10.06.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Konkurrenten: Verband Fia und Rennstall Ferrari
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Im Streit zwischen Fia und den Formel-1-Teams verfügen die Juristen des Automobilverbandes über brisantes Material, nutzen es aber nicht. Auf jeden Fall wird die Fota als illegales Kartell dargestellt.
Nachdem Max Mosley, Chef des Internationalen Automobilverbandes Fia, am Montag mit seinem Brief an die Teamvereinigung Fota indirekt die Kapitulation der Rennställe forderte, ließ die Antwort der betroffenen acht Teams nicht lange auf sich warten. Denn die Zeit wird langsam knapp. Am Freitag will die Fia die 13 Rennställe bekanntgeben, die 2010 in der Formel 1 ihre Runden drehen dürfen.
Derzeit prüfe die Fia noch die Details des Antwortschreibens, doch die ersten Reaktionen aus Paris schürten in dem seit fast drei Monate lang währenden Streit die Hoffnung einer Annäherung. «Nicht durchweg negativ» seien die Fota-Zeilen gewesen. Norbert Haug, Motorsportchef bei Mercedes, versicherte dann auch, dass «was die Fota-Teams vorgeschlagen haben, ist sehr vernünftig». Muss er ja auch. Denn McLaren-Mercedes ist einer der acht Rennställe in der Teamvereinigung. Weiterhin geht er immer noch davon aus, «dass eine ordentliche Lösung zu finden ist».
Schumacher kontert MosleyDiesen dennoch vagen Optimismus teilt auch Formel-1-Ikone Michael Schumacher. «Ich gehe davon aus, dass man einen Kompromiss und damit eine Lösung finden kann und muss», war auf seiner Homepage zu lesen. Dennoch geht auch der Rekordweltmeister auf Konfrontationskurs mit Max Mosley. Denn anders als der Fia-Chef, der Ferrari als «nicht unersetzlich» bezeichnete, ist der 40-Jährige der Meinung, dass «Ferrari und die Formel 1 nicht ohne einander existieren können».
Auch den Kernpunkt des Streits, die von der Fia geplante Budget-Obergrenze von 45 Millionen Euro, sieht Schumacher kritisch: «Man kann nicht von einem Extrem ins andere springen und von den Topteams erwarten, dass sie sich von heute auf morgen an Regeln halten sollen, die alles auf den Kopf stellen.» Schätzungen zufolge geben Ferrari oder McLaren-Mercedes angeblich etwa das sechs- bis siebenfache aus. Ein derart drastischer Kostenschnitt würde auch Arbeitsplätze kosten, warnten schon Experten. Deshalb können «Veränderungen nur ein Prozess sein», glaubt Schumacher.
Festes TeambündnisWie zu hören war, wollte die Fota am Mittwoch ihr weiteres Vorgehen beraten. Vielleicht auch, weil neuer Zündstoff die Konfliktparteien endgültig auseinander treiben könnte. Denn die Fia arbeitet auf Hochtouren gegen die Teamvereinigung. Wie
motorsport-total.com berichtete, haben die Hersteller innerhalb der Fota ein festes Bündnis geschlossen. Ferrari, Renault, Mercedes, BMW und Toyota haben sich vertraglich zu enger Zusammenarbeit verpflichtet. Sollte einer der fünf aussteigen, wird eine Strafzahlung von je 50 Millionen Euro an die anderen vier Hersteller fällig.
Die Anwälte der Fia sind nun der Ansicht, dass dieser Bund der Hersteller gegen das EU-Wettbewerbsrecht verstoße. Dieses geheime Kartell drohe nicht nur finanzielle Strafen an, sondern auch den Ausschluss aus der Fota und das Ende möglicher Zuliefererverträge, heißt es in einem Schriftstück der Fia. Weiterhin ist von möglicher Wettbewerbsverzerrung die Rede, wenn die Hersteller mit einem kollektiven Boykott oder einer gemeinsamen Kündigung von Verträgen drohten, wie es im Zuge der Einschreibung für 2010 nun geschehe. «Solche Praktiken werden als illegale Kartells in der Regel von den Wettbewerbshütern verurteilt. Von der Europäischen Kommission ebenso wie von der britischen Handelsaufsicht OFT und dem deutschen Bundeskartellamt», so die Einschätzung der FIA-Juristen.
Geldbußen und HaftstrafenMögliche Bestrafungen liefern die Juristen gleich mit. Neben hohen Geldbußen werden auch ähnliche Beispiele aufgeführt, in denen Haftstrafen ausgesprochen wurden. Es scheint, dass die Fia ernst macht. Oder ist es doch nur eine Drohung? Denn warum der Internationale Automobilverband dieses brisante Material noch nicht ins Feld geführt hat, könnte auch andere Gründe haben.
Denn die Fia ist in den letzten Jahren den Brüsseler Wettbewerbshüter selbst mehrfach negativ aufgefallen. Die forderten eine klare Trennung zwischen dem sportlichen und dem kommerziellen Bereich in der Formel 1. Doch die von Mosley geforderten Regeländerungen betreffen nicht nur auf den sportlichen und sicherheitsrelevanten Sektor, sondern gehen beispielsweise mit dem Budgetlimit und den Zwangsbetriebsferien der Teams ganz klar in den kommerziellen Bereich. Sollte Fia-Chef Max Mosley wirklich ein Interesse daran haben, schlafende Hunde zu wecken? Doch vielleicht nimmt er das sogar in Kauf, um als Sieger aus dem Streit mit den Formel-1-Teams hervorzugehen.
(nz/dpa/motorsport-total.com)