Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Tour de France im Schatten des Betrugs: 

Spanier Dueñas Nevado nächster Doping-Sünder

16. Jul 2008 11:16, ergänzt 17:34
Im Fokus: Die Radprofis bei der Tour de France
Bild vergrößern
Kaum zu glauben: Nach Manuel Beltran ist in Frankreich ein weiterer spanischer Rad-Profi positiv auf das Blutdopingmittel Epo getestet worden. Dueñas Nevado muss nun sogar eine Haftstrafe fürchten.

Die 95. Tour de France schreibt die Skandal-Chronik ihrer jüngsten Vergangenheit fort und fügt mit dem Doping-Fall Dueñas Nevado ein weiteres dunkles Kapital hinzu. Der zweite ertappte Sünder der diesjährigen Frankreich-Rundfahrt hat alle Hoffnungen auf ein sauberes Rennen zunichtegemacht und könnte als erster Fahrer der Tour-Geschichte mit einer Haftstrafe wegen Dopings belangt werden.

Kurz vor dem Start der 11. Etappe in Lannemezan wurde am Mittwoch bekannt, dass der Spanier Moises Dueñas Nevado nach dem von Stefan Schumacher gewonnenen Zeitfahren rund um Cholet am vergangenen Dienstag positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet worden war.

Razzia mit erschreckenden Ergebnissen

Bei einer Razzia in seinem Hotelzimmer stellte die französische Polizei zudem verbotene Substanzen sicher. Sein britisches Barloworld-Team, das die Tour fortsetzte, suspendierte den bisherigen Gesamt-19. mit sofortiger Wirkung. «Mit diesem Problem muss jetzt jedes Radsport-Ereignis kämpfen. Wir finden die Betrüger», kommentierte Tour-Direktor Christian Prudhomme die zweite Hiobsbotschaft dieser Rundfahrt nach dem Doping-Fall Manuel Beltran.

Zu diesem Zeitpunkt wusste Prudhomme noch nicht, dass es noch schlimmer kommen sollte: Am Nachmittag wurde bekannt, dass die Kommissare im Hotel Rex in Tarbes bei dem 27-Jährigen Präparate sichergestellt hatten. Der Team-Arzt habe Dueñas Nevado die Medikamente nicht verschrieben, teilte dessen Equipe mit. «Wir sind absolut fassungslos über das, was geschehen ist, und über das Verhalten eines unserer Fahrer», sagte Barloworld-Manager Claudio Corti. Dueñas Nevado habe die Präparate vor allen versteckt.

Haftstrafe möglich

Nun droht dem Spanier eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren und eine Geldbuße von 75.000 Euro. Diese drakonischen Sanktionen sieht das verschärfte französische Anti-Doping-Gesetz im Fall von Besitzstrafbarkeit vor. Es wurde kurz vor Tour-Beginn ratifiziert. «Es ist interessant festzustellen, dass der zweite spanische Fahrer erwischt wurde», kommentierte Weltverband-Präsident Pat McQuaid.

Um 9.00 Uhr morgens hatte das Großaufgebot der Polizei zugeschlagen. Beamte und ein Vertreter der französischen Anti-Doping- Agentur AFLD durchsuchten Duenas Nevados Hotelzimmer und nahmen den 27-Jährigen anschließend mit aufs Revier, um ihn stundenlang zu verhören. «Das Team und der Fahrer waren geschockt. Wir haben ihn aus dem Rennen genommen und warten auf die B-Probe», erklärte zu diesem Zeitpunkt Barloworld- Sprecher Claudio Masnata. Sollte dem Team eine Mitschuld nachgewiesen werden, muss Barloworld eine Strafe von 100.000 Euro an die AFLD zahlen und das Rennen verlassen.

Gelassenheit im Fahrerlager

Im Fahrerlager und unter den Teamchefs wurde die neuerliche Schreckensmeldung gelassen aufgenommen - von Hektik oder Panik keine Spur: Doping ist fast schon Routine. «Es ist gut, dass Leute rausgefischt werden. Das wird wohl noch so weitergehen», sagte Columbia-Boss Bob Stapleton der Deutschen Presse-Agentur dpa.

Vor Dueñas Nevado war nach der 1. Etappe dessen Landsmann Beltran als erster Epo-Konsument der Tour 2008 überführt worden.
Trotzdem dürfte das Ende der Fahnenstange in Sachen Doping bei dieser Tour noch nicht erreicht sein. So ranken sich um den populären Franzosen Christoph Moreau, den letzten sportlich Überlebenden des Skandal-Teams Festina von 1998, erneut Doping-Gerüchte. «Ich bestätige nochmals, dass mein Name nicht auf dieser Liste steht. Mittlerweile müssen wir uns rechtfertigen, wenn wir gewinnen, wenn wir eine Niederlage erleiden oder wenn wir wie ich wegen Schmerzen aussteigen», sagte der 37-jährige Moreau, der während der 7. Etappe wegen Rückenbeschwerden aufgab, der «L'Équipe».

20 Profis nahe am Grenzwert

Das Damoklesschwert weiterer Doping-Fälle wird die Tour wohl so schnell nicht los. So soll es laut der französischen Zeitung eine Liste von «fünf Fahrern» geben, deren Hormonspiegel und Blutbilder erhebliche Auffälligkeiten aufwiesen. Die AFLD sprach von «etwa 20 Profis», die Test-Ergebnisse nahe am Grenzwert gehabt hätten.

Hatten Team-Leiter, Organisatoren und Fahrer den Doping-Fall des 37-jährigen Beltran noch als Dummheit eines Ewig-Gestrigen abgetan, ist dieses Argument beim zehn Jahre jüngeren Dueñas Nevado nicht mehr stichhaltig. Für Stapleton ist das ohnehin keine Generationsfrage: «Das ist keine Frage des Alters, sondern der Mentalität.» Als bisher größten Erfolg seiner Karriere hatte Dueñas Nevado 2006 den Gesamtsieg bei der Tour de L'Avenir («Tour der Zukunft») verbucht. (dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Sportschauen
Zu weiteren Sportschauen
Zum Wissenstest

Alle Wissenstests

Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
 
Stillstand statt Fortschritt:: 
Wolfsburgs Nullnummer beim BVB
Wieder nur Unendschieden: 
Sestaks Traumtor per Fallrückzieher
 
Standortbestimmung in Bremen: 
Fehlersuche nach dem Famagusta-Spiel
Champions League - 5. Spieltag: 
Werder verpasst das Achtelfinale
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Zur Autogazette
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.