Die 95. Tour de France hat ihren dritten Doping-Fall - Riccardo Ricco hat mit Epo gedopt. Nach seinem furiosen Bergritt auf der neunten Etappe kommt diese Nachricht nicht unerwartet. Mit Audio
Ricaro Ricco wurde der Gebrauch unerlaubter Substanzen nachgewiesen, meldet die französische Antidoping-Agentur AFLD. Die Probe wurde nach der vierten Etappe, dem Zeitfahren in Cholet, genommen.
Der 24-Jährige vom spanischen Team Saunier-Duval sei nach der vierten Etappe, dem Zeitfahren in Cholet, des Dopings mit dem Präparat Cera überführt worden. Cera ist ein Dopingmittel der dritten Epo-Generation. Der diesjährige Giro-Zweite hat in diesem Jahr schon zwei Etappen bei der Tour gewonnen. Vor der zwölften Etappe war der Italiener Erster der Bergwertung und Neunter im Gesamt-Klassement. Vor Ricco waren bereits die Spanier Manuel Beltran und Moises Dueñas Nevado positiv getestet worden.
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Jagdszenen mit der Polizei
Saunier Duval trat am Donnerstag zur 12. Etappe in Lavenalet nicht mehr an. «Wir stellen unsere sportlichen Aktivitäten im Moment ein. Er ist kein x-beliebiger Fahrer, wir haben das Team um ihn herum aufgebaut und unser Image», erklärte Teamchef Pietro Algeri den Tränen nahe.
Vorher hatten sich regelrechte Jagdszenen in Lavelanet abgespielt. Bergtrikot-Träger Ricco wollte am Startort im Wagen seines Teams flüchten, die Polizei verfolgte ihn und nahm ihn in Gewahrsam.
«Wir werden noch keine drakonischen Maßnahmen gegen die Teams einleiten, solange wir nicht mehr wissen», hatte vor dem selbst gewählten Tour-Aus der spanischen Mannschaft Aso-Direktor Patrice Clerc erklärt. «Für uns ist das ein weiterer von isolierten Fällen.» Ricco war bereits zu Tour-Beginn in Verdacht geraten, nachdem sein Name auf einer Liste von fünf Fahrern erschienen sein soll, die nach Kontrollen der AFLD «Auffälligkeiten» aufgewiesen hätten, wie die «L'Équipe» berichtete. Der diesjährige Zweite des Giro d'Italia hatte seinen Hämatokritwert außerhalb der Norm mit natürlichen Ursachen erklärt.
«Die Tour geht weiter»
Trotz der neuesten dramatischen Ereignisse sah Hans-Michael Holczer, der Manager des Teams Gerolsteiner, am Donnerstag keine Gefahr für die Fortsetzung der Tour de France, die 2006 und 2007 ähnliche Doping-Erdbeben erlebt hatte. «Die Tour geht weiter, sie steht hinter den Kontrollen und hat sie initiiert. Uns stehen wahrscheinlich noch weitere Unbelehrbare ins Haus. Interessant wird, aus welchen Teams sie kommen könnten», sagte der Mathematiklehrer der Deutschen Presse-Agentur dpa.
20 oder 30 Prozent der Fahrer
Der Doping-Experte Rasmus Damsgaard hatte vor Bekanntwerden des neuesten Falles ein düsteres Bild von der Tour gemalt. Der Däne, der die internen Anti-Doping-Programme in Jens Voigts CSC-Saxo-Team und bei der US-Equipe Garmin leitet, kritisierte den Tour-Veranstalter Aso und die AFLD, die die Tests beim Juli-Spektakel vornimmt. «Ich befürchte, sie würden 20 oder 30 Prozent der Fahrer mit Epo überführen, wenn sie jetzt das komplette Feld testen würden. Die zwei Fälle Beltran und Dueñas zeigen, dass ihre Dopingkontrollen nicht funktionieren, solange sie sich mit Stichproben begnügen», hatte Damsgaard einem dänischen Internetportal erklärt. Voigt nannte den Vorwurf «eine gewagte Aussage».
Im Teilnehmer-Feld wurde mit Unverständnis auf die neuesten Skandal-Nachrichten reagiert. «Das tut uns allen so weh. Man steht fassungslos davor», meinte Voigt. Der sportliche Leiter des T-Mobile-Nachfolgers Columbia, Rolf Aldag, sagte: «Das ist ein Reisenschlag für die Tour und denn Radsport.»
Über die Art der in Dueñas Gepäck sichergestellten Präparate wollte dessen Teamleitung von Barloworld weiter nichts mitteilen. Team-Chef Claudio Corti beteuerte noch einmal, dass es sich um einen «Einzelfall» handelte, und das auch Dueñas Zimmer-Kollegen Felix Cardenas und Paolo Longo Borghini, inzwischen nach Stürzen ausgestiegen, auf Befragen nichts Verdächtiges mitgeteilt hätten.
Eine Frage der Kapazitäten
AFLD-Chef Pierre Bordry wies den Vorwurf zurück, dass man Riccos Testergebnisse - wie die von Dueñas' - bereits am Mittwoch hätte bekanntgeben müssen: «Das ist eine Frage der Kapazitäten. Die Laboratorien haben sehr viel zu tun.» Zugleich forderte er von der französischen Regierung mehr Gelder für den Anti-Doping-Kampf: «Ich brauche mehr Mittel vom Ministerium, um die Kontrollen schneller durchführen zu lassen». Ricco und Dueñas waren beide nach der 4. Etappe erwischt worden. (nz/dpa)