Doping-Fall bei der Tour de France:
Den Ersten haben sie erwischt
11.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Vorher hatte die AFLD bekanntgegeben, dass es bei Routine- Kontrollen vor dem Tour-Start bei «etwa 20 Radprofis Unregelmäßigkeiten» gegeben hatte. «Etwa 20 Fahrer haben leicht erhöhte Ergebnisse, knapp am Grenzwert», sagte Philippe Sagot von der Anti-Doping-Agentur der Nachrichten-Agentur AP. Bei einigen Fahrern sei teilweise der Hämatokritwert, der ein möglicher Indikator für Blutdoping ist, erhöht gewesen. Zuvor hatte «Le Monde» berichtet, dass bei zehn Fahrern «Unregelmäßigkeiten» festgestellt worden seien. Die dabei ins Visier geratenen Profis, deren Namen noch nicht bekannt sind, waren laut «Le Monde» am Donnerstagabend in ihren Hotels informiert worden. Ob auch der Name des Bergspezialisten Beltran auf der Liste der 20 Fahrer auftaucht, ist nicht bekannt.
Die Kontrolleure hatten am 3. und 4. Juli vor dem Start in Brest den Hormonstatus und die Blutwerte aller 180 Tour-Teilnehmer getestet. Die Analysen wurden in einem von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA lizenzierten Labor in Lausanne vorgenommen. Laut «Le Monde» sollen bei den betroffenen Profis jetzt Ziel-Kontrollen vorgenommen werden. Die Informationen seien auch an den Weltverband UCI gegangen, der zum ersten Mal nicht für die Doping-Kontrollen bei der Tour zuständig ist. Die Test-Ergebnisse sollen in den Blutpass der UCI, die vor einigen Wochen bei 23 Fahrern Auffälligkeiten festgestellt hatte, einfließen. Ob es sich teilweise um dieselben Profis handelt, ist nicht bekannt.
Unterdessen ereilte den Aspiranten auf den Toursieg, Alejandro Valverde, aus Lausanne frohe Kunde. Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) teilte am Freitag mit, dass der unter Doping-Verdacht stehende Spanier vorerst keine Sanktionen zu befürchten habe. Das Verfahren gegen den Radprofi sei für eine Dauer «von maximal sechs Monaten» unterbrochen worden. Den spanischen Behörden solle Zeit gegeben werden, auf eine CAS-Anfrage zu antworten. Die Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und die UCI hatten moniert, dass der spanische Verband gegen Valverde kein Doping-Verfahren eröffnet hat.
Franke wundert sich dagegen, warum der 28-Jährige, der zum Tour- Auftakt zwei Tage in Gelb fuhr und Kontakte zum Doping-Kartell Fuentes unterhalten haben soll, überhaupt die Starterlaubnis erhielt: «Ich habe schriftliche Unterlagen darüber, dass er zig Mal gedopt hat. Wie viel er für die Mittel bezahlt hat. Keiner weiß, warum er weiterfahren durfte.» (Andreas Zellmer und Benjamin Haller, dpa)

