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Eishockey-WM: 

Debakel für Deutschland

11. Mai 2008 12:13
Goalie Dimitrij Kotschnew (M.) allein gegen Nash (r.) und Getzlaf
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Eine indiskutable Leistung des DEB-Teams hat zum ersten zweistelligen Resultat des Turniers geführt. Mit der Blamage gegen WM-Gastgeber Kanada verspielten die Deutschen nicht nur ihre letzte Viertelfinal-Chance.

Die vielen negativen Schlagzeilen der letzten Tage haben die deutschen Eishockey-Spieler anscheinend mehr belastet als vermutet. Mit der höchsten WM-Pleite seit 22 Jahren hat die DEB-Auswahl die Chance auf das Viertelfinale und die direkte Qualifikation für Olympia 2010 vergeben. Die DEB-Auswahl ging am Samstag in Halifax mit 1:10 (0:4, 0:5, 1:1) gegen den gastgebenden Titelverteidiger unter und erinnerte an scheinbar längst vergangene dunkle Tage.

«Das war so schlecht»

«Das muss jedem peinlich sein, was hier passiert ist», sagte Routinier Stefan Ustorf. Teamkollege Hackert meinte: «Man fühlte sich ein bisschen, als wenn man von einem Laster überfahren worden wäre.» Bundestrainer Uwe Krupp kommentierte auch den schlechtesten Auftritt seiner seit Dezember 2005 laufenden Amtszeit gewohnt deutlich: «Das war so schlecht, da gibt es keine Worte für.»

Durch das deutsche Debakel sicherte sich Weißrussland als neuntes Team die Teilnahme an den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver. Die deutsche Mannschaft muss nun versuchen, das Ticket im Februar 2009 daheim bei einem Qualifikationsturnier zu lösen.

«Du weißt nicht, wo hinten und vorn ist»

Ein 1:10 hatte es bei einer Weltmeisterschaft zuletzt 1986 in Moskau gegen Finnland gegeben. Ein Länderspiel ging zweistellig zuletzt beim 0:10 gegen die ehemalige UdSSR am 7. Dezember 1990 verloren. «Die Kanadier waren überragend, und wir hatten den schwärzesten Tag seit langem», sagte Franz Reindl. Der Sportdirektor des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) war 1986 auf dem Eis in Moskau gegen die Finnen dabei. «Nach so einem Spiel schläfst Du nicht. Du weißt nicht, wo hinten und vorn ist. Das ist das Schlimmste, was es als Sportler zu ertragen gibt: Du liegst 4:0, 5:0 hinten, es sind noch 35 Minuten zu spielen, und Du kannst es nicht stoppen.»

Bundestrainer Krupp nannte neben dem «ungeheuerlichen Klassenunterschied» auch kanadisches Scheibenglück als einen Grund für die Deutlichkeit der Pleite und wusste Kanadas Trainer Ken Hitchcock dabei auf seiner Seite: «Die haben fünf Tore mit Qualität gemacht und fünf, wo keiner weiß, wie sie reingegangen sind», erklärte Krupp und forderte, den Abend ganz schnell abzuhaken.

Cahnce zur Wiedergutmachung

In der Nacht zum Dienstag (01.15 Uhr/DSF) soll im letzten Zwischenrundenspiel wenigstens ein ordentlicher Abschied gegen Lettland gelingen, das als Weltranglisten-Zehnter derzeit noch einen Platz vor den Deutschen steht. «Da findest Du heraus, aus was für einem Holz die Jungs geschnitzt sind», sagte Krupp. Seine Spieler kündigten an, sich unbedingt rehabilitieren zu wollen. «Wir sind eine charakterstarke Truppe und wollen uns vernünftig verabschieden», versprach Eisbär Sven Felski.

Sein Berliner Vereinskollege Frank Hördler erzielte den deutschen Ehrentreffer zum Endstand (49.), als die Kanadier schon etwas das Tempo verringert hatten. Ein Jahr nach dem knappen 2:3 bei der WM in Moskau war Krupps Team von Beginn an chancenlos gegen den 24-maligen Weltmeister, bei dem der vierfache Torschütze Eric Staal (17./24./29./36.) herausragte.

