Tour de France - 16. Etappe:
Franzose gewinnt schwere Bergetappe
22. Jul 2008 18:04
 |  Hat gut lachen: Cyril Dessel beschert den Franzosen mal wieder einen Tagessieg | Foto: AP |
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Auf der 16. Etappe von Cuneo nach Jausiers fuhr Stefan Schumacher fast die Hälfte der 157 Kilometer allein bergauf. Sein Kraftakt wurde nicht belohnt, Cyril Dessel sicherte sich den Tagessieg.
Einen Tag vor der Königsetappe nach L'Alpe d'Huez hat Frank Schleck seine Spitzenposition auf der vorletzten Hochgebirgsetappe der Tour de France mühelos verteidigt. Der 28-jährige Luxemburger geht an diesem Mittwoch weiter mit sieben Sekunden Vorsprung auf den Gerolsteiner-Profi Bernhard Kohl auf die vorentscheidende Etappe in die 1850 Meter hohe Skistation, in der Tour-Geschichte geschrieben wurde. Im Ziel der 16. Etappe in Jausiers taten sich die Favoriten am Dienstag nicht weh und verteidigten - bis auf den Amerikaner Christian Vandevelde - ihr Terrain im Gesamtklassement. Den Tagessieg nach 157 Kilometern sicherte sich der Franzose Cyril Dessel, der vor seinem Landsmann Sandy Casar und dem Spanier José Arroyo den Spurt einer vierköpfigen Spitzengruppe in der Abfahrt vom Col de la Bonnette gewann.
Schumacher noch abgefangen
Stefan Schumacher, der im ersten Drittel der Strecke attackiert hatte und über 70 Kilometer als Solist unterwegs war, fuhr auf Rang acht. Kurz vor dem letzten Gipfel musste er etwas abreißen lassen, konnte den Schnellsten an der Spitze nicht mehr folgen und verlor auf Dessel noch 1:03 Minuten. Auf der gefährlichen Abfahrt vom 2802 Meter hohen Bonnette, dem «Dach» der diesjährigen Tour, stürzte der Südafrikaner John-Lee Augustyn 20 bis 30 Meter tief einen Abhang hinab. Er konnte seine Fahrt aber fortsetzen, nachdem er auf der Geröllpiste zur Rennstrecke auf allen Vieren hochgekraxelt war, und ein Ersatzrad erhielt.
«Ich hätte auf die Verfolger warten müssen, dann hätte es am Ende bei mir mit der Kraft wahrscheinlich besser ausgesehen», sagte Schumacher. «Heute war ich bergauf schon am Limit, aber dennoch hat es super geklappt», meinte Kohl, der zufrieden war, dass der Amerikaner Vandevelde und der Russe Denis Mentschow Zeit verloren.
Bis zu 12 Minuten Vorsprung
Die Hälfte der Etappe gehörte Schumacher. Der WM-Dritte aus Nürtingen, der das Zeitfahren in Cholet gewonnen hatte und zu Tour-Beginn zwei Tage in Gelb gefahren war, hatte sich einen Tag nach seinem 27. Geburtstag beim Aufstieg zum Col de la Lombarde aus einer Spitzengruppe gelöst. Auf dem Gipfel (85 Kilometer vor dem Ziel) hatte er einen Vorsprung von 9:14 Minuten auf das Feld mit dem Träger des Gelben Trikots und Kohl herausgefahren. In der Abfahrt riskierte Schumacher viel und baute seinen Vorsprung auf zwölf Minuten aus.
Der Traum vom Tagessieg war aber erwartungsgemäß auf den letzten Kilometern des Anstiegs auf den höchsten aller Tour-Berge, den Col de la Bonnette, ausgeträumt. Die neun schnellsten Fahrer einer ursprünglich 28 Verfolger starken Gruppe holten ihn drei Kilometer vor dem Gipfel ein. Sie nahmen die 23,5 Kilometer lange Abfahrt ins 600 Meter tiefer liegende Etappenziel Jausiers in Angriff und machten den Tagessieger unter sich aus. Dahinter hatten sich die Favoriten - allerdings ohne den bisher Fünftplatzierten Vandevelde - formiert. Den Gipfel passierten sie mit 2:11 Minuten Rückstand auf Schumacher und Co. und hatten mit der Entscheidung an diesem Tag nichts mehr zu tun.
Armstrong kennt Kohl nicht
Kohl hat mit seinem anhaltenden, unerwarteten Höhenflug auch Rekordsieger Lance Armstrong verblüfft. «Um ehrlich zu sein, bin ich von Kohl überrascht worden. Ich hatte vor dem Rennen von diesem Kerl einfach noch nie etwas gehört. Wer ist er?», fragte Armstrong beim Internetportal «cyclingnews». Der Amerikaner hat zwischen 1999 und 2005 die Frankreichrundfahrt siebenmal in Serie gewonnen. In diesem Jahr verfolgt er die Tour von Chicago aus als TV-Zuschauer. Trotz der starken Vorstellungen des Österreichers bleibt für Armstrong Cadel Evans erster Anwärter auf den Gesamtsieg. «Er ist meiner Meinung nach immer noch der Favorit», sagte der langjährige Rivale von Jan Ullrich. (dpa)