Dopingproben-Skandal im deutschen Eishockey: 

netzeitung.deBusch droht weiterhin eine Sperre

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Florian Busch im Nationaltrikot (Foto: AP<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Florian Busch im Nationaltrikot
Foto: AP
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Im Verwirrspiel um die Kompetenzen der Anti-Doping-Agenturen sowie des Deutschen Eishockeybunds und des Eishockey-Weltverbands ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Eine Entscheidung soll noch vor dem nächsten WM-Spiel der Deutschen erfolgen.

Dem deutschen Eishockey- Nationalspieler Florian Busch droht bei der Eishockey-WM in Kanada nun möglicherweise doch der kurzfristige Ausschluss. Der Weltverband IIHF kündigte eine Entscheidung über den weiteren Einsatz bis zum Mittwoch an, nachdem die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) die IIHF aufgefordert hatte, das Verfahren gegen den deutschen Nationalspieler neu zu eröffnen und ihn vorläufig von allen Wettbewerben zu suspendieren. Das deutsche Nationalteam bestreitet in der Nacht zum Donnerstag (MESZ) sein letztes Vorrundenspiel gegen Norwegen.

Ob der 23 Jahre alte Eisbären-Stürmer nach seinem zunächst verweigerten Doping-Test am 6. März ausgeschlossen wird, ist offen. «Dies ist Sache des IIHF», erklärte WADA-Sprecher Frederic Donzé auf dpa-Anfrage. IIHF-Sprecher Szymon Szemberg erklärte danach, die Sportabteilung des Verbandes und die WADA würden über den Fall im anderen WM-Spielort Québec beraten. Dem deutschen Team drohe bei einer Sperre für Busch kein Punktabzug, betonte Szemberg.
IHHF-Präsident überrascht
IIHF-Präsident René Fasel war bei einem Besuch in Halifax mittags von der Wada-Mitteilung überrascht worden. «Wir haben vor der WM mit dem Deutschen Eishockey-Bund darüber gesprochen. Es ist schwer, den Fall zu kommentieren, weil es mehr eine rechtliche als eine Doping-Affäre ist», sagte der Schweizer.

Am vorigen Samstag hatte es vor dem deutschen WM-Auftakt gegen Finnland eine IIHF-Mitteilung gegeben, wonach die Wada Busch für die WM freigegeben habe. IIHF-Sprecher Szemberg sprach von schlechter Kommunikation. Busch schoss beim 1:5 gegen Finnland das deutsche Tor und bereitete die 1:0-Führung beim 4:2 über die Slowakei am Montag vor.

DEB hegt keine Zweifel
Aus Sicht des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) gibt es an der Spielberechtigung von Busch für die WM keinen Zweifel. Die IIHF habe ihm die Genehmigung erteilt, betonte DEB-Sportdirektor Franz Reindl zuvor. «Ich weiß nicht, wer sich da auf welchen Schlips getreten fühlt», sagte Reindl, räumte aber ein, man habe im Vorfeld wegen möglicher Querelen einen Verzicht auf Busch erwogen. «Aber wenn man Klarheit hat, warum soll man den Spieler dann nicht spielen lassen?»

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) hatte nach der milden Ahndung des verweigerten Tests von Busch durch den DEB die WADA informiert. Nach den Regeln des WADA-Codes hätte er mindestens für ein Jahr gesperrt werden müssen.


Kompetenzen offenbar umstritten
«Entgegen eines Berichtes auf der IIHF-Website vom 3. Mai hat die Wada den deutschen Eishockey-Spieler Florian Busch nicht von einem Anti-Doping-Verstoß freigesprochen», hieß es in der WADA-Mitteilung. Gleichzeitig beklagte die Agentur die mangelnde Kooperation des DEB. Vergeblich habe man sich über die Nada bemüht, Einsicht in das DEB-Regelwerk zu bekommen, um über einen möglichen Einspruch im Fall Busch entscheiden zu können. «Die Wada wurde durch die Nada informiert, dass der DEB nicht vor Ende der WM in Kanada Fragen beantworten würde», teilte die Wada mit. Dem widersprach Reindl.

Unterdessen hat der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, Peter Danckert, angekündigt, im Zuge des Busch-Falls die staatliche Förderung an den DEB überprüfen zu lassen. «Wir werden versuchen, auf das Bundesinnenministerium einzuwirken, die Fördermittel an den DEB zu überprüfen», sagte der SPD-Politiker am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Berlin.

Einigung gefordert
Die Nada hatte als Konsequenz auf die ihrer Ansicht nach regelwidrige Ahndung des verweigerten Doping-Tests den Vertrag mit dem DEB gekündigt. Damit werden von sofort an keine Trainingskontrollen im Eishockey mehr vorgenommen. «Dies zeigt die Entschlossenheit der Nada», sagte Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), «aber es darf nicht passieren, dass das Tor für ein Dialog geschlossen wird.» Nada und DEB müssten auf eine «gemeinsame Erkenntnis» kommen, wie es zu einer Unterwerfung unter das national Doping-Kontrollsystem kommen könne.

Bereits für den 16. Mai ist ein Treffen zwischen Nada- und DEB- Vertretern vereinbart. «Es kommt darauf an, dass der DEB auf das Eis zurückkehrt. Das war ein Warnschuss durch die Nada», meinte DOSB- eneraldirektor Michael Vesper. Der DEB müsse die Regeln einhalten. «Und die Nada ist das Kompetenzzentrum im Anti-Doping-Kampf.»


Streichung der Förderung im Gespräch
Nach Angaben von DEB-Vizepräsident Uwe Harnos erhält der DEB eine jährliche Förderung von 600 000 Euro. «Das ist natürlich ein Wort», sagte Harnos der dpa am Rande der WM in Halifax. Eine Streichung «würde dem Verband ernsthaft wehtun», da viele Planungen und Verpflichtungen auf diese Summe abgestellt seien. Allerdings bleibe der DEB überzeugt, richtig gehandelt zu haben. «Wir haben keinen Grund gesetzt, dass man uns etwas entziehen könnte. Im Notfall gilt es, das gerichtlich zu klären», fügte der Rechtsanwalt hinzu. Mit dem Bundesinnenministerium und dem Bundesverwaltungsamt sei man bereits in Kontakt, eine abschließende Stellungnahme solle es geben, sobald sich die NADA abschließend geäußert habe. Der Zuwendungsbescheid wird jeweils für vier Jahre nach den Olympischen Spielen vergeben. (dpa)