Der Erfolgshunger des gebürtigen Berliners schien unstillbar: Zwölf Tagessiege bei der Tour, sechs Grüne Trikots in Serie (das erste von 1996 wurde ihm nach seiner Doping-Beichte aberkannt), vier Siege bei Mailand-San-Remo oder zwei Vize-Weltmeisterschaften sind nur Etappen seines Erfolgswegs. Der «Marathon-Mann» wurde respektiert für seinen Professionalismus, der ihm im Schatten der Lichtgestalt Jan Ullrich Erfolge in jahrzehntelanger Permanenz erlaubte. Jahr für Jahr, von Februar bis Oktober. Leider hat Zabel selbst nicht unbedingt zur Differenzierung beigetragen, zu welchen Anteilen seine Erfolgs-Story mit der bei seinen Bonner Arbeitgebern genossenen, medizinischen Betreuung zusammenhing. Das Karriere-Ende des deutschen «Sportlers des Jahres» von 2001, der wie Ullrich die DDR-Sportförderung durchlaufen hat, steht bevor. Sein Ausrollen im Team Milram, das erst seinen Doping-belasteten Teamchef Gianluigi Stanga entließ und dann im Mai 2008 Team-Kapitän Alessandro Petacchi und Ex-Weltmeister Igor Astarloa, wird kaum noch zur großen Show taugen. Sein Vertrag beim Bremer Milch-Produzenten, der begann, nachdem ihm sein «Lehrbetrieb» T-Mobile 2005 die Tür zur Tour-Teilnahme zugeschlagen hatte, läuft am Jahresende aus.
Finanziell hat «Ete» nach 15 Profijahren längst ausgesorgt. Seinem Freund Rudolf Scharping reichte als Verbandschef die öffentlich eingestandene Reue und die angekündigte Zahlung von 100.000 Euro für die Doping-Bekämpfung zum Rehabilitieren. Ganz mag Zabel noch nicht an eine wenigstens teilweise Genesung des Patienten Radsport glauben: «Lassen Sie mich so naiv sein und an den Radsport glauben.» (dpa/nz)