06. Sep 2008 19:06
Linus Gerdemann kann sich für die verpasste Olympia-Teilnahme mit dem größten Erfolg seiner Karriere trösten. Beim abschließenden Zeitfahren der Deutschland-Tour behielt der Columbia-Profi auf regennasser Fahrbahn die Nerven.
Den 34 Kilometer langen Kampf gegen die Uhr entschied zum Abschluss Gerdemanns Team-Kollege Tony Martin in 39:50 Minuten vor dem Wittenberger Bert Grabsch (Columbia) für sich. «Das ist unglaublich. Das ist mein größter Erfolg», sagte Martin. Der Coup des Cottbusers war bereits der vierte Streich des Columbia-Teams, das die Deutschland-Tour dominierte wie fast noch keine Equipe zuvor. Im Ziel angekommen ballte Gerdemann die Fäuste und verlieh seiner Freude erstmal mit einem langen «Ja»-Schrei Ausdruck, bevor der Interview-Marathon begann. Er war um 17:46 Uhr als letzter der 122 verbliebenen Fahrer direkt hinter Lövkvist ins Rennen gegangen und konnte sich so die Zeiten seiner Konkurrenten durchfunken lassen. Da es in der Hansestadt aber immer wieder regnete, waren die Abstände auf der 8. und letzten Etappe schwer einzuordnen. Bereits bei der ersten Zwischenzeit zeigte sich dann, dass Gerdemann der Gesamtsieg nicht mehr zu nehmen sein wird, da der 25-Jährige den Vorsprung auf seinen schärfsten Konkurrenten um 16 Sekunden ausgebaut hatte. Pech hatte Lövkvist, der kurz vor Schluss auf rutschiger Straße zu Fall kam und dadurch noch einmal kurz um seinen dritten Platz bangen musste.
Mit dem Gesamtsieg gelang Gerdemann gegen Ende einer für ihn lange unglücklichen Saison der ersehnte Coup. Der Wahl-Schweizer aus Kreuzlingen war Ende März bei der Fernfahrt Tirreno-Adriatico schwer gestürzt und hatte sich einen Beinbruch und einen Kreuzbandanriss zugezogen. Daher verpasste der Münsteraner, der bei der Tour de France 2007 nach seinem Etappensieg einen Tag das Gelbe Trikot getragen hatte, die diesjährige Tour sowie die Olympischen Spiele.