16.08.2006
Herausgeber: netzeitung.de
In einer Arztpraxis
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Finanzierung des Gesundheitswesens hat sich in den vergangenen Jahren zu Lasten der Patienten verschoben. Mit einem Gesundheits- Anteil von 10,6 Prozent am BIP liegt Deutschland weltweit an dritter Stelle. Thema: Gesundheitsreform AOK fürchtet kräftige Beitragserhöhung AOK setzt im Reformkampf auf Bundestag Experte greift Pharma-Marketing an Müntefering verteidigt Gesundheitsreform Ministerium wirft Kassen Tatenlosigkeit vor Krankenkassen sollen Finanzen offen legen
Die Privathaushalte schultern einen immer größeren Anteil der Gesundheitskosten in Deutschland. 2004 trugen die privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck 14 Prozent der Ausgaben das sind 32,1 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte. 1995 betrug der Anteil noch zehn Prozent.
Dabei sind die Beiträge der Versicherten zu den Kassen nicht erfasst. Eingerechnet werden etwa Ausgaben für Medikamente, Brillen und die Praxisgebühr. Ausgaben für Wellnessangebote sind nicht enthalten. Der Ausgabenanteil der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) reduzierte sich von 1995 bis 2004 hingegen von 60 auf 56 Prozent. Damit trug die GKV im Jahr 2004 Ausgaben in Höhe von 131,6 Milliarden Euro.
Anstieg deutlich abgebremstDer Anteil der Privaten Krankenversicherung erhöhte sich leicht von acht auf neun Prozent. Die privaten Anbieter übernahmen Gesundheitsausgaben in Höhe von 21,1 Milliarden Euro. Insgesamt wurden in Deutschland den Angaben zufolge im Jahr 2004 rund 234 Milliarden Euro für Gesundheit ausgegeben, das sind 0,2 Prozent mehr als im Jahr 2003.
Damit wuchs der Anstieg deutlich abgebremst. Von 2002 zu 2003 betrug das Plus von 2,5 Prozent. Als Grund nannten die Statistiker Neuerungen wie die Praxisgebühr und höhere Zuzahlungen bei Medikamenten. Die bislang vorliegenden Daten für 2005 deuteten allerdings darauf hin, dass die Gesundheitsausgaben wieder stärker anstiegen, sagte der Präsident des Bundesamtes, Johann Hahlen.
Deutschland auf Rang dreiAls Krankheitskosten verbuchte das Amt für 2004 insgesamt 224,9 Milliarden Euro. Das sind rund neun Milliarden Euro weniger als die gesamten Gesundheitsausgaben, in denen auch die Ausgaben für Investitionen berücksichtigt werden. Insgesamt gibt Deutschland damit 10,6 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts (BIP) für Gesundheit aus. Damit liege Deutschland weltweit an dritter Stelle hinter den USA und der Schweiz, hieß es.
Seit 1995 stiegen die Gesundheitsausgaben bis 2004 um 25,5 Prozent oder im Schnitt jährlich um 2,6 Prozent. In derselben Zeit erhöhte sich das BIP um 13,5 Prozent oder durchschnittlich 1,4 Prozent im Jahr. Mit 4,2 Millionen Menschen arbeiten rund elf Prozent aller Beschäftigten in Deutschland im Gesundheitswesen.
Arzneikosten überdurchschnittlich gestiegenÄrztliche Leistungen verursachten mit 63,8 Milliarden Euro die höchsten Ausgaben. Allerdings stiegen diese Ausgaben seit 1995 nur um 19 Prozent, im Gegensatz zu den Kosten für Medikamente und Hilfsmittel, die um 37 Prozent auf 61,1 Milliarden Euro anwuchsen. Auf pflegerische und therapeutische Leistungen entfielen 56,9 Milliarden Euro. Hier liegt ein Anstieg seit 1995 um 23 Prozent vor.
Die höchsten Kosten von 35 Milliarden Euro entstanden 2004 durch Kreislauf-Krankheiten, gefolgt von Krankheiten des Verdauungssystems, Muskel-Skelett- und psychische Erkrankungen. Auf diese vier Krankheitsklassen habe sich über die Hälfte der gesamten Krankheitskosten verteilt, hieß es. (nz)