09.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Nachname: Homosexuell
Namenswitze, weiß man in Redaktionen, sind verboten. Nur Filterprogramme, die aus welchen Gründen auch immer, Begriffe einfach ersetzen, kennen das Verbot nicht. Jüngstes Opfer ist der amerikanische Weltklassesprinter Tyson Gay.
Tyson Gay hat zurzeit einige Probleme: Der Wind sorgte dafür, dass der amerikanische Sprinter mit 9,68 Sekunden zwar den schnellsten Lauf der Menschheitsgeschichte hinlegte, dies aber nicht als Weltrekord gewertet wird. Eine Zerrung sorgte dafür, dass er bei den US-Trials in Eugene/Oregon sich nicht für die Olympischen Spiele qualifizieren konnte.
Ein Name und die KonservativenDoch das aktuellste Problem bereiten Tyson Gay amerikanische Konservative: Wie die «Washington Post» vor wenigen Tagen berichtete, sorgen so genannte Auto-Replace-Filter auf den Websites von konservativen Einrichtungen, wie etwa der «American Family Association» dafür, dass aus dem Namen Tyson Gay plötzlich Tyson Homosexual wird.
Entsprechend sahen die Meldungen der Agentur AP aus, die auf dieser Website zu lesen waren: «Tyson Homosexual gewinnt leicht sein Halbfinale über 100 Meter bei den US-Leichtathletik-Trials» oder: «Homosexueller erreicht das Finale über 100 Meter».
Gay bleibt GayDas Wort «gay» steht nämlich im Englischen für «schwul» oder «Schwuler», und da es eine Eigenbezeichnung von Schwulen ist, wird sie von homophoben Konservativen durch das Wort «homosexuell» benutzt. Durch die Wortwahl wollen sie darauf hinweisen, dass sie Homosexualität für eine Krankheit halten.
«Wir haben nicht das Personal, um all die Hollywood-Geschichten zu beobachten», sagt der News-Chef der «American Family Association», warum sie die Auto-Ersetzungs-Funktion aktiviert haben. Nachdem Tyson Gay nun in der Weltklasse läuft, musste seine Website den Filter deaktivieren. (nz)