07.12.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Trotz Turban kompromisslos im Zweikampf: Ballack (l.) gegen Steinsson
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Der FC Chelsea hat in der Premier League einen fast 50 Jahre alten Rekord gebrochen - Michael Ballack hatte großen Anteil daran. Dennoch blieb den «Blues» der Sprung an die Tabellenspitze verwehrt.
Michael Ballack spielte mit Turban und hielt tapfer durch, sein FC Chelsea blieb cool und knackte den 48 Jahre alten Auswärtsrekord in der Premier League. Mit dem 2:0 bei den Bolton Wanderers gewannen die «Blues» am Samstag das elfte Auswärtsspiel in Serie - eine bemerkenswerte Bestmarke in Englands höchster Fußballklasse. «Bei sich zu Hause wollen unsere Gegner gegen uns gewinnen, deshalb haben wir etwas mehr Raum, und es ist ein klein bisschen leichter für uns», erklärte der DFB-Kapitän den beeindruckenden Lauf seiner Elf im britischen Sender BBC. Nach einer Platzwunde an der rechten Schläfe musste er die zweite Halbzeit mit Kopfverband spielen und zeigte weiter aufsteigende Form.
Die Tabellenführung eroberten Ballack und Co. aber trotz des Rekordsieges nicht zurück, denn Rekordmeister FC Liverpool setzte sich mit 3:1 bei den Blackburn Rovers durch und verteidigte seine Ein-Punkt-Führung. Meister Manchester United, weiter Dritter, machte es dagegen spannend und kam erst in letzte Minute dank Nemanja Vidic zu einem 1:0-Sieg gegen den FC Sunderland. Auch der Vierte FC Arsenal musste sich nach Emanuel Adebayors frühem Treffer (16.) am Ende zum 1:0 über Wigan Athletic zittern.
Ballack mit TorvorlageIn Boltons Reebok-Stadion stellte Chelsea unterdessen nach der 1:2-Heimschlappe gegen Arsenal vor einer Woche schnell gewohnte Verhältnisse her. Nicolas Anelka mit seinem 13. Ligator (8. Minute) und der portugiesische Mittelfeldstar Deco (21.), der nach Ballacks Kopfballvorlage mit einem sehenswerten Fallrückzieher zum ersten Mal seit August traf, brachten Chelsea in Front. Chelsea blieb damit im Kalenderjahr 2008 weiter ohne Auswärtsniederlage und brach mit elf Siegen - acht davon diese Saison unter Trainer Luiz Felipe Scolari, mit 21 Treffern und nur einem Gegentor - den Rekord von Tottenham Hotspur.
Dass die «Spurs» in der Saison 1960/61 dann auch Meister wurden, dürfte für Chelsea ein Ansporn sein. «Wenn sich die Qualität eines Teams am Überwinden von Rückschlägen messen lässt, ist Scolaris Chelsea ein unverwüstlicher Haufen», urteilte die «Mail on Sunday» anerkennend.
Starkes LiverpoolFür die Tabellenspitze reicht es dennoch nicht, denn Liverpool gab sich keine Blöße. Xabi Alonso (69.), Yossi Benayoun (79.) und Kapitän Steven Gerrard (90.+4) trafen für die «Reds», der frühere Bayern-Profi Roque Santa Cruz (85.) war für Blackburn erfolgreich. Die Rovers gerieten mit der Niederlage noch tiefer in den Abstiegsstrudel, der Stuhl von Trainer Paul Ince wankt nach zehn Spielen ohne Sieg gewaltig.
«Liverpool scheint endlich seine Höhenangst zu verlieren», schrieb das Boulevardblatt «News of the World» zur beeindruckenden Verteidigung der Spitze. «Wir haben gezeigt, dass wir mit Druck umgehen können. Wir waren effizienter als zuvor, und das ist wichtig für das bevorstehende Weihnachtsprogramm», meinte «Reds»-Trainer Rafael Benitez.
ManU siegt spätManchester United brauchte die Nachspielzeit, um im heimischen Stadion «Old Trafford» den Widerstand des FC Sunderland zu brechen, der nach dem Rücktritt von Roy Keane am Donnerstag ohne Trainer ist. Vidic erlöste die Anhänger erst in der Nachspielzeit (90.+1). Wie Arsenal behielt Manchester damit die Tabellenspitze im Blick. «Wenn wir bis zum Jahreswechsel auf zwei, drei Punkte dran sind, haben wir eine wunderbare Chance zur Titelverteidigung», sagte United-Trainer Sir Alex Ferguson. (dpa)