Machtverhältnisse im Fußball - Die Spieler regieren: 

netzeitung.de«Fleisch gewordenes Geschäft»

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Mächtiger Superstar: Cristiano Ronaldo (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mächtiger Superstar: Cristiano Ronaldo
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein Weltmeistertrainer beklagt die Macht der Spieler. Fast 100 Millionen Euro Ablöse hat Real Madrid für Cristiano Ronaldo bezahlt und sich damit in dessen Abhängigkeit begeben, meint Alexander Ludewig . Mit Video.

«Die wahren Herrscher im Fußball sind heute die Spieler. Sie entscheiden alles.» So sieht es Felipe Scolari, der im Februar als Trainer beim FC Chelsea entlassen wurde und sich in der brasilianischen Zeitung O Globo über Sonderwünsche der Londoner Stars beklagte. Dabei fiel neben Torwart Petr Cech sowie Didier Drogba auch der Name von Michael Ballack. Die Spieler hätten seine Trainingsmethoden und Anforderungen nicht akzeptiert und zuviel Einfluss.

Kein Wunder, denn wenn ein Arbeitgeber Spitzenverdiener in seinen Reihen hat, sorgt er dafür, dass sie spielen, sich «wohlfühlen» und das Geld nicht auf der Bank verbrannt wird – auch gegen die Wünsche des Trainers. Die teuren Stars müssen auflaufen. Gleiches gilt für Cristiano Ronaldo bei Real Madrid. Mit einer Ablösesumme von 94 Millionen Euro ist er der teuerste Spieler und zugleich der bestbezahlte. Rund 13 Millionen Euro pro Jahr verdient er nach seinem Wechsel von Manchester United zu den Königlichen.

«Perfekter Werbeträger»
Mit Lionel Messi vom FC Barcelona streitet der Portugiese zudem seit einiger Zeit um den Titel des besten Fußballers. Seine sportlichen Qualitäten sind unbestritten, auch deshalb wird er ein fester Bestandteil der Real-Stammelf sein. Aber er ist ebenso «der perfekte Werbeträger», liefert die spanische Zeitung Marca den zweiten Aspekt seiner Verpflichtung. Als «Fleisch gewordenes Geschäft» bezeichnet ihn das Blatt.

Und dieser Ronaldo ist auf dem besten Weg, dies zu bestätigen, seine Ablösesumme einzuspielen und eine Ikone vom Sockel zu stoßen. Der Motor von Reals Marketingmaschine brummt schon gewaltig. Am 6. Juli wird die Vorstellung von Cristiano Ronaldo im Estadio Santiago Bernabeu inszeniert. Klingt wie im Film - ist auch so. «Wenn Hollywood-Stars Millionen-Gagen bekommen, beschwert sich niemand. Aber auch wir agieren im Entertainmentbereich, wir begreifen unsere Ablösesummen als Investitionen», sagt Reals Generaldirektor Jorge Valdano dazu.

Beckham hat sich rentiert
Und das solch ein Weg aus wirtschaftlicher Sich erfolgreich sein kann, hat Real Madrid schon einmal bewiesen. Spätestens mit der Verpflichtung von David Beckham im Jahr 2003 für 35 Millionen wurde Reals Beiname «Die Galaktischen» zur Weltmarke. Auf 400 Millionen Euro werden die Einnahmen geschätzt, die die Königlichen über Werbung, Merchandising und auch PR-trächtige Auftritte auf dem grünen Rasen einspielten. Ähnliches plant Real jetzt mit Ronaldo, will dabei aber nicht die gleichen Fehler aus der Beckham-Zeit wiederholen.

Denn dem Glamour fehlte der sportliche Glanz. Seit dem Champions-League-Sieg im Jahr 2002 Meister holte das Team der «Galaktischen» 2003 nur noch einen Landesmeistertitel in der Primera Division und musste bis zum Jahr 2007 auf den nächsten warten. Obwohl es angesichts der fast 100 Millionen Euro Ablösesumme für Ronaldo, den 65 Millionen für Kaka und weiteren geplanten Zukäufen wie Xabi Alonso (FC Liverpool), Franck Ribery (FC Bayern) oder Karim Benzema (Olympique Lyon) etwas zynisch klingt, Real verstärkt sich sportlich mit Bedacht.

Feste Freundin statt Paris Hilton
Wurde damals nur die Offensive verstärkt, die Abwehr gänzlich vernachlässigt und das wichtige Defensvizentrum im Mittelfeld mit dem Verkauf von Claude Makelele geschwächt, will der umsichtige Valdano für eine ausgeglichen besetzte Mannschaft sorgen. Für 15 Millionen Euro wurde der spanische Nationalverteidiger Raul Albiol vom FC Valencia verpflichtet. Und auch die linke Abwehrseite soll noch verstärkt werden.

Doch das bestimmende Thema in Madrid bleibt Cristiano Ronaldo. Und bei Real macht man sich Sorgen. Denn einerseits setzt man auf den medienträchtigen Rummel um den Superstar, andererseits hat man ein wenig Angst davor. Valdano gibt «das ganze Drumherum zu denken» und er will, dass «Ronaldo in Ruhe arbeiten kann». Deshalb sei es für ihn kein Problem, ihm zusätzliche Leibwächter zu gewähren. Einen guten Rat bekam Ronaldo von seinem Landsmann Paulo Futre. Der Ex-Nationalspieler empfahl dem Flügelflitzer «eine feste Freundin». Dies verleihe ihm Stabilität. Den derzeitigen Flirt mit Paris Hilton wird Futre damit nicht gemeint haben.

Ablösesumme: 1 Milliarde Euro
Und noch etwas jagt den Königlichen Angst ein – die Kaufkraft der arabischen Ölscheichs. Deshalb wurde im Sechsjahresvertrag des Portugiesen eine Ablösesumme von einer Milliarde Euro festgeschrieben. Über die Angst vor Cristiano Ronaldo selbst ist noch nichts bekannt geworden. Doch angesichts dieser Summen kann man Felipe Scolari und dessen Meinung über die Machtverhältnisse im Fußball wohl zustimmen. Denn Real Madrid hat sich in die Abhängigkeit des Spielers Ronaldo begeben und wird ihm wohl jeden Wunsch von den Lippen ablesen. Der Kauf des Portugiesen wurde über Kredite finanziert, die abgezahlt werden müssen. Jegliche Missstimmung würde das Projekt der «neuen Galaktischen» gefährden«.