28.04.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Wieder vereint: Die "alten Kumpel" Heynckes (r.) und Hoeneß
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Alte Besen kehren auch gut, dachte sich Uli Hoeneß, und holte zwei «Fußballlehrer» an die Säbener Straße. Doch Altes macht auch Platz für Neues: Mehmet Scholl steht beim FC Bayern wieder hoch im Kurs.
Nach dem gescheiterten «Projekttrainer» Jürgen Klinsmann ist den Herren beim FC Bayern München nach einem «Fußballlehrer mit Erfahrung», wie Uli Hoeneß es ausdrückte. Zuerst hatten die Münchner wohl bei Ottmar Hitzfeld angefragt, doch der Schweizer Nationaltrainer lehnte ab. Nun soll also Jupp Heynckes «mit ruhiger Hand die Dinge in die richtigen Bahnen lenken».
Mit der Verpflichtung des 63-jährigen Vorruheständlers für die letzten fünf Saisonspiele bietet sich Bayern-Manager Uli Hoeneß gleichzeitig die Möglichkeit, seinen «schwersten Fehler» zu korrigieren. So bezeichnete er die vorzeitige Trennung von Jupp Heynckes im Jahr 1991 nach zwei Meistertiteln (1989 und 1990) und der Vizemeisterschaft 1991. Der reaktivierte Altmeister entschied sich nach kurzer Bedenkzeit und Rücksprache mit seiner Frau für das Kurzengagement.
Freundschaftsdienst«Ich mache das aus Freundschaft zu Uli Hoeneß», betonte Jupp Heynckes, «und für den FC Bayern, der mir das Sprungbrett in den internationalen Fußball gegeben hat.» Vier Vereine trainierte der frühere Stürmer im Ausland nach seiner Zeit beim FC Bayern: bei Athletic Bilbao arbeitete er von 1992 bis1994 und führte die Basken in den Uefa-Pokal. Gleiches gelang ihm von 1995 bis 1997 mit CD Teneriffa. 1997 scheiterte er mit den Inselfußballern erst im Halbfinale am späteren Sieger FC Schalke 04.
Damit empfahl er sich für höhere Aufgaben und wurde ihnen auch gerecht. Mit Real Madrid gewann er 1998 die Champions League im Finale gegen Juventus Turin. Doch der europäische Titel reichte den Königlichen nicht, und so musste Heynckes nach Platz vier in der Liga nach nur einem Jahr wieder gehen. Nach einem Jahr bei Benfica Lissabon und zwei weiteren Spielzeiten mit Bilbao kehrte er nach Deutschland zurück.
Hoeneßscher RufDoch den Erfolg, den er als Trainer im Ausland fand, blieb ihm beim FC Schalke 04 (Juli 2003 bis September 2004) und in Mönchengladbach (Juli 2006 Januar 2007) versagt. Seitdem lebte er zurückgezogen mit seiner Frau in Mönchengladbach, bis ihn nun der Hoeneßsche Ruf ereilte.
Dass Heynckes die letzten zweieinhalb Jahr «arbeitslos» und auf seinen letzten Trainerstationen erfolglos war, spielt für den FC Bayern keine Rolle. Er soll dem Rekordmeister in einer schwierigen Situation mit seiner Erfahrung dienen. Für die Arbeit mit den Profis auf dem Platz haben die Münchner einen aus den eigenen Reihen rekrutiert. Hermann Gerland, der als Trainer die U23 des Vereins im oberen Drittel der 3. Liga etabliert hat, soll den Spielern Beine machen. Einen dementsprechenden Ruf genießt der 55-Jährige. Und Gerland stellt auch gleich klar, was seine Aufgabe ist: das Training. «Ich habe keine Lust, jeden Tag mit 50 Presseleuten zu sprechen. Die können den Jupp fragen.»
Chance für SchollDurch Gerlands Aufstieg zu den Profis, bietet sich einem anderen verdienten Bajuwaren eine unverhoffte Chance. Bislang trainierte Mehmet Scholl das U13-Team des FC Bayern München. Nun kann er sich als Trainer der Amateure beweisen. «Mehmet hat sich in der Jugendarbeit erste Sporen verdient. Wir vertrauen ihm diese neue Aufgabe im Bewusstsein an, dass er diese junge Mannschaft begeistern und erfolgreich trainieren wird», so Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge.
Doch das Augenmerk der Vereinsführung liegt natürlich ganz klar auf dem Bundesligateam. Und dort soll nun Jupp Heynckes «vielleicht sogar noch das Unmögliche wahr machen und den Titel holen», hofft Hoeneß. Zumindest aber die Qualifikation für die Champions League erreichen finanziell ein absolutes Muss. Auch weil der FC Bayern auf dem Weg war, diese Ziele nicht zu erreichen, wurde Jürgen Klinsmann ja entlassen.
Gegen «seinenVerein»Doch schon im ersten Spiel am Sonnabend steht Heynckes vor einer sehr schweren Aufgabe. Denn wie er jetzt wieder erst betonte ist Borussia Mönchengladbach «sein Verein». Doch nun sei er ja Trainer beim FC Bayern und muss für die Münchner Punkte holen, auch gegen Gladbach. Elf Jahre spielte der Welt- und Europameister auf dem Bökelberg und wurde mit den Fohlen viermal deutscher Meister (1971, 1975, 1976, 1977), Pokalsieger (1973) und Uefa-Pokalsieger (1975).
Als Trainer bleib er Mönchengladbach acht Jahre treu. Der größte Erfolg in der Zeit von 1979 bis 1987 war das Erreichen des Endspiels um den Uefa-Pokal. Im Sommer 1987 ging er dann zum FC Bayern und holte zwei Meistertitel (1989, 1990). Dasselbe erhoffen sie sich in München im Jahr 2009 auch. Bei seiner ersten Pressekonferenz in München am Dienstag schlug Heynckes zunächst jedoch leisere Töne an. Über die Meisterschaft «wollen wir nicht nachdenken und sprechen», so der Taktik-Fuchs. Eines sei jedoch klar: «Ein Klub wie Bayern München muss nächstes Jahr in der Champions League spielen.» (nz)