Horror-Szenario 2009: 

netzeitung.deDie großen Doper kommen zurück

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Lance Armstrong: Was macht ihn bloß so skeptisch? (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Lance Armstrong: Was macht ihn bloß so skeptisch?
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Die Bemühungen im Antidoping-Kampf werden immer mehr verstärkt, doch der Radsport tritt auf der Stelle. Im nächsten Jahr werden überführte Dopingsünder wieder die Rennen bestimmen, angeführt von Lance Armstrong.

Während im deutschen Profi-Radsport langsam die Lichter ausgehen, erscheint die Zukunft der belasteten Branche anderenorts kaum gefährdet. Wenn der Weltverband UCI oder der neuerdings wieder mit der Dach-Organisation kooperierende Tour-Veranstalter Aso nicht einschreiten, muss der Radsport 2009 eine verstärkte Rückkehr prominenter Dopingsünder hinnehmen. Nach abgesessenen Sperren oder Abbruch des sportlichen Rentendaseins sind Lance Armstrong, Tyler Hamilton, Floyd Landis (alle USA), Ivan Basso (Italien) und Alexander Winokurow (Kasachstan) wieder startberechtigt, vielleicht sogar beim Saisonhöhepunkt im Juli.

Neue Inhalte in den Fahrerverträgen beim Milram-Team sollen die Gefahr positiver Dopingbefunde minimieren. Team-Manager Gerry van Gerwen kann künftig schon bei Verdachtsmomenten intervenieren. «Jeder Fahrer hat unterschrieben, dass ich in einem solchen Fall unseren Backup-Spezialisten Rasmus Damsgaard anrufen kann, um die Blutprofile zu testen. Sein Urteil wird dann bindend sein», erklärte van Gerwen am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur dpa. Der dänische Wissenschaftler Damsgaard, auch in Diensten des CSC-Teams von Bjarne Riis, gilt als anerkannter Antidoping-Spezialist. Dem Sterben vieler nationaler Rennen will Milram unter Umständen auch mit Finanzspritzen wie im Vorjahr bei «Rund um Köln» entgegen wirken.

Winokurow durch die Hintertür zurück
Alberto Contador hatte am Samstag erklärt, dass er seinen Vertrag bei Astana bis 2010 erfüllen und mit der angekündigten Rückkehr Winokurows keine Schwierigkeiten haben werde. Der ehemalige T-Mobile-Star war bei der Tour de France 2007 des Fremdblutdopings überführt und trotzdem von seinem Landesverband nur ein Jahr gesperrt worden. Die UCI verzichtete auf Intervention, weil «Wino» zurückgetreten war. Jetzt drängt er durch die Hintertür zurück. Tour-, Vuelta- und Giro-Sieger Contador leugnet weiter die Zusammenarbeit mit dem Doping-Arzt Eufemiano Fuentes und ist am Mittwoch im Palais des Congrès in Paris willkommener Gast bei der Tour-Präsentation 2009.

Durch den Vordereingang kommt der siebenfache Rekordsieger Armstrong zurück. Frankreichs Antidoping-Agentur verlangte von ihm für eine Tour-Rückkehr zwar, die nachträglich erbrachten Analyseergebnisse seines ersten Toursieges von 1999 anzuerkennen. Darin war Armstrong sechsmal positiv auf Epo getestet worden, was für den 2005 zurückgetretenen Texaner keinerlei Konsequenzen hatte. Aber die AFLD, die bei der vergangenen Tour zum ersten Mal die Kontrollen leitete und sieben Fahrer als «Täter» herausfischte - darunter Stefan Schumacher und Bernhard Kohl von Gerolsteiner - wird im nächsten Jahr wahrscheinlich nicht mehr zuständig sein.

Schlussverkauf bei Gerolsteiner
Hans-Michael Holczer übernahm die «politische Verantwortung» für die Dopingfälle in seinem Team, das seine Existenz in der Vorwoche beendete. «Ich war in keiner Weise an Manipulationen beteiligt, ich habe in mir kritisch erscheinenden Fällen immer gehandelt und das auch noch richtig. Doch die politische Verantwortung muss ich übernehmen. Ich habe mich aus allen Ämtern herausgezogen. Ich gebe mir ein halbes Jahr zur Neuorientierung», sagte der Teamchef in einem Interview der «Bild am Sonntag». Am kommenden Samstag startet Holczer in Gültstein einen besonderen Sommerschlussverkauf, in dem «von der letzten Schraube bis zum Müsli-Riegel» alles veräußert wird.

Die UCI war immer auf der Seite des PR-Magneten Armstrong und kam ihm jetzt auch beim Saisoneinstieg im Januar bei der Tour Down Under in Australien entgegen. Eigentlich fehlte eine Woche an der Frist der Reintegration in die Antidoping-Prozeduren, die laut UCI-Reglement sechs Monate vor dem geplanten Comeback beginnen müssen. Armstrong könnte 2009 auch wieder auf den überführten Toursieger Floyd Landis treffen. Mit Hamilton, der sein Athener Olympiagold nur behalten konnte, weil seine Manipulationen aufweisenden Blutproben falsch gelagert waren, drängt ein weiterer ehemaliger Armstrong-Teamkollege ins große Renngeschehen zurück.

Ivan Basso wieder startberechtigt
Armstrongs ehemaliger Tour-Kronprinz Basso tritt vom 26. Oktober an in Japan nach abgelaufener Sperre wieder in die Pedale. Anders als Ullrich, der trotz drückender Indizien immer noch nichts zugab, hatte der Italiener gestanden, mit Fuentes in Kontakt gestanden zu haben - ausdrücklich nur wegen der Absicht zu dopen. Sein neues Liquigas-Team will mit internen Kontrollen Kosmetik am eigenen Erscheinungsbild betreiben, um Basso vielleicht so den Weg zur Tour zu ebnen. (dpa)