18.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Schärfster Mosley-Widersacher: Ferrari-Chef Montezemolo
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Der Kampf um die Zukunft der Formel 1 spitzt sich zu: «Es ist jetzt ein Kampf zweier Egozentriker», weiß Niki Lauda. Soll es die Königsklasse im nächsten Jahr noch geben, muss bis morgen eine Lösung her.
Im Fahrerlager von Silverstone wurden am Donnerstagmorgen die Motorhomes der Teams für das Grand-Prix-Wochenende noch kräftig poliert. Doch die glänzende Formel-1-Fassade kann nicht darüber hinwegtäuschen: Der Königsklasse droht wegen des Streits um die Budgetobergrenze zwischen dem Automobileeltverband Fia und der Teamvereinigung Fota das Totalchaos.
Immerhin: Die noch Anfang der Woche scheinbar unversöhnlichen Streitparteien signalisierten vor dem Großen Preis von Großbritannien (Sonntag, 14.00 Uhr/RTL und Premiere) endlich Kompromissbereitschaft. Es wird auch Zeit. Bis Freitag, 19.00 Uhr MESZ, will die Fia die endgültige Starterliste für 2010 bekanntgeben. Wer dann nicht aufgeführt ist, ist raus aus dem Spiel. Auf der Gegenseite drohen die Rebellenteams Ferrari, McLaren-Mercedes, Brawn GP, BMW-Sauber, Renault, Red Bull, Toro Rosso und Toyota mit dem Ausstieg und einer Piratenserie.
Reger BriefwechselEin reger Briefwechsel am Mittwoch zwischen Fia-Chef Max Mosley und der Fota dokumentiert, dass sich in dem seit Monaten schwelenden Konflikt doch noch etwas bewegen kann und hinter den Kulissen kräftig an einer Lösung gefeilt wird. Mosley, den die von Ferrari angeführte Prostestfront von der Fia-Spitze stürzen will, machte der Fota ein letztes Angebot in einem an jedes Team verschickten Brief.
Zwar lehnte der Brite eine wie von der Fota geforderte Fristverlängerung auf den 1. Juli ab. Dafür wiederholte der 69-Jährige sein bekanntes Stufenmodell, durch das die Budgets der Teams nicht schon wie ursprünglich geplant 2010, sondern erst 2011 auf 45 Millionen Euro begrenzt werden. Zudem stellte er in Aussicht, dass bei Verstößen gegen das Etatlimit keine sportlichen Sanktionen mehr ausgesprochen werden, sondern ein fester Strafenkatalog erstellt wird. Doch Mosley bleibt bei seiner Forderung an die Rennställe: Erst ohne Vorbehalt für 2010 einschreiben, dann wird geredet.
MillionenklagenEinigung oder Totalschaden - beide Parteien stehen mächtig unter Druck, noch eine Lösung zu finden. Denn das Produkt Formel 1 wäre ohne die Rebellenteams nicht mehr viel wert. Die Rennställe, die die Fia in der Hinterhand hat, sind unbekannt, deren Finanzierung ist ungewiss. Auch die großen Fahrernamen würden fehlen. Die derzeitigen Piloten hatten sich zuletzt in Istanbul solidarisch mit ihren Teams erklärt. Eine solche Ware zu verkaufen, würde möglicherweise auch Rennzirkus-Chef Bernie Ecclestone schwer fallen. Nicht umsonst droht er den Ausstiegswilligen mit Millionenklagen.
Auf der anderen Seite fehlt den Teams für eine Piratenserie die notwendige Infrastruktur mit Rennstrecken, TV-Sendern, Marketing. Zudem wären dort die Machtverhältnisse ungeklärt. Ferrari hat schon immer einen Sonderstatus in der Formel 1 eingefordert - und ihn auch bekommen.
Lauda wettertIn dem Streit gibt es schon jetzt nur Verlierer. Dabei haben alle Seiten dasselbe Ziel: Kostenreduzierung. Doch über den Weg sind sie sich uneins. Mittlerweile ist aus dem Konflikt ein Machtkampf geworden zwischen Mosley und Fota- und Ferrari-Chef Luca di Montezemolo - beide gelten als selbstherrlich und machtbewusst. «Die ganze Diskussion verursacht den größten Schaden, der jemals für die Formel 1 entstanden ist. Es ist jetzt ein persönlicher Kampf zweier Egozentriker», klagte daher der dreimalige Weltmeister Niki Lauda in der «Bild». (dpa)