tschechien den ersten Nachwuchstitel seit 16 Jahren, in den vergangenen zwei Wochen führte er das U21-Team in Schweden zum ersten EM-Titel in dieser Alterklasse überhaupt. Zusammen mit dem EM-Gewinn der U17 vor gut einem Monat unter Trainer Marco Pezzaiuoli macht das für den deutschen Nachwuchsfußball ein historisch einmaliges Triple – nie zuvor kamen die drei amtierenden Kontinental-Champions aus einem Land. Der Name Horst Hrubesch wird mit diesem Erfolg für immer verbunden sein.

Es war eine goldene Wahl, die der DFB nach der Entlassung von Dieter Eilts, der trotz der erfolgreichen EM-Qualifikation seinen Hut nehmen musste, traf. Als klar war, dass Rainer Adrion, der künftige U 21-Trainer, die Mannschaft erst in diesem Sommer übernehmen kann, war Hrubesch die beste Lösung für das Team. «Wir wissen, was wir an ihm haben. Er ist ein echter Typ», begründete Sportdirektor Matthias Sammer die Entscheidung. Der 58-jährige findet bei den Nachwuchstalenten offensichtlich die richtige Ansprache. Dazu gehört nicht nur Lob, sondern auch Kritik – die in echter Hrubesch-Manier gerne sehr deutlich ausfällt.

Klare Worte: «Den muss er einfach reinmachen»
Als Sandro Wagner kurz vor seinen beiden Toren im Endspiel gegen England (4:0) eine tausendprozentige Torchance 20 Zentimeter vor der Torlinie vergab, flippte der frühere Vollblutstürmer an der Seitenlinie förmlich aus. «Da muss man nicht zaubern oder so was, den muss man einfach reinmachen», sprach der frühere Vollblutstürmer nach dem Spiel unverhohlen das aus, was jeder hatte sehen konnte.
Seine Spieler mögen diese offene Art. «Dieser Trainer war wie ein Freund, er hat uns angeschnauzt und sofort wieder aus dem Dreck gezogen, so habe ich das noch nie erlebt», sagte Torhüter Manuel Neuer nach dem gewonnenen Finale von Malmö über «Hotte». So wird Hrubesch von seinen Europameistern genannt – auch das ist ein Ausdruck des des freundschaftlichen Verhältnisses zwischen Mannschaft und Trainer.

«Er ist ein ehrlicher Typ, man vertraut ihm und nimmt ihm das auch ab», lobt auch U21-Kapitän Sami Khedira. Auch die Jungprofis, die beim Turnier wenig oder gar nicht zum Einsatz kommen, sind für Hrubesch genauso wichtig wie die Führungsspieler. Er redet viel mit ihnen und hält sie so bei Laune. Khedira: «Aber er kann auch sehr laut werden, wenn ihm was nicht passt und klare Ansagen machen. Dieses Zwischending zu finden, das macht er sehr gut.»

Nächster Auftrag: Die U20-WM
Nach dem Triumph mit der U21 trauen ihm viele auch den nächsten Coup zu. Im September fährt er mit «seiner» U19, die nun ein Jahr älter ist, zur U20-Weltmeisterschaft nach Ägypten. Deshalb gibt es für Hrubesch auch keine Atempause, die Vorbereitung steht vor der Tür. «Das geht jetzt sofort los. Ich muss schauen, dass ich meine Mannschaft wieder in die Reihe bekomme», so Hrubesch. Dass ihm das gelingt, bezweifelt nun wohl niemand mehr. (nz/dpa)

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