09.03.2009
Herausgeber: netzeitung.de
Ausschreitungen am Rande der Davis-Cup-Begegnung zwischen Schweden und Israel in Malmö
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
«Solchem Hass bin ich noch nie begegnet», war Israels Tennisspieler Andy Ram bestürzt - die Davis-Cup-Partie in Schweden musste vor leeren Rängen ausgetragen werden. Gute Nachrichten kommen vom deutschen Team.
Für die schweren Ausschreitungen am Rande des Achtelfinals im Davis-Cup zwischen Gastgeber Schweden und Israel trifft den Malmöer Stadtrat eine Mitschuld. So sieht es zumindest Schwedens Schulminister Jan Björklund. Er warf dem Bürgermeister von Malmö, Ilmar Reepalu, vor, er habe mit «feindseligen Äußerungen sowohl links- wie rechtsextreme Kräfte gegen junge jüdische Tennisspieler aufgehetzt».
Am Sonnabend hatten 6000 Demonstranten unter dem Motto «Stoppa Matchen!» («Stoppt das Match!») friedlich gegen Israels militärisches Vorgehen gegen die palästinensische Zivilbevölkerung in Gaza demonstriert. Doch dann attackierte eine kleine Gruppe von maskierten Angehörigen der Autonomen-Szene aus der Demonstration heraus Polizisten mit Steinen, Knallkörpern und Leuchtraketen. Zur Verteidigung eines immer wieder mit Pflastersteinen angegriffenen Mannschaftsbusses zog ein Beamter seine Pistole.
Unvergleichlicher HassDer israelische Doppelspieler Andy Ram bezeichnete die Krawalle als «traurigen Moment für das Tennis, den Sport und für Israel». «In meiner ganzen sportlichen Karriere bin ich niemals einem solchen Hass und einer solchen Vermischung von Sport und Politik begegnet», schrieb Ram in einem Artikel für die auflagenstärkste israelische Zeitung «Jediot Achronot». «Diese Ereignisse haben meine Sicht von Schweden vollständig verändert, und ich habe Zweifel, ob ich jemals hierher zurückkehren will.»
Dass alle Spiele unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgetragen werden mussten, wurde zum Nachteil für den Gastgeber. Israel gewann am Ende überraschend mit 3:2 gegen den siebenmaligen Davis-Cup-Gewinner Schweden.
Blut auf dem PlatzIn Garmisch-Partenkirchen stand nur der Sport im Vordergrund. Die DTB-Auswahl empfing Österreich zum Achtelfinale im Davis-Cup. Dabei feierte Nicolas Kiefer eine tolle Rückkehr nach zweimonatiger Verletzungspause. «Ich habe mein Herz auf dem Platz gelassen, ich habe Blut auf dem Platz gelassen und hatte auch mit Schmerzen zu kämpfen. Aber das ist Davis Cup», freute sich der 31-Jährige.
Nachdem Kiefer zusammen mit Philipp Kohlschreiber am Sonnabend mit dem Doppelerfolg in fünf Sätzen die Basis zum Weiterkommen schuf, machte er mit einem klaren Dreisatzerfolg gegen Österreichs Nummer eins Jürgen Melzer das Weiterkommen perfekt. «Das ist überwältigend. Es gibt nichts Größeres, als den dritten Punkt im Davis Cup zu machen», war er nach Spielende sichtlich bewegt.
Nun wartet der TitelverteidigerDer deutsche Davis-Cup-Kapitän Patrik Kühnen zeigte sich dann auch «extrem erleichtert, dass wir diese schwierige Aufgabe bewältigt haben». Doch nun wartet mit Titelverteidiger Spanien eine fast unlösbare auf das DTB-Team. Gegen die Iberer gelang seit 15 Jahren kein Erfolg mehr. Erst vor einem Jahr gab es in Bremen gegen das Team um Rafael Nadal ebenfalls im Viertelfinale eine 1:4-Schlappe.
Das deutsche Team muss zur Revanche vom 10. bis 12. Juli nach Spanien reisen, darf dann aber zumindest auf einen müden Nadal hoffen. Eine Woche zuvor findet das Finale von Wimbledon statt, wo der Weltranglistenerste seinen Titel verteidigen muss. Daheim ist der Cupverteidiger jedoch seit zehn Jahren ungeschlagen. (nz/dpa)