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Schwul-lesbische Fußballfans: 

«Im Stadion wollen wir alle dasselbe»

27. Jun 2008 09:57
Die Hertha-Junxx bringen Farbe ins Stadion.
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Ob «Rainbow-Borussen» oder «Queerpass» - ihr oberstes Ziel ist ein friedliches Miteinander. An diesen schwul-lesbischen Vereinen könnten sich so manche Hooligans ein Beispiel nehmen, meint Maike Schultz. Mit Video

Deutschlands Lieblings-Sport ist längst keine heterosexuelle Männerdomäne mehr. Als Beleg reicht ein Blick in den Fanblock, wo inzwischen mehr als die Hälfte der Bundesliga-Clubs die Regenbogenfahne wehen lässt. Vereine wie Hertha-Junxx oder Rainbow-Borussen bringen Farbe ins Stadion und setzen sich gegen Homophobie im Fußball ein.


Schwul-lesbische Fußball-Fanclubs in Deutschland: Eine Auswahl

Hertha BSC: Hertha-Junxx

Die Hertha-Junxx und –Mädelz gründeten sich als erster offizieller schwul-lesbischer Fußballfanclub der Bundesliga und sind seit 2005 ein eingetragener Verein. Bis jetzt haben sich rund 40 Schwule und Lesben zwischen 20 und 46 Jahren angemeldet. Hertha BSC hat positiv auf die Regenbogenflaggen im Olympia-Stadion reagiert: Sprecher Felder nannte es «klasse, dass sich ein schwuler Fanclub zusammengefunden hat». Ex-Trainer Jürgen Röber soll es «ganz normal» finden.

Der Fan-Club organisiert noch mehr als nur gemeinsame Stadionbesuche. Als eigenes Team machen die Junxx bei den Berliner Spaß-Turnieren Hertha-Cup, Come-Together-Cup und Respect Gaymes mit. Jeden Sonntag trainieren sie an der Löwenbrücke im Tiergarten.

Borussia Dortmund: Rainbow-Borussen

Rainbow-Borussen heißt der erste schwul-lesbische Fanclub von Borussia Dortmund. Seine Gründung vor vier Jahren ging auf die Initiative von zwei schwulen BVB-Fans zurück, die sich über das Internet kennen gelernt hatten und dann gemeinsam das Westfalenstadion besuchten. Durch Aufrufe in Foren und sozialen Netzwerken lernten sie weitere Interessenten kennen.

Sören Lang von den Hertha-Junxx hat eine Kurz-Doku über seinen Club gedreht.
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Inzwischen zählt ihr Club fast 50 Mitglieder. «Ich bin hier, weil ich schon vor meinem Coming-Out BVB-Fan war und mein Schwulsein nichts daran geändert hat», sagt eines. Neben den Besuchen aller BVB-Spiele bieten die Dortmunder Stammtisch-Treffen in der Gaststätte Bürgermeister Lindemann und ein wöchentliches Fußballspiel mit dem hauseigenen «Dream Team» an.

Hamburger SV: Blue Pride

2006, im Jahr des Weltmeisters der Herzen, gründeten schwule HSV-Fans ihren Blue Pride-Club. «Es gibt wirklich viele schwule oder bisexuelle Fans. Viele trauen sich aber wegen der Diskriminierung nicht ins Stadion», steht auf ihrer Website. «Wir wollen uns für den Erhalt von Freundschaften unter den Fans einsetzen, die alle nur das eine wollen: Dass der HSV nach über 20 Jahren endlich wieder die Salatschüssel nach Hamburg holt.»

Frei nach dem Motto «Rivalität Ja - Hass Nein» hat Blue Pride sich mit anderen Fanclubs wie den Rainbow-Borussen «verpartnert». Jedes Mitglied erhält ein Vorkaufsrecht für Tickets der Hamburger Heim- und Auswärtsspiele.

1.FC Köln: Andersrum rut-wiess

Schon 2001 gab es die Idee, in Köln den schwul-lesbischen Fanclub «Gaysböcke» zu gründen – doch die Umsetzung scheiterte an internen Problemen. Zu einer offizielle Gründung kam es erst im vergangenen Jahr. Andersrum rut-wiess lautet nun ihr neuer Name. Eine Rundmail bei Gayromeo und eine Stadion-Durchsage beim Kölner Come-Together-Cup bescherten den Rheinländern regen Zulauf: Inzwischen gehören rund 70 Fans zu ihrem Club.

Dessen Sinn und Zweck ist aber nicht nur die Unterstützung des FC, sondern auch Werbung für mehr Toleranz. «Wir sehen das Stadion als letzte Bastion der Homophobie und daran wollen wir etwas ändern», sagt Gründungsmitglied Andreas Stiene. «Wenn im Stadion Spieler mit 'Schwule Sau' beschimpft werden, beleidigt uns das.» Aus dem «Kölschen Jrundjesetz» haben sie elf Gebote (nachzulesen auf der Website) als Spielregeln ihres Clubs abgeleitet: Oberster Grundsatz ist die Förderung eines friedlichen Miteinanders.

FC Bayern München: Queerpass Bayern

In München gibt es nicht nur die Streetboys – eine schwule Fußballmannschaft, die in der C-Klasse spielt – sondern auch einen schwul-lesbischen Fanclub des FC Bayern, den Queerpass.

