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Tour-Abstecher nach Italien: 

Schleck nutzt Schwächephase von Evans

20. Jul 2008 18:14, ergänzt 18:23
Tagessieger Simon Gerrans
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Auf dem ersten Alpen-Teilstück der Frankreich-Rundfahrt hat der Luxemburger Frank Schleck das Gelbe Trikot des Gesamtführenden übernommen. Beim Tour-Abstecher nach Italien erwischte ein Kletter-Spezialist aus Österreich einen glänzenden Tag.

Beim Tour-Abstecher nach Italien hat sich der Luxemburger Frank Schleck erstmals das Gelbe Trikot bei der 95. Frankreich-Rundfahrt übergestreift. Am großen Tag des Gerolsteiner- Profis Bernhard Kohl, der bester Kletterer der Favoriten war, reichte dem Radprofi vom CSC-Saxo-Team am Sonntag auf der Alpenetappe über 183 Kilometer der neunte Platz, um den schwächelnden Australier Cadel Evans um acht Sekunden vom Spitzenplatz zu verdrängen. Schlecks härtester Verfolger ist vor dem Ruhetag in Cuneo der Österreicher Kohl mit sieben Sekunden Rückstand.

Eine Solidaritätsaktion des Pelotons nach einem Horror-Sturz des 2006er-Tour-Siegers Oscar Pereiro hatte einer Ausreißergruppe die Chance zum Sieg beschert, die der Australier Simon Gerrans auf der 1440 Meter hohen Skistation Prato Nevoso vor dem Spanier Egoi Martinez und Danny Pate (USA) nutzte.

Zu Beginn der «Tour der Schmerzen», wie Erik Zabel die anstehenden Alpenprüfungen nannte, demonstrierte Kohl im Ausscheidungsrennen der Kapitäne seine Klasse. Am 11,4 Kilometer langen und 6,9 Prozent steilen Schlussanstieg trat er in die Fußstapfen des wegen Dopings ausgeschlossenen «Bergkönigs» Riccardo Ricco. In der hektischen Endphase überschlugen sich auf regennasser Fahrbahn die Ereignisse: Der attackierende Russe Denis Mentschow stürzte, doch die anderen acht verbliebenen Topfahrer ließen ihn sofort wieder Anschluss finden. Dann griff Kohl an und kam auf der 15. Etappe entscheidend weg. Der 26-Jährige übernahm nach seiner Berg-Gala von seinem Gerolsteiner-Kollegen Sebastian Lang das Bergtrikot.

Am ersten Anstieg des Tages waren alle Spitzenfahrer noch zusammen. Rund zwölf Minuten hinter den vier Ausreißern erreichte das Peloton den 2744 Meter hohen Col Agnel, Kohl kam als Sechster auf dem Gipfel an und sammelte Punkte für das gepunktete Trikot. Einen schlimmen Crash auf der Abfahrt musste Pereiro überstehen. Der Spanier krachte in die Leitplanke, flog meterweit durch die Luft auf die darunterliegende Straße und wurde mit einem Schulterbruch ins Krankenhaus gebracht. Da das Feld aus Respekt vor Pereiro die Fahrt verlangsamte und es wenig später zu einem weiteren Sturz kam, vergrößerte sich der Vorsprung der «Flüchtlinge» auf mehr als 17 Minuten, der im Ziel nach 4:50:44 Stunden und enormer Tempoarbeit von Frank Schlecks überragendem CSC-Team noch wenige Minuten betrug.

Ausreißer-Quartett

Schon kurz nach dem Start im französischen Embrun hatte sich das in der Gesamtwertung bedeutungslose Quartett bestehend aus den Spaniern Egoi Martinez, Jose Luis Arrieta, dem Australier Gerrans und Pate abgesetzt. Wie sich nach dem Pereiro-Sturz zeigen sollte, eine lohnenswerte Entscheidung.

Der neue Sprint-Superstar Mark Cavendish, der vier Etappen gewonnen hatte, wollte sich die Strapazen in den Alpen nicht antun und stieg aus. «Er ist fast noch ein Kind, und jetzt einfach etwas zu müde», begründete Columbia-Temchef Bob Stapleton die Entscheidung. Nach dem Ruhetag in Cuneo stehen zwei extrem schwere Bergetappen auf dem Programm. Spätestens der Klassiker L'Alpe-d'Huez sollte am Mittwoch eine Vorentscheidung im Kampf ums Gelbe Trikot bringen. (Benjamin Haller und Andreas Zellmer, dpa)
 
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