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Abschied des Sprint-Königs: 

Zabels letzte Tour

04. Jul 2008 10:36
Auf Abschiedstour: Erik Zabel
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Zum 14. und aller Voraussicht nach letzten Mal wird der Berliner Radprofi am Samstag bei der ersten Etappe der Frankreich-Rundfahrt dabei sein. Nach den Skandalen der Vorjahre soll sowohl für die Tour als auch für Zabel der rein sportliche Charakter im Vordergrund stehen.

Am Tag der 3. Etappe feiert Erik Zabel seinen 38. Geburtstag. Große Feierlichkeiten sind für den 7. Juli allerdings nicht geplant. Der gebürtige Berliner gibt in Frankreich bei seinem 14. Start seinen Tour-Abschied, auch wenn er sich über seine sportliche Zukunft noch nicht dezidiert geäußert hat. «Eine Entscheidung wird Ende August bekanntgegeben», sagte Zabel bei der Präsentation des Tour-Kaders seines Milram-Teams.

Auf der Zielgeraden seiner höchst bemerkenswerten Karriere kam der Familienvater 2007 ins Straucheln. Die gewandelte Wahrnehmung des Radsports und seiner «Helden» hat auch vor ihm nicht haltgemacht. Er musste den Abstieg vom respektierten und bewunderten Leitbild zur Reizfigur verkraften. Für die Tour 2008 hat Zabel einen bescheidenen Wunschzettel: «Mit viel Glück ein Etappensieg oder noch einmal das Grüne Trikot - wenn auch nur für einen Tag». Er hat keine Illusionen. «Ich kann nur noch erfolgreich sein, wenn ein anderer Fahrer einen Fehler macht», sagte Zabel der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung».

Umstrittenes Geständnis

Das Radsport-Jahr 2007 war geprägt vom Denkmalsturz eines Jan Ullrich und tiefen Einblicken in die Doping-Praktiken zahlreicher Teams. Aussagen von Insidern, Fahrern, Betreuern und Ärzten, brachten mehr Licht ins Dunkel, als vielen Beteiligten lieb sein konnte. Auch der 37-jährige Zabel, nach Siegen gerechnet der erfolgreichste noch aktive Profi, begab sich in einen der zahlreichen öffentlichen Beichtstühle - und machte dabei keine sehr glückliche Figur.

Sein tränenreiches Doping-Geständnis am 24. Mai in der Bonner T- Mobile-Zentrale wirkte im Licht der nachfolgenden, viel weiter gehenden Aussagen seiner ehemaligen Arbeitskollegen Jörg Jaksche und Patrik Sinkewitz, kalkuliert. Seine gerade bis zur Verjährungs-Grenze reichende Soft-Beichte («Eine Woche Epo bei der Tour 1996») wurde ihm kaum als Mutprobe angerechnet. Durch das sich verfestigende Bild des flächendeckenden Dopings im Telekom- und späteren T-Mobile-Team gerieten auch die sportlichen Großtaten des ehemaligen Spitzenreiters der Weltrangliste in ein besonderes Licht.

Erfolgsgeschichte mit Fragezeichen

Der Erfolgshunger des gebürtigen Berliners schien unstillbar: Zwölf Tagessiege bei der Tour, sechs Grüne Trikots in Serie (das erste von 1996 wurde ihm nach seiner Doping-Beichte aberkannt), vier Siege bei Mailand-San-Remo oder zwei Vize-Weltmeisterschaften sind nur Etappen seines Erfolgswegs. Der «Marathon-Mann» wurde respektiert für seinen Professionalismus, der ihm im Schatten der Lichtgestalt Jan Ullrich Erfolge in jahrzehntelanger Permanenz erlaubte. Jahr für Jahr, von Februar bis Oktober. Leider hat Zabel selbst nicht unbedingt zur Differenzierung beigetragen, zu welchen Anteilen seine Erfolgs-Story mit der bei seinen Bonner Arbeitgebern genossenen, medizinischen Betreuung zusammenhing.

Das Karriere-Ende des deutschen «Sportlers des Jahres» von 2001, der wie Ullrich die DDR-Sportförderung durchlaufen hat, steht bevor. Sein Ausrollen im Team Milram, das erst seinen Doping-belasteten Teamchef Gianluigi Stanga entließ und dann im Mai 2008 Team-Kapitän Alessandro Petacchi und Ex-Weltmeister Igor Astarloa, wird kaum noch zur großen Show taugen. Sein Vertrag beim Bremer Milch-Produzenten, der begann, nachdem ihm sein «Lehrbetrieb» T-Mobile 2005 die Tür zur Tour-Teilnahme zugeschlagen hatte, läuft am Jahresende aus.

Finanziell hat «Ete» nach 15 Profijahren längst ausgesorgt. Seinem Freund Rudolf Scharping reichte als Verbandschef die öffentlich eingestandene Reue und die angekündigte Zahlung von 100.000 Euro für die Doping-Bekämpfung zum Rehabilitieren. Ganz mag Zabel noch nicht an eine wenigstens teilweise Genesung des Patienten Radsport glauben: «Lassen Sie mich so naiv sein und an den Radsport glauben.» (dpa/nz)

 
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