Nur ein Drittel seiner 50 schwulen und zwei lesbischen Mitglieder wohnt in München, der Rest kommt aus Hamburg, Berlin, Mannheim oder der Schweiz. Genau wie die anderen schwul-lesbischen Fanclubs engagiert sich auch Queerpass «für eine friedliche Fankultur, gegen Intoleranz und Homophobie im Fußball.»

Freundschaftliche Kontakte zu «normalen» Fanclubs zeigen, dass das tatsächlich funktioniert. «Ich bin ein politischer Mensch. Ich will, dass Schwule und Lesben in allen Bereichen des Lebens sichtbar sind», erklärt «Clubmutti» Dirk Brüllau. «Ansonsten braucht der Fußball keine sexuelle Orientierung. Dem Ball ist es ja auch egal, ob er von einem Schwulen oder einem Hetero gespielt wird.» Bei Auswärtsspielen treffen sich die Queerpassler zum Stammtisch in der Kneipe Klenze 17.

Mit Philipp Lahm haben die Bayern den ersten deutschen Nationalspieler in der Mannschaft, der sich öffentlich für Toleranz gegenüber homosexuellen Fußballern geäußert hat.

«Wenn ein Spieler schwul ist, ist er trotzdem mein Mannschaftskollege, und für mich würde sich im Umgang mit ihm nichts ändern», sagte er 2007 in einem Interview. Queerpass Bayern unterstützt auch die Aktion «Fare» (Football Against Racism in Europe) des DFB in Kooperation mit der UEFA.

Schwul-lesbische Fußballvereine: Eine Auswahl

Frauen/Lesben-Sportverein Seitenwechsel

Seitenwechsel wurde 1988 in Berlin gegründet und ist heute mit über 600 Mitgliedern der europaweit größte Frauen/Lesben-Sportverein. Unabhängig von Hautfarbe, Nationalität, körperlichen Voraussetzungen, Alter oder sexueller Orientierung ist hier jede willkommen, sich in einer der diversen angebotenen Sportarten auszuprobieren.

Die klassische «Männersportart» Fußball zählt neben Handball und Volleyball zu den beliebtesten «Lesbensportarten» – «obwohl oder gerade weil der DFB den Frauen bis 1970 das Fußballspielen verboten hatte», meint Seitenwechsel. Bei ihnen gibt es Teams für Anfängerinnen, Mittelstufe und Fortgeschrittene. Per Email kann jede Interessierte problemlos einen Termin zum kostenlosen Probetraining ausmachen.

Betreut werden die Kickerinnen unter anderem von der ehemaligen Bundesliga-Spielerin Tanja Walther (Turbine Potsdam). Sie engagiert sich in der European Gay & Lesbian Sport Federation (EGLSF) für die Belange von Homosexuellen im Sport.

Tanja Walther (re.) unterstützt die Kampagne
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«Die Öffentlichkeit interessiert sich kaum für die Sexualität der Spielerinnen, weil sich für Frauen generell viel weniger Menschen interessieren», sagte die Sportwissenschaftlerin bei einer Pressekonferenz. «Das merkt man ja schon, wenn man die Berichterstattung zur EM mit der zur Frauenfußball-WM 2007 vergleicht.»

Ballboys Stuttgart

Abseitz wurde 1993 in Stuttgart von 15 Volleyball spielenden Studenten gegründet. In nur 14 Jahren hat sich der Verein für Schwule, Lesben und Freunde mit 14 Abteilungen und rund 650 Mitgliedern zu einer festen lokalen Größe entwickelt.

Deutschlands Lieblings-Hetero-Sport ist dort gleich mit zwei Teams vertreten: Die Ballboys trainieren jeden Donnerstag auf dem Rasenplatz des TV Stuttgart-Cannstatt und nehmen regelmäßig an internationalen Turnieren teil. Die Frauen spielen freitags in der Halle des Königin-Olga-Stift Gymnasiums.

Vorspiel Berlin

Die schwule Fußballmannschaft von Vorspiel Berlin existiert schon seit über 18 Jahren. Sie wurde «als Gegenbeweis für die These, Schwule könnten nicht Fußball spielen» ins Leben gerufen, steht auf der Vereins-Homepage. Die Männer trainieren immer mittwochs im Stadtteil Weißensee. Es gibt es auch eine Frauengruppe, die jeden Dienstag in Grunewald trainiert.

Den Vorspielerin ist es richtig ernst mit ihrem Sport: Ihr Männer-Team spielt in der Freizeitliga der Technischen Universität, das bedeutet rund 20 Wettkämpfe in einer Saison. Auch an internationalen Turnieren nehmen sie gerne teil und belegten 2005 den vierten Platz bei der WM in Kopenhagen.

Im März organisierte Vorspiel selbst ein internationales schwules Hallenturnier und lud dazu 12 Teams aus Deutschland, Tschechien, Dänemark und Spanien ein. Mit dem Fußballfest wollten sie an die erfolgreichen Berliner East-West-Turniere 2003 und 2004 anknüpfen, für die sich damals auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit stark gemacht hatte.

Video: Hertha Junxx im Olympia-Stadion


 
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