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Nach Silber in Peking: 

EM-Gold für deutsches Tischtennis-Team

08. Okt 2008 09:34
Gold in St. Petersburg: Das deutsche Tischtennis-Team
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Im Finale des Turniers im russischen St. Petersburg gelang Timo Boll & Co. die Revanche gegen Weißrussland. Selbst eine Niederlage des herausragenden Einzelkönners konnten sich die Gewinner der Silbermedaille von Peking leisten.

Das deutsche Tischtennis-Team hat sich zum zweiten Mal den Titel des Europameisters gesichert. Angeführt von Timo Boll hat die Mannschaft damit ihre Position als Weltmacht Nummer zwei eindrucksvoll bestätigt. Der Jubel über das EM-Gold im russischen St. Petersburg ähnelte am Dienstagabend der Begeisterung über Olympia-Silber in Peking im August.

Als der Weltranglisten-14. Dimitrij Ovtcharov seinen vierten Matchball zum 3:2 über Weißrussland verwandelte, wurde er von seinen Teamkollegen Timo Boll, Bastian Steger, Christian Süß und Patrick Baum in der Box fast erdrückt.

Der Star ist die Mannschaft

«Ich freue mich besonders für meine Kollegen. Sie haben sich so stark verbessert, dass ich auch mal verlieren kann», kommentierte Ausnahmespieler Boll den Erfolg eines homogen Teams über einen Einzelkönner. «Keiner von uns hat bei der EM richtig geglänzt, aber wir haben uns den Titel regelrecht erkämpft», meinte der 27-jährige Linkshänder. Ihm war die Müdigkeit nach einer langen Saison deutlich anzumerken: «Vielleicht kann ich mich für das Einzel noch einmal aufrappeln.»

«Es gab zwei Möglichkeiten, die Weißrussen zu schlagen. Entweder es gelingt ein Break gegen den überragenden Wladimir Samsonow, oder jeder gewinnt ein Einzel. Das ist besonders schön», sagte Bundestrainer Richard Prause. Seine Taktik ging voll auf. Wie am Vortag beim 3:2-Krimi gegen Österreich punktete jeder Akteur einmal, während Weißrusslands Star Samsonow mit zwei Punkten allein auf weiter Flur stand. Das DTTB-Team wiederholte den Finalsieg von 2007 in Zagreb und sicherte dem Verband den 19. EM-Titel in der 50- jährigen Turniergeschichte.

Roßkopfs Hinweis

«Das war die beste Empfehlung für die EM 2009 in Stuttgart», sagte DTTB-Präsident Thomas Weikert zu der Revanche für die 1:3-Niederlage gegen die Weißrussen im EM-Finale 2003. Damals hatte der neue Assistenztrainer Jörg Roßkopf unerwartet sein Einzel gegen den Abwehrspezialisten Jewgeni Tschtschetinine verloren. «Ich hatte mit zu viel Power gespielt. Darauf habe ich unsere Jungs hingewiesen. Das war wichtig», freute sich der Rekordnationalspieler über seine Gold- Premiere auf der Trainerbank.

Alles lief nach Plan. Der Weltranglisten-Siebte Boll (Düsseldorf) deklassierte Vitali Nechwedowitsch mit 3:0. Weißrusslands Weltranglisten-Fünfter Wladimir Samsonow glich mit einem Drei-Satz-Sieg gegen den Düsseldorfer Ovtcharov zum 1:1 aus. Im Schlüsselspiel an Position drei rechtfertige Bastian Steger (Frickenhausen) erneut seine Aufstellung. Der Olympia-Ersatzmann hielt Tschtschetinine sicher mit 3:0 in Schach. «Nur der erste Satz war eng», sagte der überglückliche Steger.

Erneute Schlappe für die Damen

Anschließend kassierte Linkshänder Boll im Duell der Spitzenspieler gegen den überragenden EM-Zweiten Samsonow seine zweite Turnier-Niederlage. Sie fiel mit 8:11, 8:11, 6:11 deutlich aus. Im letzten Einzel machte Ovtcharov gegen den 141 Plätze schlechter eingestuften Nechwedowitsch den Sack zu. «Wahnsinn, mein Gegner hat anfangs alles getroffen», sagte der 20-Jährige, der mit «Dima, Dima»-Rufen von den deutschen Fans unter den 1000 Zuschauern immer wider angefeuert wurde.

Die DTTB-Damen um Spitzenspielerin Jiaduo Wu (Kroppach) landeten durch eine 1:3-Niederlage gegen Polen nach Bronze im Vorjahr auf einem enttäuschenden zehnten Platz. Zuletzt gab es das 1984. «Wir haben zum dritten Mal nach WM und Olympia eins auf den Deckel gekriegt. Unsere Ansprüche sind anders», haderte Damen-Bundestrainer Jörg Bitzigeio. Er ist nach der neuerlichen Enttäuschung unter Druck geraten. «Meine Motivation ist weiterhin groß. Ob ich der richtige Mann bin, müssen andere entscheiden», sagte der 31 Jahre alte Coach.

Im Damen-Endspiel bezwang die «Legionärsauswahl» der Niederlande den Titelverteidiger und Rekordchampion Ungarn glatt mit 3:0. Die Niederländerinnen traten mit den beiden gebürtigen Chinesinnen Li Jie und Li Jiao sowie mit der gebürtigen Russin Elena Timina an. Bronze ging an Rumänien und Kroatien. (dpa/nz)

 
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