Chance zur Wiedergutmachung

Jason Spezza (6.), Dany Heatley (14.) mit seinem siebten WM-Tor, Staal und ein Eigentor von Hördler (20.) sorgten dafür, dass der erste WM-Einsatz von Torhüter Dimitrij Kotschnew nach dem ersten Drittel schon wieder vorbei war. Robert Müller erging es danach nicht besser: Mit einem missglückten Ausflug verschuldete Müller das 0:9 durch Jamal Mayers (39.). Derek Roy (33.) und Mike Green (42.) trafen außerdem zum ersten zweistelligen Resultat dieser WM.

Zwei Tage nach den deutschen Fan-Protesten gegen DEB-Sportdirektor Reindl beim 4:6 gegen die USA blieben Unmutsbekundungen trotz des Resultates diesmal aus. Allerdings waren die deutschen Anhänger unter den 9182 Zuschauern auch zahlenmäßig nicht so stark vertreten wie bisher. Bundestrainer Krupp hatte seine harsche Kritik an den Fans vor der Partie zudem relativiert und als zu drastisch und zu pauschal bezeichnet.

Slowakei und Frankreich bleiben erstklassig

Der ehemalige Eishockey-Weltmeister Slowakei und Aufsteiger Frankreich haben sich bei der WM in Kanada vorzeitig den Klassenerhalt gesichert, Slowenien und Italien müssen dagegen absteigen. Die Slowakei feierte in den Abstiegs-Playoffs am Samstag (Ortszeit) mit 4:3 (1:0, 2:2, 0:1) nach Penaltyschießen gegen Neuling Slowenien ebenso schon den notwendigen zweiten Sieg wie Frankreich in Québec beim 6:4 (2:1, 1:1, 3:2) über Italien. Anstelle von Slowenen und Italienern sind bei der WM 2009 in der Schweiz wieder Österreich und erstmals seit 70 Jahren Ungarn erstklassig.

Die Slowaken schienen einen Tag nach dem 5:1 über Slowenien erneut auf dem Weg zu einem glatten Erfolg. Juraj Kolnik (8.), Robert Petrovicky (32.) und Lubomir Visnovsky (35.) schossen bei einem Gegentor durch Marijan Manfreda (26.) einen 3:1-Vorsprung heraus. Die Slowenen kämpften jedoch um ihre letzte Chance und schafften durch David Rodman (39.) und NHL-Profi Anze Kopitar (56.) den Ausgleich. Im Penaltyschießen trafen Kolnik für die Slowakei und Tomaz Razingar für Slowenien, ehe Visnovsky als letzter Schütze dem Favoriten den Sieg bescherte und ein entscheidendes drittes Spiel am Dienstag ersparte.

Auch Aufsteiger Frankreich machte nach dem 3:2 am Freitag vorzeitig alles klar. Baptiste Amar (9.), Yorick Treille (15.), Jonathan Zwikel (25.), Julien Derosiers (42.), erneut Treille (46.) und Sébastien Bordeleau (52.) sicherten die Erstklassigkeit. Für Italien waren die Treffer durch Jason Cirone (3.), Andre Signoretti (27.), Pat Iannone (45.) und Jonathan Pittis (57.) zu wenig.

Russland weiter ungeschlagen

Russland blieb zuvor ungeschlagen und gewann im vorletzten Zwischenrundenspiel in Québec 3:2 (0:1, 1:1, 2:0) gegen Olympiasieger Schweden. Den Siegtreffer schoss NHL-Star Alexander Owetschkin erst sechs Sekunden vor Schluss. Alexander Sjomin (33.) und Sergej Fjodorow (45.) glichen zuvor die schwedischen Führungen durch Mattias Weinhandl (8.) und Tony Martensson (40.) aus. Nach einem Check gegen Russlands Kapitän Sergej Morosow gab es im ersten Drittel eine Schlägerei, drei Akteure mussten vorzeitig vom Eis.

Beide Mannschaften waren bereits vor der Partie für das Viertelfinale qualifiziert, nachdem Tschechien nach Penaltyschießen 3:2 (0:1, 1:0, 1:1) gegen Weißrussland gewann und seinerseits weiterkam. Auch die Schweiz kann für das Viertelfinale planen. In Halifax sind bisher Titelverteidiger Kanada und Vizeweltmeister Finnland qualifiziert, auch die USA haben beste Aussichten auf das Weiterkommen. Deutschland hatte durch das 1:10 (0:4, 0:5, 1:1)- Debakel gegen Kanada das Viertelfinale verpasst. (nz/dpa)

 
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