19.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Muss sich neu sortieren: Automobilweltverband Fia
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Weil Fia-Chef Max Mosley zu keinem Kompromiss bereit ist, hat die Teamvereinigung Fota erklärt, «eine neue Meisterschaft zu beginnen». Damit bleiben der Formel 1 nur fünf fast namenlose Teams erhalten.
Die Königsklasse des Motorsports steht endgültig vor der Spaltung. Die Teamvereinigung Fota will im Streit mit dem Automobilweltverband Fia um die freiwillige Budgetobergrenze nicht nachgeben und hat eine eigene Rennserie angekündigt. «Diese Teams haben keine andere Alternative, als mit den Vorbereitungen für eine neue Meisterschaft zu beginnen, die die Werte ihrer Teilnehmer und Partner widerspiegelt», teilten die acht Rennställe um Wortführer Ferrari in einer am Freitag veröffentlichten Presseerklärung mit. Zugleich zogen die Fota-Mitglieder ihre Nennung für die Saison 2010 zurück. Die Fia blieb in einer ersten Reaktion stur. Die Anmeldefrist für die neue Saison werde am Freitagabend auslaufen, erklärte der Dachverband.
Falls es nicht doch noch in letzter Sekunde zu einem Kompromiss kommen sollte, würde die kommende Formel-1-Saison ohne die Branchenriesen Ferrari und McLaren-Mercedes stattfinden. Auch Renault, Toyota, der aktuelle WM-Spitzenreiter BrawnGP sowie Red Bull und Toro Rosso wären dann nicht mehr dabei. «Es ist klar geworden, dass die Teams nicht länger Kompromisse über die grundlegenden Werte des Sports eingehen können», schrieb die Fota. Zuvor hatten sich die Teamvertreter in der Nähe von Silverstone getroffen, wo am Sonntag (14.00 Uhr/RTL und Premiere) der Große Preis von Großbritannien gestartet wird.
Fia schiebt den schwarzen Peter weiterDer Automobilweltverband reagierte kühl auf die Drohung. «Die Fia ist enttäuscht, aber nicht überrascht, dass die Fota nicht in der Lage war, einen Kompromiss zu erzielen. Es ist eindeutig, dass gewisse Teile der Fota im Zuge der Verhandlungen nie die Absicht hatten, eine Einigung zu erzielen», hieß es in einer am Morgen verbreiteten Erklärung. Fia-Chef Max Mosley hatte die Rennställe zuvor mehrfach aufgefordert, alle Bedingungen für eine Teilnahme an der kommenden Saison aufzugeben. Erst danach sei der Verband bereit, noch einmal über das umstrittene Reglement für 2010 und ein Etatlimit zu verhandeln.
«Im Moment schaut es aus wie der Totalschaden für die alte Königsklasse aus», urteilte der dreimalige Weltmeister Niki Lauda im Interview des Nachrichtensenders
n-tv. Beide Seiten hätten genug Zeit für einen Kompromiss gehabt, die Rennställe seien zu Zugeständnissen bereit gewesen. «Jetzt ist Max Mosley dran», sagte Lauda. Doch Mosley beharrt auf seinen Plänen. «Die Fia kann weder ein finanzielles Wettrüsten in der Weltmeisterschaft dulden noch kann sie der Fota erlauben, die Regeln der Formel 1 zu diktieren», erklärte der Weltverband. Am Sonnabend will die Fia die endgültige Liste der 13 Starter für 2010 veröffentlichen.
Bedrohtes LebenswerkJedoch wäre die Königsklasse ohne die großen Namen der Branche wohl am Ende. Die Neueinsteiger wie Campos Meta oder Manor GP haben bei weitem nicht die Strahlkraft von Ferrari und Co., auch die Top-Fahrer würden wohl fehlen. Längst haben die Stars wie Weltmeister Lewis Hamilton versprochen, ihren Arbeitgebern auch in eine neue Rennserie zu folgen. Ein Albtraum vor allem für Vermarkter Bernie Ecclestone, dessen Lebenswerk zerstört wäre. «Ich werde jede Piratenserie bedingungslos bekämpfen», hatte der Brite kurz vor der Reise nach Silverstone gedroht. Ecclestone beruft sich auf bestehende Verträge und bereitet Millionenklagen vor.
Die Fota aber hat offenkundig längst konkrete Pläne für eine neue Rennserie in der Schublade. «Die größten Fahrer, Stars, Marken, Sponsoren, Förderer und Unternehmen, die historisch mit der höchsten Stufe des Motorsports verbunden sind, werden alle in der neuen Serie dabei sein», kündigte die Teamvereinigung an.
Die Konfliktparteien im PorträtDie «Fédération Internationale de l'Automobile» ist der Dachverband des internationalen Motorsports und die Vereinigung der weltweit führenden Motorsport-Organisationen. Gegründet wurde die Fia 1904. Hauptsitz ist Paris, Präsident ist Max Mosley. In der Fia sind nach eigenen Angaben 219 nationale Organisationen aus 130 Ländern vereint. Sie repräsentiert damit rund 100 Millionen Mitglieder. Die Fia erstellt für die unterschiedlichen Motosport-Klassen das Reglement und überwacht die Einhaltung der Regeln, zum Beispiel für die Formel 1, die Rallye-WM-und Tourenwagen-Weltmeisterschaft. In der Formel 1 hat die Fia die Aufgabe, das sportliche und technische Reglement zu erstellen und zu überwachen.
Fota
Die «Formula One Teams Association» ist der Zusammenschluss von acht Formel-1-Rennställen (Ferrari, McLaren-Mercedes, BMW-Sauber, Brawn GP, Toyota, Red Bull, Toro Rosso und Renault). Die Teamvereinigung gründete sich im September 2008 in Monza. Präsident ist Fiat-Präsident und Ferrari-Chef Luca di Montezemolo aus Italien. Ziel der Rennställe ist es, mit Hilfe der Interessenvertretung ihre Position gegenüber dem Internationalen Automobilverband Fia als Sportbehörde und den Rechteinhabern um Bernie Ecclestone zu stärken.
So soll die Fota den Teams die Mitsprache bei Regeländerungen, der Vermarktung der Rennserie und der Verteilung der Einnahmen sichern. Williams und Force India wurden nach ihrer vorbehaltlosen Nennung für die WM 2010 als Mitglieder ausgeschlossen.
(nz/dpa)