Golden-League-Meeting in Zürich: 

netzeitung.deUsain Bolt - der schnellste Kranke der Welt

 Herausgeber: netzeitung.de

Der schnellste Mann der Welt: Usain Bolt (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Der schnellste Mann der Welt: Usain Bolt
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Im fünftschnellsten Sprint der Leichtathletik-Historie triumphiert ein kränkelnder Bolt. In Zürich verdient der Wundersprinter 25.000 Schweizer Franken pro gelaufener Sekunde. Kenesia Bekele läuft über 5000 Meter Weltjahresbestzeit.

Sprint-Superman Usain Bolt kränkelte, aber er schwächelte nicht. Trotz Erkältung und Gegenwind machte der 22-jährige Jamaikaner beim Golden-League-Meeting in Zürich über 100 Meter in 9,83 Sekunden einen der schnellsten «Spaziergänge» der Welt.

«Wenn man ein Großer geworden ist, hat man auch eine Verantwortung», sagte der dreimalige Olympiasieger Bolt und entschuldigte sich: «Ich musste mich auf den Sieg konzentrieren, weil ich eine Erkältung kommen spürte. Und es war doch eine gute Zeit.» Immerhin war es der fünftschnellste Sprint der Leichtathletik-Historie.

Fantasien von einer Fabelzeit
Fantasien von einer neuen Fabelzeit, die nach den 9,69 Sekunden im Olympia-Finale von Peking blühten, konnte der etwas matte «Lightning-Bolt» am Freitagabend nicht befriedigen. Schließlich hatte sein Trainer Glen Mills vor dem teuersten Rennen in der «Weltklasse in Zürich»-Geschichte mit seiner Prognose, sein rasender Schützling könne irgendwann 9,52 Sekunden laufen, die Erwartungen noch geschürt.

«Klar wäre ich nach meinen Erfolgen in Peking lieber nach Hause gefahren», bekannte der etwas abgekämpfte Bolt, der die schlechteste Reaktionszeit (0,193 Sekunden) hatte, «doch Leichtathletik ist mein Job.»

Fürstliche Entlohnung für Bolt
In Lausanne wird er am Dienstag weiter Dienst über 200 Meter tun und am Freitag beim Golden-League-Finale in Brüssel noch einmal auf seine ärgsten Widersacher, Asafa Powell (Jamaika) und Tyson Gay (USA), treffen. Entlohnt wird «Sprint-König» Bolt dafür fürstlich: 25.000 Schweizer Franken verdient er bis dahin pro gelaufener Sekunde, errechnete die Schweizer Zeitung «Blick».

Viel Geld, aber auch ein großes Ziel vor Augen hat die kenianische «Überläuferin» Pamela Jelino, die mit 1:54,01 Minuten über 800 Meter die beste Zeit seit 25 Jahren gelaufen ist. Damit näherte sich die 18 Jahre alte Olympiasiegerin im Letzigrund dem zu Doping-Hochzeiten erzielten Fabelweltrekord von Jarmila Kratochvilova bis auf 73/100 Sekunden.

Ältester Leichtathletik-Weltrekord
Die von der Tschechin am 26. Juli 1983 in München aufgestellte Bestmarke (1:53:28) ist der älteste Leichtathletik-Weltrekord. «Er liegt jetzt in Reichweite, aber ich weiß nicht, ob ich ihn in diesem Jahr noch schaffe», sagte Pamela Jelimo. Für Maria Mutola (Mosambik), die die Zwei-Runden-Distanz viele Jahre beherrschte und das letzte Rennen ihrer Karriere lief, steht fest: «Pamela gehört die Zukunft.»

Die junge Kenianerin kann nach ihrem fünften Golden-League-Disziplinsieg ebenso wie Hochspringerin Blanka Vlasic (Kroatien) in Brüssel nun den mit einer Millionen Dollar (rund 680.000 Euro) gefüllten Jackpot knacken. Vlasic schaffte die 2,01 Meter nur mit größter Kraftanstrengung: «Ideal war es nicht, alle waren müde.» Dies galt auch für Tia Hellebaut (Belgien/1,90), die wie die drei weiteren Olympiasieger Dawn Harper (100 Meter Hürden), LaShawn Meritt (400 Meter/beide USA) und Rashid Ramzi (1500 Meter/Bahrain) die «Revanche in Zürich» verloren - sieben Peking-Gewinner setzten sich durch.

Bekele mit Weltjahresbestzeit
Nicht den Hauch von Müdigkeit zeigte Doppel-Olympiasieger Kenenisa Bekele. Der Äthiopier hatte über 5000 Meter so viel Energie in den Beinen, um eine Weltjahresbestzeit (12:50,18 Minuten) aufzustellen.

Im Gegensatz dazu konnte sich Russlands Jelena Issinbajewa nicht mehr zu einem Rekordflug aufschwingen: Elf Tage nach ihrem Olympiasieg mit dem 24. Weltrekord (5,05 Meter) gewann sie den Stabhochsprung mit nur 4,88 Metern. «Ich bin extrem müde und innerlich leer», sagte sie. Nicht lange mithalten konnten in der Konkurrenz die Leverkusenerin Silke Spiegelburg (7. Platz/4,55 Meter) und Carolin Hingst aus Mainz (8./4,45).

Lichtblick: Weitspringer Sebastian Bayer
Von den wenigen deutschen Startern konnte nur Weitspringer Sebastian Bayer überzeugen. Er sprang 7,97 Meter - 20 Zentimeter weiter als bei seinem Qualifikations-Aus von Peking - und wurde Dritter. «Ärgerlich, dass drei Zentimeter an den acht Metern gefehlt haben», meinte Bayer, der sich aber über 9000 Dollar Prämie freuen konnte. (nz/dpa)