Der Fall Florian Busch:
Nada kündigt Vertrag mit Eishockey-Bund
05. Mai 2008 17:22
 |  Jubelt derzeit für Deutschland: Florian Busch | Foto: AP |
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Florian Busch sorgte mit einer verpassten Dopingprobe für viel Wirbel. Während der Eisbären-Stürmer mit der DEB-Auswahl bei der WM in Kanada spielt, schlägt die Geschichte in der Heimat wieder hohe Wellen.
Mit einem einmaligen Schritt in der Geschichte des deutschen Sports hat die Nationale Anti Doping Agentur (Nada) dem Deutschen Eishockey-Bund (DEB) im Kampf gegen Doping die Pistole auf die Brust gesetzt. Als Konsequenz aus dem «Fall Busch» gab die Nada am Montag in Frankfurt/Main bekannt, dass sie den Vertrag mit dem DEB gekündigt habe und ab sofort keine Trainingskontrollen im Eishockey mehr durchführen werde. Durch das Verhalten des Verbandes sei «die Geschäftsgrundlage für eine Zusammenarbeit nicht mehr gegeben», erklärte der Nada-Vorstandsvorsitzende Armin Baumert.
Neben dem Vorgehen des DEB im Fall Florian Busch ist nach Angaben der Nada auch die Tatsache, dass aus dem aktuellen Kader des DEB-Teams für die derzeit laufende Weltmeisterschaft in Kanada neun Spieler nicht für den nationalen Testpool der Nada gemeldet seien, Auslöser für das Ende der Zusammenarbeit. Die neun Spieler unterliegen damit nicht dem Kontrollsystem. Dabei soll es sich vor allem um in der amerikanischen Profi-Liga NHL beschäftigte Akteure handeln.
«Ich kann es nicht nachvollziehen»
Der DEB reagierte verwundert auf das Vorgehen der Nada. Sportdirektor Franz Reindl sagte in Halifax: «Ich bin überrascht und kann es nicht nachvollziehen.» Vor einer detaillierten Reaktion will Reindl zuerst die genauen Gründe für die Kündigung erfahren. Er wies darauf hin, dass die Nada auch in Kanada deutsche Spieler kontrolliert habe.
«Das Verhalten des DEB ist ein Schlag ins Gesicht für alle die Sportler, die sich auf dem Weg nach Peking an alle Kriterien des Kontrollsystems halten», sagte der Kuratoriumsvorsitzende der Nada, Hanns Michael Hölz. Baumert ergänzte: «Entweder hat der DEB die sportpolitische Bedeutung des Falles noch nicht verstanden, oder er will ihn aussitzen.»
Paragraphenreiterei
Der DEB hatte den beim Deutschen Meister Eisbären Berlin unter Vertrag stehenden Busch nach einer von ihm am 6. März verweigerten Dopingprobe verwarnt und mit einer Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro sowie der Ableistung von 56 Stunden gemeinnütziger Arbeit belegt. Nach den Regeln des Nada-Codes, der gleichlautend mit dem CODE der Welt Anti Doping Agentur (Wada) ist, hätte Busch für zwei Jahre gesperrt werden müssen, da nach Paragraf 2.3 des Codes eine verweigerte Dopingkontrolle mit einer positiven Dopingprobe gleichzusetzen ist. Der DEB hatte sich bei seinem Urteil auf Paragraf 2.4 berufen und den Fall als Missed Test eingestuft.
Dies sei nach Angaben von Anja Berninger, Leiterin des Justiziariats bei der Nada, jedoch falsch. Busch habe sowohl schriftlich als auch mündlich die Kontrolle verweigert. Erst fünf Stunden später habe er sich bei der Nada gemeldet und um eine nachträgliche Kontrolle gebeten. Diese sei dann auch vorgenommen worden, allerdings nicht im Auftrag der Nada, sondern auf Veranlassung des DEB. Nada-Geschäftsführer Christoph Niessen kritisierte die mangelnde Kooperationsbereitschaft des DEB. Noch am 2. Mai habe die Nada in einem vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) einberufenen Vermittlungsgespräch mit dem DEB-Vorsitzenden Hans-Ulrich Esken versucht, zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. Dies sei aber nicht gelungen.
Höhere Instanzen
DOSB-Generalsekretär Michael Vesper appellierte an beide Parteien, sich nach der WM wieder an einen Tisch zu setzen. «Das kann nicht das letzte Wort gewesen sein. Wir müssen zu einer dem starken deutschen Doping-Kontrollsystem gerecht werdenden Lösung kommen», sagte Vesper der Deutschen Presse-Agentur dpa. Er habe die Klärung des Falls durch die Deutschen Institution für Sportgerichtsbarkeit (Dis) oder den Internationalen Sportgerichtshof Cas in Lausanne vorgeschlagen.
Die Nada erklärte sich zu weiteren Gesprächen bereit und verwies zugleich auf starke Unterstützung durch zahlreiche weitere Spitzensportverbände. Auch die Wada stünde entgegen anderslautender Berichte voll hinter ihrem deutschen Ableger. «Es geht um die Glaubwürdigkeit des Doping-Kontrollsystems in Deutschland», machte Hölz deutlich.
Strafen in ähnlichen Fälle
Niessen erklärte, in dem Fall Busch ähnlichen Geschehnissen seien die Sportler jeweils für zwei Jahre gesperrt worden. Er verwies auf einen Fall in der deutschen Leichtathletik aus dem vergangenen Jahr, dessen Namen er aber wegen der Schweigepflicht nicht nennen dürfe. Zudem nannte er zwei Fälle aus der Schweiz. Dort waren der Mountainbiker David Paradis und der Bergläufer Christian Charrière zwei Jahre gesperrt worden. Im Jahr 2006 habe der Cas zudem eine Zweijahressperre gegen den australischen Amateurboxer Omar Al Shaick wegen einer verweigerten Dopingkontrolle bestätigt. (dpa)