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Eishockey-Coach sauer auf eigenen Anhang: 

«Unsere Fans sollen nach Hause fliegen»

10. Mai 2008 11:44
Bundestrainer Uwe Krupp
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Bei der Eishockey-WM in Kanada rückt das sportliche Abschneiden der deutschen Auswahl immer mehr in den Hintergrund: Die deutschen Fans sind erbost über die Verbandsführung - was Trainer Krupp auf die Palme bringt.

Eishockey-Bundestrainer Uwe Krupp platzte der Kragen: Nach seiner massiven Fan-Schelte droht die weitgehend verkorkste WM in Kanada nun auch noch im Streit mit den mitgereisten Anhängern zu enden. «Wenn uns die Fans nicht unterstützen wollen, sollen sie das nächste Flugzeug nach Hause nehmen. Es gehen jeden Tag drei, vier Flüge», schimpfte Krupp wegen der Rücktrittsforderungen an DEB-Sportdirektor Franz Reindl. Seine Mannschaft wird nach dem 4:6 (2:3, 1:1, 1:2) gegen die USA wohl noch vor dem Viertelfinale die Heimreise antreten müssen.

Die mindestens 300 nach Halifax gekommenen Fans hielten im deutschen Block schwarze, rote und gelbe Schilder hoch. Auf eine Seite hatten sie Parolen geklebt. Der Tenor: Profis auf dem Eis und Amateure in der Verbandsführung. Am deutlichsten zu sehen waren vor dem ersten und dem letzten Drittel aber die «Reindl raus»- Aufschriften. Krupp nahm dies irritiert zur Kenntnis, als er vor Spielbeginn seinen Stehplatz hinter der Bank einnahm.

Als «Unverschämtheit» bezeichnete er die Aktion gegen Reindl, der die Verantwortung für den unberechtigten Einsatz des inzwischen zurückgekehrten Ingolstädters Jason Holland übernommen hatte. Der gebürtige Kanadier war noch nicht spielberechtigt. Reindl hatte überlegt, nach dem «unverzeihlichen Fehler» seinen Posten beim Deutschen Eishockey-Bund (DEB) aufzugeben. Der Ex-Nationalspieler, der seit Wochen auch durch die verweigerte Dopingprobe von Florian Busch im Dauerstress ist, entschied sich wegen des großen internen Rückhalts aber zum Weitermachen und gab dies einige Stunden vor der Partie bekannt.

Krupp erbost über Plakate

Auch Ex-Verteidiger Krupp stellte sich erneut vor Reindl. Die Mannschaft in Kanada wisse, wer hart für sie arbeite. «Wer politische Statements machen will, soll zu den Politikern gehen. Wir haben zwei Jahre fast vor leeren Hallen gespielt», sagte Krupp und fauchte wegen der Plakate: «Dann ist es besser, wenn niemand kommt.»

Spätestens beim zweiten Zwischenrundenspiel gegen Kanada am Samstag (21.30 Uhr/DSF) wird sich zeigen, wie die bestens informierten Fans auf den Wutausbruch des bisher populären Hoffnungsträgers reagieren. Am Freitag hatten sich die Wogen zunächst geglättet. Es waren am Nachmittag keine Fans beim Training, in der kleinen Innenstadt verteilte Krupp Anstecknadeln - erkundigte sich aber vorher nach einer eventuellen Beteiligung an der Aktion.

Nur Siege gegen den gastgebenden Titelverteidiger und zum Zwischenrunden-Abschluss gegen Lettland könnten die DEB-Mannschaft noch ins Viertelfinale hieven, weil Krupp nach seinem Ärger über die Fans ansehen musste, wie sein Team nach drei Minuten 0:3 gegen die USA zurücklag. Assistenztrainer Ernst Höfner erklärte in der DEB-Mitteilung zur Partie: «Das unfaire und schlechte Verhalten der Fans hat der Mannschaft geschadet und ist mitunter für den schlechten Start verantwortlich.»

Guter Einsatz der DEB-Mannschaft

Nach einer Auszeit machte die deutsche Auswahl aus ganz wenig sehr viel gegen die drückend überlegenen US-Boys: Zwei Eigentore nach Aktionen von Michael Hackert (15.) und Busch (31.) sowie zwei Überzahl-Treffer durch Chris Schmidt (18.) und Michael Bakos (45.) sorgten nach dem 2:4-Zwischenstand für den nicht mehr erwarteten 4:4-Ausgleich. Dann kosteten wie beim 2:3 gegen Norwegen Strafzeiten die Partie, die Zach Parise (52.) und Dustin Brown (59.) per Schuss ins leere Tor entschieden.

Beim 4:5 saß erneut NHL-Profi Christoph Schubert draußen. Gegen Norwegen hatte er den Puck über die Bande geschossen, diesmal echauffierte sich der Verteidiger über einen Foulpfiff des viel weiter entfernt stehenden der beiden russischen Schiedsrichters. «Das wird in der NHL nicht gepfiffen», sagte Schubert und entschuldigte sich bei den Kollegen: «Ich mache es ja nicht mit Absicht.» (Robert Semmler, dpa)

 
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