06.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Linus Gerdemann nach dem Zeitfahren in Bremen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Linus Gerdemann kann sich für die verpasste Olympia-Teilnahme mit dem größten Erfolg seiner Karriere trösten. Beim abschließenden Zeitfahren der Deutschland-Tour behielt der Columbia-Profi auf regennasser Fahrbahn die Nerven.
Linus Gerdemann hat sich den Gesamtsieg bei der Deutschland-Tour nicht mehr nehmen lassen. Beim abschließenden Zeitfahren in Bremen reichte dem Münsteraner vom Columbia-Rennstall der vierte Platz, um die Nachfolge von Vorjahressieger Jens Voigt anzutreten. Gerdemann sicherte sich mit einem Vorsprung von 52 Sekunden auf seinen schwedischen Team-Kollegen Thomas Lövkvist den größten Erfolg seiner Karriere. Gesamtdritter der zehnten D-Tour seit Wiederauflage 1999 wurde nach insgesamt 1408,6 Kilometern am Samstag der slowenische Radprofi Janez Brajkovic.
Den 34 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr entschied zum Abschluss Gerdemanns Team-Kollege Tony Martin in 39:50 Minuten vor dem Wittenberger Bert Grabsch (Columbia) für sich. «Das ist unglaublich. Das ist mein größter Erfolg», sagte Martin. Der Coup des Cottbusers war bereits der vierte Streich des Columbia-Teams, das die Deutschland-Tour dominierte wie fast noch keine Equipe zuvor. Im Ziel angekommen ballte Gerdemann die Fäuste und verlieh seiner Freude erstmal mit einem langen «Ja»-Schrei Ausdruck, bevor der Interview-Marathon begann.
Er war um 17:46 Uhr als letzter der 122 verbliebenen Fahrer direkt hinter Lövkvist ins Rennen gegangen und konnte sich so die Zeiten seiner Konkurrenten durchfunken lassen. Da es in der Hansestadt aber immer wieder regnete, waren die Abstände auf der 8. und letzten Etappe schwer einzuordnen. Bereits bei der ersten Zwischenzeit zeigte sich dann, dass Gerdemann der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen sein wird, da der 25-Jährige den Vorsprung auf seinen schärfsten Konkurrenten um 16 Sekunden ausgebaut hatte. Pech hatte Lövkvist, der kurz vor Schluss auf rutschiger Straße zu Fall kam und dadurch noch einmal kurz um seinen dritten Platz bangen musste.
Mit dem Gesamtsieg gelang Gerdemann gegen Ende einer für ihn lange unglücklichen Saison der ersehnte Coup. Der Wahl-Schweizer aus Kreuzlingen war Ende März bei der Fernfahrt Tirreno-Adriatico schwer gestürzt und hatte sich einen Beinbruch und einen Kreuzbandanriss zugezogen. Daher verpasste der Münsteraner, der bei der Tour de France 2007 nach seinem Etappensieg einen Tag das Gelbe Trikot getragen hatte, die diesjährige Tour sowie die Olympischen Spiele.
Frühe Richtzeit von GrabschColumbia-Zeitfahrspezialist Bert Grabsch hatte früh die erste Richtzeit bei beginnendem Regen vorgegeben. Der 33 Jahre alte Wittenberger, der im vorläufigen Aufgebot des Bundes Deutscher Radfahrer für die WM Ende September im italienischen Varese steht, benötigte bei einem Stundenmittel von 50,5 km/h 40:24 Minuten für den Rundkurs. «Ich bin zufrieden und habe die letzten Tage hart für Linus gearbeitet», sagte Grabsch. Erst sein Team-Kollege Martin konnte ihn knapp eine Stunde später an der Spitze des Tableaus ablösen. Der 23-Jährige aus Cottbus, der bereits beim Prolog in Kitzbühel seine Zeitfahrqualitäten angedeutet hatte, war 34 Sekunden schneller und sicherte sich damit seinen ersten Etappensieg.
Der zweifache Champion Jens Voigt spielte im Kampf um den Tagessieg keine Rolle. Der 36 Jahre alte Berliner hatte bereits am Vortag angekündigt, sich etwas für die Hamburg Cyclassics am Sonntag schonen zu wollen. Columbia-Sprinter Gerald Ciolek trat aus diesem Grund zur Schlussetappe der D-Tour gar nicht erst an. Pech hatte der Ungar Laszlo Bodrogi, der auf regennasser Fahrbahn nach etwa 29 Kilometern stürzte und mit Verdacht auf einen gebrochenen Unterschenkel ins Krankenhaus gebracht wurde. (Benjamin Haller, dpa)